Die neue Große Bühne am Goetheanum

Am 26. September wurde die Bühne des Großen Saals wiedereröffnet. Sie wurde bis auf die Betonhülle vollständig erneuert und weist neu einen Orchestergraben auf. Als Besonderheiten erfassen Messsonden die Belastung am Betonträgerwerk und dient ein Glasfasergewebe mit Stahleinlagen als Eiserner Vorhang.

Die Goetheanum-Bühne wurde 1927 von der Wiesbadener Maschinenfabrik eingerichtet und war bis 2013 in Betrieb. Aufgrund von Altersbaufälligkeit war eine Sanierung unausweichlich geworden. Sie wurde im Herbst 2013 mit dem ehrgeizigen Ziel begonnen, innerhalb eines Jahres abgeschlossen zu sein. Dank des Einsatzes der beteiligten Firmen aus ganz Europa konnte dieses Ziel erreicht werden. Finanziert wurde die Sanierung in Höhe von 9 Millionen Franken aus Spenden und Eigenmitteln des Goetheanum.

Der Schnürboden wurde im bestehenden Betonträgerwerk aufgehängt und mit Messsonden ausgestattet. Sie kontrollieren ständig die Belastung und gewährleisten den sicheren Betrieb. Eine weitere Besonderheit ist das Glasfasergewebe mit Stahleinlagen, das an die Stelle des Eisernen Vorhangs tritt und in dieser Grösse ebenfalls ein Unikum darstellt. Das Glasfasergewebe ist mit zwei Tonnen Gewicht deutlich leichter als der alte Eiserne Vorhang mit rund acht Tonnen. Insgesamt wurden rund je 200 Tonnen Stahl aus- und wieder eingebaut.

«Die neue Maschinentechnik erlaubt eine mit der Steuerung der Lichtanlagen vergleichbare dynamische, nuancierte Bewegung», sagt Nils Frischknecht, Geschäftsführer der Goetheanum-Bühne. Weitere Verbesserungen sind mehr Lager- und Rangierraum, die Möglichkeit, das Bühnenportal auf beiden Seiten und in der Höhe maximal öffnen zu können, zwei Hubpodien zum Schrägstellen der Bühnenfläche sowie herausnehmbare Einlegetafeln im hinteren Teil der Bühne. Neben der Beleuchtung wurden auch ‹alte› Maschinen wie Einschlagkasten, Wind-, Donner- und Regenmaschine wieder eingebaut, die klanglich auf die am Goetheanum übliche Livemusik abgestimmt sind.

Das Goetheanum hat mit der Goetheanum-Bühne einen Mehrspartenbetrieb mit Eurythmie, Schauspiel und Musik sowie ein intensives internationales Tagungsgeschehen. «Mit einem Stadttheater ist die Bühne aber nicht zu vergleichen», so Nils Frischknecht, «weil die Veranstaltungen auch am Tagungsbetrieb ausgerichtet sind.» Alle Veranstaltungen der Goetheanum-Bühne sind öffentlich.

Sebastian Jüngel