40-jähriges Jubiläum Waldorfkindergarten Witten

40 Jahre Waldorfkindergarten Witten. Wir schauen voller Freude und Dankbarkeit auf diese Jahre zurück. Seit Gründung im Jahre 1974 und Bezug eines eigenen Kindergartenhauses 1979 in der Billerbeckstraße mit vier Gruppen ist viel passiert: Die Rudolf Steiner Schule nebenan wurde gebaut und 1983 eröffnet, es wurden Plätze für Kinder mit Förderbedarf geschaffen, die Öffnungszeiten wurden erweitert, eine fünfte Gruppe gegründet, aus dem Kindergarten wurde eine Kindertagesstätte, auch für Kinder unter drei Jahren.

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Anschnitt der Jubiläumstorte.

Dann wurde im Jahre 2009 der Kindergarten durch das Land NRW zum Familienzentrum zertifiziert, ein neues Kleinkindhaus gebaut und in diesem Jahr eröffneten wir aufgrund der hohen Nachfrage eine sechste Gruppe. Zu unserer Einrichtung gehören 112 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren mit ihren Familien sowie 34 Mitarbeiter. Wir sind der größte Waldorfkindergarten in NRW.

Die Zeiten verändern sich und damit die Lebensbedingungen von Kindern und Familien. Daraus entstehen immer wieder neue Herausforderungen, denen wir uns bewusst gestellt haben mit der Frage: „Was brauchen unsere Kinder und Eltern heute?“ So haben wir seit der Gründung des Kindergartens unser Angebot ständig erweitert und den Bedürfnissen der Familien angepasst, einhergehend mit einer Erweiterung des konzeptionellen Rahmens. Wir haben gemeinsam mit den Eltern ein Konzept „Von der Geburt bis zur Schulzeit an einem Standort“ entwickelt.

Der Mensch ist ein soziales Wesen, ein Bindungswesen. Unser Anliegen ist es also, dass Eltern und Kinder bei uns in vertrauter Atmosphäre über einen langen Zeitraum tragende und dauerhafte Beziehungen aufbauen können. Aufgrund dieser Beziehungen kann ein Vertrauensraum des gemeinsamen Lebens und Lernens geschaffen werden. Deshalb bieten wir einen von der frühsten Kindheit bis zum Schuleintritt auf die jeweilige Entwicklungsstufe des Kindes adäquat abgestimmten Gruppenzusammenhang an: Eltern-Baby-Gruppen, Eltern-Kind-Spielgruppen, Kindergartengruppen und Tagesstättengruppen für Kinder im Alter von eins bis drei und von drei bis sechs Jahren.

Die gemeinsame Gestaltung der Jahresfeste, Gesprächsabende, unser Familiencafé, Wald- und Bauernhoftage und weitere Angebote ermöglichen vielfältige Begegnungen und helfen, das Leben unter dem Dach des Familienzentrums lebendig zu gestalten. In diesem so gestalteten gemeinsamen Lebens- und Lernraum wird auch selbstverständlich Beratung und Unterstützung gesucht und angenommen.

Kindergärten werden für Kinder immer mehr zum „zweiten Zuhause“. Auch bei uns verbringen viele unserer Kinder die meiste Zeit des Tages. Was bedeutet dies für die Ausrichtung unserer Kindergartenarbeit? Daraus entsteht die Verantwortung mitzuhelfen, die eigenen Kräfte des Kindes zu stärken, also die Lebenswelt unserer Kinder so zu gestalten, dass sie sich gesund entwickeln können, eine stimmige Verbundenheit mit sich und ihrer Umwelt erleben und so mit Mut, Stärke und Zuversicht ihren Lebensweg gehen können. Diese Aufgabe im Sinne einer Salutogenese lag uns immer schon am Herzen, ist nun aber durch die hier angedeutete Entwicklung eine besonders dringliche geworden.

Kleine Kinder brauchen einen geschützten Lebensraum, der von Annahme, Geborgenheit und Vertrauen geprägt ist und von gesunden Lebensbedingungen. Dazu gehören gute Ernährung, Bewegung, vielfältige Sinneserfahrungen, aber auch Anregungen im handwerklichen oder im musisch-künstlerischen Bereich. Ein Lebensraum, der geprägt ist vom wirklichen Leben, von einfachen, sinnvollen und durchschaubaren Tätigkeiten, die dem kleinen Kind Vertrauen in die eigene Kraft und in die Handhabbarkeit der Welt vermitteln. So kann sich das heute als so wichtig erkannte Kohärenzgefühl beim kleinen Kind entwickeln.

Wir leben mit den Kindern und tun das, was das Leben an diesem Tag von uns fordert, z.B. das Frühstück gemeinsam vorbereiten, Obst schneiden, Brötchen backen, Tisch decken, gemeinsam essen, abwaschen, Gartenarbeit, Näh-und Werkarbeiten - es ist ein Alltag wie in einem großen Familienhaushalt, der sich durch Offenheit und Interesse für die Bedürfnisse der kleinen Kinder auszeichnet, immer wieder viel Zeit für das eigene freie Spiel der Kinder bereit hält und z.B. auch gerne und ausgiebig die Jahresfeste feiert.

Kinder kommen als Individualitäten auf die Welt, die sich mit ihren Interessen, Begabungen oder auch Handicaps entwickeln und ihren eigenen Weg gehen wollen. Sie brauchen liebevolle und sichere Beziehungsverhältnisse und kompetente Vorbilder. Es ist unsere Aufgabe, diesen Prozess zu begleiten, ihn so gut wie möglich zu gestalten und den Kindern ihre individuelle Entwicklungszeit zu lassen.

40 Jahre Familienzentrum Waldorfkindergarten Witten eine lange Wegstrecke liegt hinter uns. Generationen von Kindern, Eltern, Erzieherinnen, Helfern und Förderern haben diesen Waldorfkindergarten besucht, geprägt und mitgestaltet. Leitsterne, wie das durch die Anthroposophie ermöglichte Verständnis vom Wesen des Menschen verbunden mit einer aufmerksamen Wahrnehmung und einem Blick auf das kleine Kind und seine Entwicklung, sind uns dabei bis heute richtungsweisend.

40 Jahre voller Leben mit Höhen und Tiefen - doch immer fühlten wir uns von guten Mächten wunderbar geborgen. Deshalb schauen wir dankbar zurück und hoffnungsvoll in die Zukunft, bereit uns auch zukünftigen Herausforderungen zu stellen.

Sabine Zander

Leitung des Familienzentrums Waldorfkindergarten Witten

Di. 30. Oktober, 20 Uhr, Jubiläumsvortrag: „Gesundheit beginnt im Kindesalter. Wie Waldorfpädagogik die Gesundheitskräfte stärken kann“ mit Dr. med. Michaela Glöckler. Ort: Saal der Rudolf Steiner Schule Witten, neben dem Familienzentrum Waldorfkindergarten. Ab 19 Uhr kann der Kindergarten besichtigt werden.

Foto: Familienzentrum Waldorfkindergarten Witten