Zeidlerei auf dem Freudenberg

Eine Schwärmerei

Zwei der zahlreichen Bienenvölker, die für den Freudenberg schwärmen, haben besondere Lebensorte: Ein Volk lebt inmitten des Schlosses in einem Bienenkasten, das andere und das ist noch außergewöhnlicher lebt in einer mächtigen Esskastanie mitten im Park von Schloss Freudenberg.

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Honigfrau - Felsenzeichnung aus den Cuevas de Arana bei Bicorp, Valencia (Spanien)

Der Baum wurde vor drei Jahren fürs Zeideln auserwählt und infolgedessen speziell behandelt: Auf der Höhe von fünf Metern wurde eine etwa 40 Liter fassende Höhlung ins Innere des Stammes gehauen. Der Baum wächst gesund weiter und der dort lebende Bienenorganismus fühlt sich wesensgemäß wohl. Gäste des „Erfahrungsfeldes zur Entfaltung der Sinne und des Denkens“ können dies aus sicherer Nähe beobachten.

Im Energiestrom lebender Bäume finden andere Prozesse statt als in von Menschen gemachten Gebilden, also etwa in Bienenkisten, oder in von der Natur ausgeschiedenem Material wie beispielsweise in toten Bäumen. Die Schloss-Imker beobachten die Interaktion zwischen der lebendigen Energie im Saftstrom der Kastanie und dem Bienenvolk mit großem Interesse. „Wir können uns vorstellen, dass wir mit der Waldimkerei auch den Platz im System Wald besetzen, den sonst der Eichenprozessionsspinner einnehmen würde. Dann würden die Bienen den Befall und dessen Ausbreitung behindern“, sagt Bernhard Stichlmair, Schloss-Landschaftspfleger. „Vielleicht können wir daraus ein Modell für andere Wälder entwickeln.“

Das Zeidelwesen ist eine außergewöhnliche Form der Waldbienenwirtschaft: Zeidler machen sich seit Jahrhunderten das natürliche Verhalten von Bienenschwärmen, sich in Baumhöhlungen einzunisten, zunutze; sie „präparieren“ Bäume so, dass sie von Bienenschwärmen besiedelt werden. Die ausgesuchten Bienenbäume erhalten eine besondere Wurzel-, Borken- und Kronenpflege.

Bettina Bettmann

Foto: © Schloss Freudenberg