Studie

Zusammenhang von Schule und lebenslanger Gesundheit

Eine umfassende wissenschaftliche Studie der Freien Hochschule Stuttgart und der Chariteì Berlin zeigt, dass ehemalige Waldorfschüler lebenslang deutlich seltener an verschiedenen Beschwerden und Krankheiten leiden als Menschen, die keine Waldorfschule besucht haben.

„Uns hat interessiert, ob es einen Zusammenhang zwischen Schulart und lebenslanger Gesundheit geben könnte“, erläutert Prof. Dr. Christoph Hueck, Mitautor der Studie und Dozent an der Freien Hochschule Stuttgart. „Die Waldorfschule wurde als gesundheitsfördernde Schule konzipiert. Es gab daher schon ähnliche Vorläuferstudien. Jetzt haben wir die Frage jedoch zum ersten Mal nach höchsten wissenschaftlichen Standards untersucht“, so Hueck. Die Studie, die in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Claudia Witt vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Chariteì durchgeführt wurde, verglich die lebenslange Gesundheit von ca. 1.100 ehemaligen Waldorfschülern zwischen 20 und 80 Jahren mit derjenigen von rund 1.700 gleichaltrigen Nichtwaldorfschülern. Als mögliche Einflussfaktoren wurden neben der Art der besuchten Schule u.a. auch das eigene Gesundheitsverhalten, die Bildung, der soziale Status sowie verschiedene Faktoren des Elternhauses berücksichtigt.

Laut Prof. Dr. Hueck zeigten die ehemaligen Waldorfschüler bei einer Reihe von Erkrankungen und Beschwerden eine deutlich bessere lebenslange Gesundheit. So litten sie u.a. seltener an Bluthochdruck (16% gegenüber 19% der Kontrollgruppe), Arthrose (11% vs. 16%), Gelenkschmerzen (19% vs. 29%), Rückenschmerzen (35% vs. 45%), Gleichgewichtsstörungen (5% vs. 9%), Magen-Darm- Beschwerden (18% vs. 22%) und Schlafstörungen (19% vs. 26%). „In einigen Fällen, beispielsweise für Bluthochdruck, konnten außerschulische Einflussfaktoren dafür verantwortlich gemacht werden, vor allem die Bildung des Elternhauses, die im Schnitt bei ehemaligen Waldorfschülern höher war. Bei Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems sowie bei Magen-Darm-Beschwerden und Schlafstörungen konnten wir die geringere Häufigkeit bei ehemaligen Waldorfschülern nicht durch bekannte Faktoren erklären. Das deutet möglicherweise auf einen Einfluss der Schule. Es handelt sich allerdings um eine retrospektive Studie, und weitere Forschung ist nötig, so Hueck. Der Wissenschaftler erläutert, dass lebenslange Gesundheit eine hohe individuelle, aber auch volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Unsere Studie deutet darauf hin, dass in Bezug auf Volkskrankheiten wie Arthrose und Rückenschmerzen der Besuch einer Waldorfschule eine lebenslang gesundheitsfördernde Wirkung haben könnte.“

Freie Hochschule Stuttgart