DVD-Tipp

Carina Schmid - eine Hommage

Marcel Sorge und Benedikta Schradi begleiteten Carina Schmid in ihren letzten Monaten als Leiterin des Eurythmieensembles am Goetheanum. Interviews, Proben und Aufführungen geben Einblicke in ihre Persönlichkeit und Arbeitsweise.

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Carina Schmid im Gespräch mit Benedikta Schradi

Mit ihren Programmen und über 90 000 Zuschauern der drei Symphonie-Eurythmie-Projekte in Kooperation mit dem Else-Klink-Ensemble Stuttgart schrieb Carina Schmid Eurythmiegeschichte. Benedikta Schradi erschließt den Menschen hinter dieser Karriere und tiefer liegende Anliegen, etwa «eine Art kultische Eurythmie» zu entwickeln. In diesem Zusammenhang steht das Apokalypse-Programm, mit dem Carina Schmid die Aufgabe darstellt, zum eigenen Ich zu stehen, auch wenn Dämonen den «Freiheitsmoment» kappen wollen.

Schon früh interessiert sie sich fürs Bewegen und Heilen, doch erlaubt ihr Schulabschluss kein Medizinstudium. Nach einem Dolmetscher-Examen studiert sie bei der ersten Eurythmistin Lory Maier-Smits und schätzt auch andere Kolleginnen, weil sie in allen Ansätzen etwas Berechtigtes sieht. Die Fähigkeit, in andere hineinzuschlüpfen, zeigt Carina Schmid, wenn sie ihre Lehrerinnen humorvoll charakterisiert.

Benedikta Schradi erlebt an Carina Schmid «königlich wirkende Souveränität» und «wohltuende Großzügigkeit», verbunden mit klaren Zielen: Als Leiterin des Eurythieensembles am Goetheanum will sie den Traditionsstrom erhalten und mit einer zeitgemäßen Programmgestaltung ein adäquates Gegengewicht zur damaligen Avantgarde bilden jedoch nicht in Konfrontation, sondern als Brückenschlag zur nächsten Generation. Selbstbewusstsein paart sich mit Bescheidenheit: «Natürlich, ich bin eine gute Eurythmistin, sonst würde es nicht gehen, aber ich habe eine Farbe, und die anderen haben ihre Farben.» Auch in ihren Proben wird ihre defensive Haltung deutlich: Sie setzt hinter ihren Anregungen oft ein Fragezeichen, macht Vorschläge und stellt beim Vormachen auch mal fest: «Ich kann‘s gar nicht.» Geleitet wird sie von ihrem Anliegen, das Beste aus dem anderen herauszuholen: «Was offenbart sich durch dich?» Denn «dann bekommt man Respekt vor dem anderen».

Marcel Sorge

DVD: Carina Schmid. Filmporträt von Marcel Sorge und Benedikta Schradi, 1 Stunde 53 Minuten, 24 Euro. Weitere Informationen:

Marcel Sorge, E-Mail: marcel@sorge-studios.eu

Szenenfoto: © Marcel Sorge