Aus der Arbeit der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung

Nicaragua: Ein Ausweg aus Gewalt und Armut

Frauen nehmen ihr Schicksal in die Hand

Dank psychosozialer Beratung und Ausbildung gelingt Frauen, die Opfer familiärer Gewalt wurden, ein neuer Anfang.

Maria del Socorro Torres lebt mit ihren beiden Töchtern in ihrem kleinen Haus in Ciudad Sandino, einer Flüchtlingsstadt, entstanden nach den Überschwemmungen des Managuasees infolge des großen Erdbebens 1972. Aus der Ansammlung von Notunterkünften wuchs allmählich der Ort. Noch weitere Opfer diverser Naturkatastrophen wurden im Laufe der Jahre in Ciudad Sandino angesiedelt.

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Jeder Handgriff sitzt: Maria del Socorro Torres an ihrem Arbeitstisch.

Hier sind Analphabeten-, Arbeitslosigkeits- und Unterernährungsraten höher als im Landesdurchschnitt Nicaraguas. Vor allem Männer reagieren darauf häufig mit hohem Alkoholkonsum und erhöhter Gewaltbereitschaft, auch inner-halb der Familien. Seit Jahren steigt die Zahl der Anzeigen, die bei der Polizei, beim Kommissariat für Frauen und Kinder, eingehen. Im ersten Quartal 2013 waren es allein 8.768. Auch Maria del Socorro Torres litt unter der Gewalt ihres Mannes. Irgend-wann flüchtete sie sich zur Polizei, die sie an das Zentrum für integrale Bildung Maura Clarke, kurz CECIM, weitervermittelte.

Bei CECIM begegnete Maria del Socorro Torres anderen Frauen mit einem ähnlichen Schicksal. Sie nahm an Beratungskursen teil, in denen sie sich mit ihrer Biografie, dem Geschlechterverhältnis im Alltag, ihren Familienstrukturen, den Ursachen und dem Teufelskreis familiärer Gewalt beschäftigte. Ohne diese Kurse, so Maria del Socorro Torres, hätte sie es nie geschafft, ihren Mann zu verlassen. Und sie fragt sich, was dann wohl aus ihr und ihren Töchtern geworden wäre. Danach machte sie bei der gleichen Organisation eine sechsmonatige Ausbildung in Buchhaltung und Grundlagen der Rechnungslegung. Heute betreibt sie in ihrem Haus eine kleine Tortillabäckerei und einen Imbiss. Ihre Töchter besuchen die Schule und am Nachmittag helfen sie ihr.

Nun sollen 320 Frauen die Möglichkeit erhalten, an dem psychosozialen Beratungsangebot von CECIM teilzunehmen. Wenigstens 170 von ihnen sollen zudem die Chance erhalten, eine sechsmonatige Ausbildung zu absolvieren. Neben Buchhaltung gehört die Herstellung von Hängematten, Modeschmuck und Körben dazu. Diese Produkte werden in Cuidad Sandino und der Hauptstadt Managua rege nachgefragt.

Pro Jahr und Frau sind für die Beratungskurse und nachfolgenden Ausbildungen 126 Euro notwendig. Ihre Spende wirkt dank zusätzlicher Mittel der deutschen Bundesregierung vierfach.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck

Nicaragua: Selbsthilfe für Frauen

Zukunftsstiftung Entwicklung

Konto Nr.: 123 300 10

BLZ: 430 609 67 GLS Bank

Nachfragen unter: entwicklung@gls-treuhand.de

Foto: © CECIM, Nicaragua