40 Jahre Marionettenbühne Hurleburlebutz

Als ich vor 40 Jahren mit meinen Freundinnen die ersten harmlosen Puppenspiele für unsere Kinder machte, hatte ich noch keine Ahnung, dass das Marionettentheater schließlich so etwas wie meine Lebensaufgabe werden würde. Ich hatte in Berlin Graphik studiert und mit einer Märchenbuchillustration meinen Abschluss gemacht. Die Märchen waren und blieben dann auch das Thema der Inszenierungen auf der Puppenbühne.

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Die Begrüßung der Zuschauer und den Abschluss macht immer das Füchslein Hurleburlebutz.

Es blieb nicht bei den privaten Aufführungen, schon sehr bald kamen Anfragen von den Kindergärten, Schulen, einer Erziehungsberatungsstelle in einem sozialen Brennpunkt; wir spielten auf Kirchweihfesten, im therapeutischen Zentrum, in Sonderschulen und Altenheimen.

Zum Märchen-Puppenspiel braucht man mehrere Mitspieler, Sprecher und Musiker, aber verdienen kann man damit nichts. Dass wir trotzdem weitergemacht haben, liegt nicht nur an der Freude am Spiel. Gerade die Vorstellung in der Erziehungsberatungsstelle hat uns die Augen dafür geöffnet, dass die Kinder brauchen, was wir tun. Um uns auf die schwierigen Kinder vorzubereiten, zeigten uns die Sozialpädagoginnen, was sie alles zerstört hatten, auch frisch gepflanzte Blumen hatten sie herausgerissen. Nachdem wir die Bühne aufgebaut hatten, warteten wir auf unsere Zuschauer. Sie kamen auch recht zahlreich, mussten aber bis zum Beginn noch einige Minuten warten. Aus Langeweile stimmte ein Kind lautstark den neuesten Fernsehschlager an und bald grölte die ganze Gesellschaft. Wir standen auf unseren Spielbänken und schauten uns an. Ich hielt das kleine Rotkäppchen in der Hand und dachte: „Was willst du hier eigentlich mit deinem kleinen Püppchen?“ Als aber der Vorhang aufging, überraschte uns gerade dieses Publikum, denn es folgte dem Märchenspiel mit einer vollkommen unerwarteten hingebungsvollen Stille.

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Blick hinter die Bühne.

Später wurden wir zu Puppenspieltagungen in die Schweiz und nach Österreich (Wien) eingeladen. Es folgten Gastspielreisen nach West-, Süd- und Ostdeutschland, nach Italien (Vicenza und Verona), nach Zagreb, wo wir im Flüchtlingslager und in einer Kinderklinik für kriegsverletzte Kinder spielten. Wir machten acht Tourneen nach Polen und überall führten wir die Märchen in der Muttersprache der Kinder auf. 20 Jahre lang gaben wir jährliche Gastspiele in einem städt. Kinderzentrum im Märkischen Viertel in Berlin.

Alle in unserer Truppe arbeiten ehrenamtlich. Was wir an „Honorar“ bekommen, reicht gerade um die Kosten zu decken (Material, Fahrgelder, Musikinstrumente etc.) Es ist ein kleines Wunder, dass es geglückt ist, die Bühne 40 Jahre lang am Leben zu erhalten!

So schaue ich mit Dankbarkeit auf eine erfüllte Zeit zurück.

 

Christa von Schilling

 

 

Fotos: © Marionettenbühne Hurleburlebutz