Hand in Hand für traumatisierte Kinder auf den Philippinen

Tacloban. Die enge Zusammenarbeit der Notfallpädagogik mit der philippinischen Waldorfbewegung trägt Früchte: Ein Kinderschutzzentrum ist bereits entstanden, ein Kindergarten und eine Ausbildungsstätte für Notfallpädagogen sind in Planung.

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Maltherapie

Vom 1. bis zum 15. Februar führte ein Team von 13 Notfallpädagogen der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. einen traumapädagogischen Folgeeinsatz auf den Philippinen durch. Auch drei Monate nach der Katastrophe ist die Verwüstung allgegenwärtig, zerstörte Gebäude und herumliegende Trümmer prägen das Stadtbild von Tacloban.

Im Stadtteil San Jose wurde den Freunden der Erziehungskunst ein Gesundheitszentrum zur Verfügung gestellt. In der ersten Woche konzentrierte sich die Arbeit der Therapeuten und Pädagogen auf traumatisierte Kinder und Jugendliche aus der Umgebung.

Um eine nachhaltige pädagogische Hilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche sicherzustellen, liefen parallel dazu bereits Vorbereitungen zum Aufbau eines eigenes Kinderschutzzentrums - in enger Zusammenarbeit mit der Waldorfbewegung vor Ort. Mit Unterstützung der lokalen Projektkoordinatorin Joy Romualdez konnte direkt an der Küste ein passendes Gelände gefunden werden, das innerhalb weniger Tage mit Hilfe von lokalen Angestellten gesäubert wurde. Aus regionalem Holz wurden 3 große Zelte gebaut, sodass bereits in der folgenden Woche ca. 300 Kinder betreut werden konnten. Darunter waren auch 40 Kindergartenkinder, die teilweise gemeinsam mit ihren Müttern das Zentrum besuchten.

Während des ersten Einsatzes im Dezember 2013 in Manila waren philippinische Pädagogen bereits notfallpädagogisch geschult worden und viele von ihnen unterstützten den Aufbau des Zentrums nun ehrenamtlich.

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Erlebnispädagogik

Lukas Mall, Koordinator des Philippineneinsatzes, erklärt: „Auf den Philippinen gibt es ein großes Interesse an Waldorfpädagogik und eine hohe pädagogisch-methodische Kompetenz, auf die wir aufbauen können. Die enge Zusammenarbeit mit der philippinischen Waldorfbewegung eröffnet für die Zukunft viele Entwicklungspotentiale: So besteht der Wunsch nach einem Kindergarten, der sich aus dem Kinderschutzzentrum entwickeln soll.“

Um die Kinder optimal betreuen zu können, wurden 15 lokale MitarbeiterInnen angestellt, darunter 8 junge Pädagogen, Lehrer sowie eine Künstlerin. In Abstimmung mit dem Notfallsbildungsplan der UNICEF wird die eine Hälfte der Kinder vormittags und die andere Hälfte nachmittags je 3 Stunden lang Trauma pädagogisch betreut. Zwei Köche versorgen die Kinder täglichen mit einer warmen Mahlzeit.

In Zukunft soll das Zentrum auch zur Fortbildung lokaler MitarbeiterInnen zu genutzt werden können.

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Gitarrenspiel mit Kindern

Im Sinne der Katastrophenvorsorge ist darüber hinaus, mit Unterstützung der philippinischen Stiftung Kandungan Foundation inc von Liza Abaya, eine Ausbildungsstätte für Notfallpädagogen geplant. Hier sollen philippinische Pädagogen in Psychotraumatologie und Notfallpädagogik ausgebildet und Teams zusammengestellt werden. „Die enge Zusammenarbeit der Freunde der Erziehungskunst mit der philippinischen Waldorfbewegung und die geographische Lage machen die Philippinen zu einem idealen Ort, um einen Ausgangsort für zukünftige Einsätze einzurichten - ähnlich der Ausbildungsorte, die wir bereits in Lateinamerika aufbauen.“ Erklärt Bernd Ruf, Einsatzleiter des notfallpädagogischen Teams.

„Ein solches Basislager würde es uns ermöglichen, im Falle einer Katastrophe auch über die Philippinen hinaus in ganz Süd-Ost-Asien schnelle und kompetente notfallpädagogische Hilfe zu leistet.“

Rechtzeitig vor Beginn der nächsten Hurrikan Saison ist für Mai ein weiterer Einsatz der Freunde der Erziehungskunst geplant, um die Selbstheilkräfte der Kinder im Zentrum auch im Sinne einer seelischen Katastrophenvorsorge - zu stärken. Finanziert wird diese Arbeit von der Aktion Deutschland Hilft und durch Spendengelder.

Clara Krug

Fotos: © Freunde der Erziehungskunst