Hinterfragte Geschlechtsidentität

Die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht reicht von eindeutig „männlich“/“weiblich“ bis zu wechselndem Empfinden zwischen beiden Polen. Die Gender-Bewegung setzt sich dafür ein, zu diesen Gefühlen zu stehen und sie zu leben. Auf die Bedeutung der physischen Kontitution als Erbschaft der vorgeburtlichen Seele weist Waldorflehrer Christian Breme im „Goetheanum“ Nr. 11/2014 hin.

Da es über das eindeutige Geschlechtsempfinden hinaus zahlreiche Übergangsformen gibt, liegt es nahe, dass der Mensch auch hinsichtlich dieser Frage seine Identität frei und unabhängig bestimmt und leben darf. Für gleichgeschlechtliche Partnerschaften ist in dieser Richtung in vielen Ländern einiges getan worden. Der Gender-Bewegung geht es darum, Menschen, die keine eindeutige und beständige Geschlechtsidentität haben, in ihrem Sosein zu erkennen und zu respektieren. Das betrifft beispielsweise Zwitter, die durch Operationen und Hormone auf ein Geschlecht festgelegt werden. Außerdem sind Kinder betroffen, die sich mal mehr als Junge, mal mehr als Mädchen erleben und sich entsprechend kleiden und verhalten (gender-fluid children). Oft wird deren Eltern empfohlen, dass sich ihre Kinder auf ein Geschlecht festlegen sollen mit entsprechenden Folgen wie Traumata oder Ablehnung des eigenen Körpers.

Christian Breme hat für Waldorfschulen das Fach „Beziehungskunde“ entwickelt. Er widmet sich im „Goetheanum“ Nr. 11/2014 diesen Phänomenen und dem Entstehen der Gender-Bewegung. Die sich verändernde Konstitution der Menschen das lockerer gewordene Verhältnis der Seele zum Leib identifiziert Breme als Auslöser für Unsicherheiten im Erleben der Geschlechtsidentität. Breme geht dabei von Rudolf Steiners Hinweis aus, dass jeder Mensch neben dem biologischen Geschlecht das gerade andere Geschlecht auf Ebene der Lebenskräfte (Ätherleib) habe: „So möchte ich als Hypothese formulieren“, schreibt Breme, „dass viele „gender-fluid children“ und sich als Transgender charakterisierende Menschen eben diese Zweigeschlechtlichkeit in sich stärker erleben als andere oder im Erleben ganz in die innere Erfahrung des zweiten Geschlechts (des Ätherleibs) eintauchen.“

Die Ärztin Lore Deggeller ergänzt den Schwerpunkt mit einem Kommentar zur sexuellen Früherziehung. Darin kritisiert sie das zu frühe Ansprechen körperlicher Reize im Kindesalter. Sie verortet diese Ausrichtung im Gender-Mainstreaming.

Sebastian Jüngel