Nachruf auf Ulrich Rösch

Ulrich Rösch wurde am 14. Januar 1951  in Efringen-Kirchen im Landkreis Lörrach in Deutschland geboren. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium folgte ein Studium der Pädagogik, Germanistik und Sozialwissenschaften.

Im Jahre 1968 begegnete er auf dem Marktplatz von Lörrach Wilfried Heidt, der ihn auf die Dreigliederung des Sozialen Organismus hinwies. Seit Begründung des Internationalen Kulturzentrums Achberg, im Jahre 1971, war er im dortigen Institut für Sozialforschung und Entwicklungslehre tätig, an dem auch Joseph Beuys, Wilfried Heidt, Leif Holbaek-Hansen, Eugen Löbl, Ota Sik und Wilhelm Schmundt wirkten. Letzterer war wie ein Mentor für ihn.

Gründerpersönlichkeit

Im Jahre 1976 gründete er mit Unterstützung von Stefan Leber und Manfred Leist, die Freie Waldorfschule Wangen im Allgäu, wo er sieben Jahre als Lehrer und Geschäftsführer tätig war.

Zusammen mit seiner Frau gründete er 1982 das Unternehmen RAKATTL, Naturtextilien, welches insbesondere Bekleidung aus biologisch-dynamisch angebauter Baumwolle in Indien herstellt. Seitdem war er da geschäftsführender Gesellschafter.

Von 1999 bis 2011 war Ulrich Rösch für die Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum tätig. Er war ein enger Mitarbeiter von Manfred Schmidt-Brabant, der damalige Leiter der Sektion. Später koordinierte er viele Tagungen und war ein gefragter Redner, auch in asiatischen Ländern. Während dieser Zeit lernte ich Uli Rösch auch als Freund näher kennen. Er war ein Mensch, für den Ideen genauso real waren wie die Sinneswelt. Für ihn waren Ideen, insbesondere bezüglich der Dreigliederung des Sozialen Organismus wie ein Wahrnehmungsorgan für die Kräfte, die im gesellschaftlichen Leben wirksam sind. Ohne Idee kein Wirklichkeitsbezug!

Gestalt-Urbild des sozialen Organismus

Die letzten drei Jahre seines Lebens hat Ulrich Rösch in verschiedenen Zusammenhängen seine Forschungsarbeit vorgetragen, unter anderem auch in Taiwan. Er starb in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2014. Am 14. Februar hätte er an ein Kolloquium in Berlin zu der Wissenschaftlichkeit der anthroposophischen Sozialwissenschaften teilnehmen sollen. Als Vorbereitung darauf hat er den Teilnehmenden seinen Aufsatz zur Methodik und zu den Grundbegriffen des Nationalökonomischen Kurses von Rudolf Steiner geschickt, den er im September 2009 verfasst hatte. Darin geht es ihm um das Gestalt-Urbild des sozialen Organismus. Dieser Organismus zeigt sich in dreifacher Gestalt: Das Geistesleben, das immer mit den individuellen Fähigkeiten des Menschen zusammenhängt, das Rechtsleben, das zwischen den Menschen die Beziehungen regelt und das Wirtschaftsleben, in dem Menschen gemeinschaftlich an der Befriedigung der Bedürfnisse anderer Menschen und damit auch an den zukünftigen Erdenzielen arbeiten. Ulrich Rösch war sein Leben lang verbunden mit dem Impuls der Dreigliederung des Sozialen Organismus Rudolf Steiners. Möge er jenseits der Schwelle des Todes für diesen Impuls weiter wirksam sein.

Paul Mackay