Goethes Faust II - 2. Akt

Faust. Der Tragödie zweiter Teil: Mit Nymphen, Sirenen und Sphyinxen durch die Walpurgisnacht. Die Theateraufführung der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Erftstadt am 15. und 16. Februar war gelungen.

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Mephisto und Gretchen...

Trommeln, Rasseln, Geschrei, die Schüler der 12. Klasse der Waldorfschule Erftstadt stürmen auf die Bühne. Die Walpurgisnacht des Faust II., Akt 2 von Goethe beginnt. Ein schwieriges Theaterstück, das nur selten gespielt wird auf deutschen Bühnen und doch als Klassiker der deutschen Literatur gilt. Mephisto mit Faust unterm Arm begibt sich auf die abenteuerliche Reise in die Sphären der Sirenen, Nymphen und Fabelwesen der griechischen Mythologie. Obwohl Faust derjenige ist, der das Unsterbliche und die Jugend sucht, ist hier Mephisto der Held, der durch die Geister der Unterwelt geschüttelt wird. Die bösen Kräfte versuchen ihn zu bezwingen, so gelingt es seinem Widersacher, dem Professor, Gott ähnlich selbst Leben zu erzeugen: der Mensch aus dem gerührten Feuertopf „Homunculus“ zum Leben zu erwecken.

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Kostüme und Masken wurden von den Schülern selbst entworfen.

‚Was sah ich hier, wo muss ich hin?’ Mephisto bleibt der Herrscher der Unterwelt sehr überzeugend gespielt (Katharina Ristow) auf der großen Bühne der Aula der Waldorfschule. In rasantem Tempo durchleben Faust (Vincent Oleff), Mephisto und Homunculus (Salka Suhr) die Höhen und Tiefen dieser Walpurgisnacht. Alle Schüler bleiben auf der Bühne, schlüpfen in ihr Kostüm, ziehen vorsichtig die selbstgemachten Masken über. Die nervigen Insekten wechseln dezent ihre Plätze im Hintergrund, alle Schüler sind immer präsent auf der Bühne und spielen mit auch wenn kein Dialog stattfindet.

Die Regisseurin Heike Beutel, Regisseurin und Schauspiellehrerin der Arturo Schauspielschule hat den 2. Akt von Goethes Faust überzeugend mit den Schülern inszeniert. Vier Wochen standen auf dem Stundenplan Sprechtraining, Schauspielübungen und Kostümbildung. Die ca. 60 Masken und sehr schönen Kostüme wurden von den Schülern selbst entworfen und genäht. Im Hintergrund auf der Bühne hat jeder Schauspieler seinen Stuhl und einen Kleiderständer für die wechselnden Kostüme, die im ‚on’ während der Dialoge auf der Vorderbühne angezogen werden.

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Alle Schüler auf der Bühne stets präsent - auch ohne Dialog.

Dieses meisterliche Zusammenspiel von stimmigen und gut gesprochenen Dialogen, Trommeln und Szenenwechsel lassen ein homogenes Bild der Goetheschen Walpurgisnacht entstehen.

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Inszenierung entstand aus einem deutschlandweiten Theaterwettbewerb. Sechs Schulen aus ganz Deutschland wurden ausgewählt, um gemeinsam in München den ‚Faust’ aufzuführen. Die 12. Klasse der Freien Waldorfschule bewarb sich erfolgreich für die Teilnahme und bekam per Losverfahren den 2. Akt/Faust II. Nach der Aufführung an der Freien Waldorfschule ging die Inszenierung auf Tournee nach München, um dort gemeinsam mit den anderen Schulen innerhalb von sechs Tagen vom 22. bis 28. Februar den Faust zu spielen. Jede 12. Klasse hatte die Möglichkeit ihren Teil individuell zu gestalten und dann in der Rudolf Steiner Schule München-Ismaning zu präsentieren.

Sabine Kristkeitz

 

Fotos: © Freie Waldorfschule Erfstadt