Der umgekehrte Tempel

Goethe als Vater einer neuen Ästhetik

Die Sektion für bildende Künste soll neu organisiert werden. Ich würde mir wünschen, dass dies in höherem Maß nachforschend und prüfend in Bezug auf das Erbe Rudolf Steiners geschehen möge, als es bislang der Fall war.

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Collage (Foto und Modell) zum neuen Kongresszentrum in Järna. Architekt: Espen Tharaldsen.
Foto: © Espen Tharaldsen

Die Ausstellungen zur Gegenwartskunst und Steiner

Die Ausstellung „Rudolf Steiner and Contemporary Arts“, die derzeit (2011 Anm. der Red.) in Stuttgart gezeigt wird, aktualisiert dieses Thema. Es handelt sich um dieselbe Ausstellung, die im letzten Sommer in Wolfsburg stattfand und bei der die Arbeiten von siebzehn zeitgenössischen Künstlern zusammen mit Werken von Steiner vorgestellt wurden. Im Vorwort des Katalogs wird das neue und überraschende Interesse an Steiner mit dessen ganzheitlicher Auffassung von Kunst erklärt, bei der Kunst im Zusammenhang mit Politik, Umweltfragen und zügellosem Bankwesen betrachtet wird. Aber das Interesse ist auch durch dasjenige geweckt worden, was die Autoren „eine religiöse Suche nach Sinn“ nennen. Die Schilderung der Bedeutung Steiners kulminiert im Vorwort in folgenden Sätzen: „Rudolf Steiner’s … ideas are among the most exciting chapters in modern art and intellectual history. To take part in this leads way beyond art itself“.(1)

Im Gegensatz zu dieser Offenheit gegenüber Steiner ist es augenfällig, dass man bei der Planung und Durchführung der Ausstellung ganz bewusst keine Künstler aus anthroposophischen Zusammenhängen berücksichtigt hat. Denn, wie es im Katalog heißt: viele im anthroposophischem Umfeld sind „not so open to other approaches“.(2)

Auch wenn ich mich selbst nicht so kategorisch ausdrücken würde, ist das nicht ganz von der Hand zu weisen, finde ich. Und ich gründe meine Ansicht vor allem auf Erfahrungen, die ich in den letzten Jahrzehnten in meinem Berufsleben als Architekt gemacht habe, aber auch auf Studien, um mir ein Bild von Steiners Haltung zur bildenden Kunst zu machen. Das Ergebnis habe ich 2010 in Buchform (auf Norwegisch) herausgebracht (3). In dem Buch stelle ich dar, dass ich heute überzeugter von der Bedeutung Steiners bin, als ich es vor dem Beginn meiner Arbeit war. Aber auch, dass Arbeit erforderlich ist, um Steiners Erbe heute neuen Generationen zugänglich zu machen.

Nach meiner Auffassung ist es ganz entscheidend, dass wir aufhören, die frühesten und teilweise unfertigen Gedanken Steiners so darzustellen, als seien sie heute ebenso aktuell. Eine Tendenz dazu meine ich in unserer Sektion zu sehen. Das Steinersche Erbe ist voller Rätsel, Fragmente und Selbstwidersprüche. Dennoch ist die Intention so überaus vielversprechend und zukunftsorientiert. Aber das Erbe muss in der Sprache unserer Zeit vermittelt werden. Und ich würde mir wünschen, dass diese Arbeit stärker als bisher in der neu konstituierten Sektion durchgeführt werden kann: eine Vielfalt an Aktivitäten, durch die jenes Erbe bearbeitet wird, eine kontinuierliche Überprüfung desjenigen, was damals vorhanden war, um es mit dem zu verknüpfen, was in unserer Zeit geschieht.

Hier muss ich allerdings eine Bekenntnis einschieben. Ich bin, wie gesagt, Architekt. Zur Sektion gehören auch Maler und Bildhauer. Schon im Verhältnis zwischen Architektur und Malerei sehe ich viele unbeantwortete Fragen. Die lasse ich hier beiseite. Nehmen Sie bitte meine Auslegungen als Betrachtungen eines Architekten.

Eine Suche nach tieferem Sinn

Wenn die Ausstellung in Stuttgart auf die Suche unserer Zeit nach einem „religiösen Sinn“ hinweist, so handelt es sich um eine bemerkenswerte Formulierung in unserer säkularisierten Welt. Vermutlich geht es nicht so sehr um Religion im herkömmlichen Sinn, sondern eher um ein Bedürfnis, sich für tiefere existenzielle Fragen zu engagieren. Und das Erstaunliche ist, dass dieses vertiefte Existenzverständnis Seite an Seite mit dem Bedürfnis auftritt, die globale Umweltproblematik zu begreifen.

Die Aussteller gehen offensichtlich davon aus, dass diese Elemente in der Anthroposophie zusammenhängen: die innere und die äußere Welt. Das sind ja lediglich etwas andere Worte für das Rosenkreuzermotiv sowie den Weg, den Steiner 1907 in München beschreitet.

Ich möchte das Beispiel von der Stuttgarter Ausstellung nicht zu weit führen; vieles dort kann sowohl oberflächlich als auch spekulativ wirken. Aber es ist als Symptom wichtig. Eine Reihe von weltberühmten Künstlern deutet auf die Anthroposophie als Bindeglied zwischen dem Äußeren und dem Inneren. Und das ist ja keineswegs sonderbar, denn das ist ja gerade der Grundton der Anthroposophie, und die Kunst ist die Verknüpfung. Dieser Gedanke begleitet Steiner durch das ganze Leben, von dem Novembertag in Wien 1888 an, als er seinen allerersten Vortrag über Goethe hielt und wo auf Goethe verwiesen wird, weil er das eigentliche Gleichgewicht begriffen hatte: die Welt in mir, die Welt um mich. Daher hat Goethe, wie Steiner meint, die neue Betrachtungsweise über die Kunst eingeleitet.

Das Schöne und das Hässliche

Aber 1888 ist die Schilderung bei Steiner noch sehr philosophisch; eine wirkliche Wirklichkeit kann man noch nicht vernehmen. Die Sehnsucht nach einer reinen und idealisierten Welt, in der Schönheit das Ideal der Kunst ist, prägt seinen Gedankengang. Dieses Schönheitsideal entspricht einer Reinheit, die wir nur in unserem Inneren finden. In den Urbildern finden wir die Reinheit, sagt Steiner und weist auf Goethe.

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Detail der Südwestfassade des Zweiten Goetheanum.
Foto: © Mathis Lohl

In Übereinstimmung mit diesem Urbild sollte sich die Kunst entwickeln, um vor der äußeren Welt rein, fleckenlos und von der Situation unbeeinflusst dazustehen. In dieser Atmosphäre entsteht das erste Goetheanum. Als aber der Gedanke infolge der praktischen Ausübung reift, wird der Grund für die Formensprache des zweiten Goetheanums gelegt. Es entsteht eine Architektur im Zusammenspiel zwischen äußeren und inneren Kräften. In gleicher Weise wird auch die Kunst wie die Wirklichkeit hervorgebracht: im Kampf zwischen Kräften und Gegenkräften. Das Ideal des Schönen weicht der Auseinandersetzung zwischen dem Schönen und dem Hässlichen. Das geschieht bei der Annäherung an das zweite Goetheanum.

Dennoch sind es häufig gerade die Formulierungen dieses sehr frühen Steiners, die uns als typisch für seine Anschauung dargestellt werden. Dadurch kommt es, wie ich meine, häufig zu Missverständnissen, denn ich bin überzeugt, dass die Denkweise zur Kunst, die Steiner nicht nur 1888, sondern in seiner gesamten Frühphase vorlegt, unfertig ist und von ihm später in dem Maß ergänzt wird, als er eigene praktische Erfahrungen auf künstlerischem Gebiet macht.

Steiners ständig neue Versuche, sich über Kunst zu äußern

Ein weiteres Beispiel für Steiners dynamische Haltung gegenüber dem Thema Kunst besteht in seinen zahlreichen Versuchen, die Kunstarten Skulptur, Malerei, Musik und so weiter auf vernünftige Weise einzuteilen. Es gibt bekannte und eher unbekannte Siebenteilungen, es gibt Fünfteilungen etwa diejenigen, die sich eng an Hegels berühmte Gliederung anschließen , und es gibt Zwei- und Dreiteilungen. Die Tendenz ist deutlich: der Zweck einer Trennung der Kunstarten gerät mehr und mehr in den Hintergrund. Bei einigen Gelegenheiten beschreibt Steiner im Zusammenhang mit dem ersten Goetheanum sogar, wie ein plastisches Element weiterentwickelt, umschlagen und als musikalisch erlebt werden kann. Er strebt zweifellos unablässig danach herauszufinden, wie Kunst in unserer Zeit verstanden werden muss. Und als wären all diese verschiedenen Versuche nicht genug, führt er außerdem „Kunstarten“ ein, die auf eine völlig andersartige und wirklichkeitsnahe Weise der Kunstbetrachtung deuten: Heilkunst, Erziehungskunst.

Jedes Jetzt ein Kunstwerk

Die Einteilung in unterschiedliche Kunstarten, zunächst viele, dann immer weniger und mehr ineinander verflochtene, schließlich Lebenstätigkeiten wie Pflege und Pädagogik alles weist immer weiter und näher auf die Leben, die wir tatsächlich leben. Die berühmte Beuys-Formel „Jeder Mensch ein Künstler“ lässt sich in diesem Sinn verstehen. Das Akademische verschwindet, das Biografische kommt zum Vorschein. Was in meinem Inneren und was um mich herum lebt, wird bis in den Morgenspruch der Waldorfschule hinein als zwei gleichwertige Seiten meiner Wirklichkeit beschrieben. Was ich in meinem Inneren einsehe und was mir im Äußeren begegnet, muss stets miteinander abgestimmt werden. Und Stimmen hat mit Gehör zu tun. Was ich will und was mir entgegenkommt, muss ausbalanciert und in eine richtige Form gebracht werden. Schon wenn ich zu spät zum Bus losgehe und dann laufen muss, wird meine Kreativität geweckt. Wie soll ich durch ein Menschengewimmel hasten, ohne peinlich zu wirken oder jemanden über den Haufen zu rennen? Ein Kind, das Trost braucht, bedarf genau der richtigen Worte, des passenden Tonfalls. Alles, was ich tue, läuft darauf hinaus, dasjenige, was meine Umgebung ausmacht, in das rechte Verhältnis zu demjenigen zu bringen, was in meinem Inneren lebt. Außen, innen was immer ich unternehme: es dreht sich, wie die Atmung, um die Vermittlung dieser beiden Seiten, und stets muss es zu der einen oder anderen äußeren Geste führen. Siehe da: der Ursprung der Kunst. Jede Sekunde ist geschwängert, um von mir selbst gestaltet zu werden. Alles kann Kunst werden, und jedes Jetzt ist ein Kunstwerk.

Das ist der kleine Maßstab.

Die Erde als Kunst

Der große Maßstab ist die Welt um mich herum: der Raum, in dem ich mich bewege, und die Zeit, die ich nutze. Denn diese Welt ist der Ort meines größeren Ich. Raum und Zeit sind Instrumente des Schicksals, keine passiven Kulissen. Die äußere Welt, in der ich wandele, ist in gleichem Maß Teil meines Selbst wie dasjenige, was ich denke und fühle. Wenn also diese Welt verschmutzt ist, bin ich es auch, wenn sie zu warm ist, bin ich es auch. Ich stehe also nicht über den Herausforderungen der Umwelt, sondern in ihnen begegne ich mir in tieferem Sinn selbst. Außer der Anthroposophie gibt es in der westlichen Kultur kaum andere Strömungen, die meinen, dass die Erde, auf der wir gehen, im tiefsten Sinn wir selbst sind. So verstanden, wird dieser Planet unsere persönliche Verantwortung, aber gleichzeitig ein künstlerischer Rohstoff. Steiner selbst schlägt bei der Grundsteinlegung in Malsch 1909 diesen Ton an. Er spricht hier davon, „unsere Mutter Erde zu einem geisterfüllten Kunstwerk“ zu machen.

Hier zeigt sich ein weiteres Thema für die Sektion. Denn das Modell in Malsch war die Skizze eines möglichen Tempels. Und dieses „Tempelideal“ nimmt bei vielen Menschen in der Vorstellung über eine anthroposophische Architektur einen zentralen Platz ein.

Der umgekehrte Tempel

Im Jahr 2010 veranstaltete die Sektion ein Seminar zur „Kunst als Mysterienimpuls“. Dabei war vom Tempelbau die Rede sowie von Prophezeiungen, wonach im Jahr 2086 auf Höhenzügen in Europa (!) Gebäude errichtet würden, die dem Goetheanum ähneln. Ich nehme an, die meisten hier kennen diese bekannte Wiedergabe von etwas, das Steiner gesagt haben soll. Vielleicht werden diese Häuser gebaut, vielleicht nicht. Aber es kann unmöglich ein Anliegen der Sektion sein. Wir bauen doch keine Tempel, soweit wir uns nicht vorgenommen haben, eine Kirche oder eine Moschee zu errichten. Zwar benutzt Steiner selbst den Begriff des Tempels hinsichtlich des ersten Goetheanums aber bleibt er dabei stehen? Ich meine, dass durch seine architektonischen Arbeiten eine deutliche Tendenz geht, in deren Verlauf das Sakrale zugunsten eher künstlerischer Formen immer mehr zurücktritt. Diese Formen sind nicht nur Teil einer anthroposophischen Weltanschauung wie es beim ersten Goetheanum der Fall war , sondern sie sind Teil unserer Zeit und immer universeller, einbeziehender und freier gestaltet, wie es beim zweiten Goetheanum versucht wurde.

Als Architekt weiß ich, was Architektur bewirkt, und gerade deshalb verstehe ich nicht, dass wir uns die Aufgabe stellen können, Tempel zu bauen, Gebäude, die uns aus sich selbst heraus erhöhen und mehr aus uns machen sollen, als wir ohne sie wären. Denn das ist die Eigenart des Tempels. In den Wänden sitzt eine mächtige Kraft, die es uns erspart, ganz und gar selbst zu entscheiden. Ich würde mir die Aufgabe wünschen, „umgekehrte Tempel“ zu bauen, die mir die Arbeit der Erhebung nicht abnehmen, sondern die dazu inspirieren, mich selbst zu erheben wenn ich mich dazu entschließe.

Das Erbe Steiners

Steiners Erbe selbst besitzt eine derartige Kraft, dass es im heutigen Kulturleben sichtbar wird. Beispiele dafür sind die Ausstellungen in Wolfsburg und Stuttgart. Ich glaube, Steiners natürlicher Drang, alles zu Kunst zu machen der paradoxerweise auch zu einer Art Ende der Kunst führt , immer mehr mit anderen Trends unserer Zeit einhergehen wird. Ob die Sektion daran teilnimmt oder nicht. Aber ich würde mir wünschen, dass sie teilnimmt. Ich habe die Hoffnung, dass sich alles an der Anthroposophie als relevant erweisen wird, dass Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden. Vor allem das Missverständnis, das behauptet, „anthroposophische Kunst“ sei in erster Linie eine innere Angelegenheit.

Ich bin überzeugt davon, dass dieses Missverständnis zu der unglücklichen Lösung beitrug, die man wählte, als der Große Saal der Goetheanums vor zehn bis fünfzehn Jahren umgebaut wurde.(4)

Der Saalumbau 1999

Viele empfanden den Saalumbau als introvertiert und zurückschauend. Ich erinnere mich gut, weil ich selbst es auch so erlebte. Für Einige war es so stark, dass sie auf Grund dieses einen Ereignisses aus der Gesellschaft austraten. Ich denke, dass das allen hier bekannt ist. Wo aber ist das Problem? Auch hier bin ich überzeugt, dass es mit demjenigen zusammenhing, was ich das Missverständnis nenne. Es scheint, als seien Steiners frühe unfertige Anschauungen zur Anwendung gekommen, ohne dasjenige zu berücksichtigen, was er später als Erfahrung gewonnen hat. Das Saalprojekt nahm die neuen freiheitlichen Errungenschaften des zweiten Goetheanums nicht wirklich ernst, sondern glitt zurück in die Atmosphäre des ersten Goetheanums.

Ich kenne viele Menschen, die bei dem Projekt mitwirkten, und weiß, dass alles in bester Absicht geschah. Aber die gewählte Lösung spiegelt nicht unsere Zeit wieder, und eine seltene Gelegenheit wurde vertan.

Und wer trägt die Schuld?

Können wir etwas anderes behaupten, als dass wir alle es sind? Denn so stellte sich die Summe anthroposophischer Positionen und Einsichten vor fünfzehn Jahren dar. Nach meiner Empfindung, so wenig ich mit dem Ergebnis übereinstimme, haben wir, was damals geschah, gemeinsam zu verantworten. Das ist aber auch der Grund, weshalb ich dies schreibe. Denn in der gemeinsamen Verantwortung liegt auch eine gemeinsame Verpflichtung, weiter zu kommen. Und hier sehe ich eine Herausforderung: Es scheint, als ob dasjenige, was ich das Missverständnis aus dem Erbe Steiners nenne, noch immer nicht als Problemstellung auf die Tagesordnung gesetzt ist.

Ein Beispiel dafür: Die Auffassung, es gäbe einen anthroposophischen Stil.

Kein anthroposophischer Stil

Wir bauen keinen „anthroposophischen Stil“. Wir bauen mit der Anthroposophie in unseren Herzen, aber „Stil“ in der heutigen Bedeutung widerspricht dem Grundtenor des organischen Projekts. Es gibt zahlreiche und deutliche Aussagen Steiners über den Stil. Aber wir können sie nicht einfach übernehmen, obwohl sie von ihm stammen. Vor 130 Jahren, als Steiner seine ersten Untersuchungen zum „Stil“ machte, war dessen Bedeutung vielfältiger und viel freier als dasjenige, was wir heute mit dem Begriff verbinden. Darüber könnte man eine eigene Abhandlung machen, wofür hier aber nicht der richtige Ort ist. Worauf es ankommt, ist, dass wir selbst unsere Begriffe füllen müssen, statt deren Inhalt aus der Vergangenheit zu übernehmen. Das Einzige, was uns als Sektion legitimiert, ist, dass wir unsere eigene Kunst schaffen und nicht Steiner kopieren weder dasjenige, was er tat, noch was er dachte.

Steiners Erbe auf aktive Weise verwalten

Selbstverständlich meine ich nicht, dass man plötzlich aufhören muss, die Kunstarten zu gliedern, oder dass Kunst von nun an davon handeln soll, dem Bus nachzulaufen. Gemäldegalerien und Skulpturen haben nach wie vor ihren Platz und sind Teil unserer Zeit. Daran anzuknüpfen ist ebenso natürlich wie die Anknüpfung an Steiners Erbe oder an uns selbst, an unseren Alltag und die Länder, aus denen wir kommen. All das sollten wir tun und dann die Dinge langsam bearbeiten.

Das würde ich mir wünschen. In erster Linie aber wünsche ich mir einen deutlicheren Willen, das Erbe Steiners aktiv zu verwalten und zu aktualisieren, sodass man es als natürlich erachtet, vor der nächsten Ausstellung über Gegenwartskunst und Steiner die Sektion um Teilnahme zu bitten.

Bergen 2011-05-25

Espen Tharaldsen

Erschienen in: „Mensch+Architektur“ Nr. 81/82

Anmerkungen:

(1) Markus Brüderlin, Ulrike Gros (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart. Köln 2010.

(2) Ibid.

(3) Espen Tharaldsen: Verwandlung des Alltags. Rudolf Steiner Ästhetik. Stuttgart 2012.

(4) Hans Hassler, Jürg Buess: Der große Saal im Goetheanum, Dornach 1998.