Rudolf Steiner Archiv jetzt mit öffentlichem Lesesaal

Das Rudolf Steiner Archiv will seine Bestände stärker als bisher der Forschung zugänglich machen. Zu diesem Zweck wurde jetzt auch ein Lesesaal eingerichtet. Dies geht aus dem zweiten „Archivmagazin“ hervor, das das Archiv im Dezember 2013 herausgegeben hat. Es verdeutlicht damit die seit dem Amtsantritt des neuen Archivleiters David Marc Hoffmann eingeleitete Neuausrichtung des Archivs hin zu mehr Transparenz und Öffentlichkeit.

Die neue Ausgabe des „Archivmagazins“ steht im Zeichen der Grundsteinlegung des Ersten Goetheanums vor 100 Jahren. Die Grundsteinlegung am 20. September 1913 im schweizerischen Dornach der Bau hätte ursprünglich in München errichtet werden sollen gilt als wichtiges Ereignis im Leben Rudolf Steiners und der anthroposophischen Bewegung. Der Kunsthistoriker Roland Halfen hat auf 48 Seiten teilweise unbekannte Dokumente, Erinnerungen von Teilnehmern und mehrere auf das Thema bezügliche Ansprachen Steiners zusammengestellt.

Seit der Errichtung des monumentalen Doppelkuppelbaus auf dem Dornacher Hügel zogen die Aktivitäten der Anthroposophen vermehrt das Interesse der Zeitgenossen auf sich. Die Reaktionen reichten von Neugier bis zu offener Anfeindung. Nach fast zehnjähriger Tätigkeit dieser „Freien Hochschule für Geisteswissenschaft“ fiel der künstlerisch wertvolle Bau einer Brandstiftung zum Opfer, dessen Urheber nie ermittelt werden konnte.

Der Inbetriebnahme des öffentlichen Lesesaals im Erdgeschoss des Hauses Duldeck ist ein eigener Bericht im Archivmagazin gewidmet. Dieser enthält eine umfangreiche Handbibliothek, die jetzt Forschenden und allen Interessenten zur Verfügung steht.

Das Archivmagazin gibt außerdem Auskunft zu den Editionsplänen des Steiner-Archivs.

Mit der Publikation von bisher 350 Bänden der Steiner-Gesamtausgabe hat das Steiner Archiv noch längst nicht den gesamten Nachlass veröffentlicht. Eine Hauptaufgabe bleibt die Gesamtedition von Steiners Korrespondenz (1800 Briefe von und an Rudolf Steiner), die noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Auch Hunderte von Notizbüchern und Tausende von Notizzetteln Steiners harren noch der Erschließung.

Zwei Beiträge diskutieren die aktuelle Zusammenarbeit des Rudolf Steiner Verlages mit dem Stuttgarter Frommann Holzboog Verlag bei der Herausgabe der ersten kritischen Ausgabe von Steiners Schriften. Ferner enthält das Archivmagazin Berichte zu bevorstehenden Neuerscheinungen der Gesamtausgabe beispielsweise zu den Bänden „Arbeiterräte und Sozialisierung“ (GA 331a) und „Kulturräte und Sozialisierung“ (GA 331b) , zu Neuauflagen, Neuerwerbungen und Ausstellungen.

Mit seiner Neuausrichtung möchte das Steiner Archiv eigenen Angaben zufolge eine vermehrte Akzeptanz als öffentliche Forschungsstätte erzielen.

NNA News