Inklusive Landwirtschaft

Ausbildungsprojekt mit EU-Förderung

Landwirtschaftliche Betriebe mit sozialen Betreuungsangeboten können einen großen Beitrag zur Förderung der öffentlichen Gesundheit leisten. Das beweisen Angebote für Menschen mit besonderen Bedürfnissen seit Jahren. Das Projekt INCLUFAR will eine Verbreitung solcher Angebote weiter fördern: Unternehmer, Manager, Lehrkräfte, Pflegepersonal und Sozialarbeiter sollen an das Potential eines inklusiven Ansatzes herangeführt werden. 

Kern des Projekts ist die Einführung eines Lehrplans für Fachkräfte in verschiedenen Sektoren. Erfahrene und weniger entwickelte pädagogische Einrichtungen und Fachkräfte arbeiten dazu über Ländergrenzen hinweg zusammen, um Erkenntnisse und Konzepte auszutauschen. Zudem ist die Einführung eines Berufsbildes „Experte für inklusive Landwirtschaft und ländliche Entwicklung“ und eines Handbuchs geplant.

Das Projekt “INCLUFAR - Soziale Landwirtschaft, Transfer von Methoden, Konzepten, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten für Öko-Soziale Inklusion“ startete im Oktober und wird von der EU-Kommission im Rahmen des Programms „Leonardo da Vinci“ gefördert. Träger ist die gemeinnützige Landbauforschungsgesellschaft Weide-Hardebek und ihre sozialtherapeutische Höfegemeinschaft.

Weide-Hardebek: Demeter-Landwirtschaft und Sozialtherapie

In der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Weide-Hardebek in der Nähe von Hamburg leben und arbeiten insgesamt 80 Menschen, davon 64 mit Hilfebedarf an drei Standorten. Neben der Landwirtschaft gibt es eine Gärtnerei, Bäckerei, Schreinerei, Hauswirtschaft, Hofladen, Cafe und Verwaltung als integrative Arbeitsbereiche.

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die Gemeinschaft an der Verbindung von Demeter-Landwirtschaft und anthroposophischer Sozialtherapie. Dabei hat man sich immer um die Entwicklung von Landwirtschaft, sozialer Arbeit und ländlichem Raum sowie um kleine Initiativen gekümmert. Hartwig Ehlers, einer der Mitgründer von Weide-Hardebek, rief daher schon vor 15 Jahren ein Ausbildungsangebot ins Leben, das heute als „Fachkraft für Milieubildung und Teilhabe FAMIT“ existiert und seit 2006 in Schleswig Holstein als Sozialtherapeutische Zusatzqualifikation (SPZ) anerkannt ist. Diese Ausbildung bildet auch den Kern des neuen EU-Projekts.

Sieben europäische Länder beteiligt

Seit Oktober arbeiten für INCLUFAR zehn Partner aus Deutschland, Österreich, Finnland, Norwegen, Holland, Bulgarien, Türkei und Estland zusammen. Sie stammen überwiegend aus anthroposophischem Umfeld. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht ein Innovationstransfer: Der Ansatz der FAMIT-Ausbildung soll in einem partizipativen Prozess an die spezifischen landwirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Länder angepasst werden, in denen Erfahrungen „inklusiver“ Landwirtschaft noch wenig ausgebildet oder gar nicht vorhanden sind. Ziel ist es, den Erfahrungsaustausch zu fördern durch die Entwicklung von geeigneten Arbeitsstrukturen und unterstützendem Schulungsmaterial. So soll eine Arbeitsgrundlage für die so genannte „sozialen Landwirtschaft“ geschaffen und die Forderung der UN-Konvention nach Inklusion umgesetzt werden.

Die Initiatoren von INCLUFAR sind Unternehmer mit langjähriger praktischer und konzeptioneller Erfahrung in der sozialen Landwirtschaft, der Berufsausbildung und der Qualitätssicherung: Hartwig Ehlers, Gerhard Herz, Ulrike Laubach, Klaus Merckens, Thomas van Elsen und Winfried Schäfer. Für sie ist die Förderung des Projekts durch die EU-Kommission eine Anerkennung ihrer langjährigen Arbeit. 

INCLUFAR Projektgruppe

Weitere Informationen: Hartwig Ehlers, Hofgemeinschaft Weide Hardebeck, Hauptstr. 32-34, 24616 Hardebek, E-Mail:ehlers@weide-hardebek.de