Bio-Hof des Jahres

Sarah Wiener Stiftung kürt Demeter-Hof Apfeltraum

Der Hof Apfeltraum in Müncheberg (Brandenburg) ist „Bio-Hof des Jahres 2013“ der Sarah Wiener Stiftung. Sarah Wiener prämiert mit diesem Titel einen der Bio-Bauernhöfe, den ihre Stiftung im Rahmen des Hoffahrten-Programms mit Kindern besucht hat.

Sarah Wiener und Demeter-Vorstand Alexander Gerber zeichneten Wiebke Deeken vom Hof Apfeltraum am 14. Februar 2014 auf der BioFach in Nürnberg aus.

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Feuer und Flamme bei der Spätzle-“Produktion“: Kindergartenkinder aus Melle und Osnabrück mit Sarah Wiener, DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde und DBU-Caterer Helge Weber („Food et Event“).

Der Hof Apfeltraum wurde von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sarah Wiener Stiftung auf der Basis der Rückmeldungen zu den Hoffahrten unter den in 2013 besuchten Bauernhöfen zum Sieger gekürt. Die Auswahl erfolgte anhand eines zuvor festgelegten Kriterienkatalogs. Den Ausschlag für die Wahl des Hofes Apfeltraum gab unter anderem das außerordentliche Engagement von Wiebke Deeken, die den Kindern im Rahmen ihrer pädagogischen Arbeit Zugang zu intensiven Naturerlebnissen schafft. Der Demeter-Betrieb Hof Apfeltraum gehört zum Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau.

Der Sieger: Hof Apfeltraum Bio-Hof des Jahres 2013

Ziel der Hoffahrten der Sarah Wiener Stiftung ist es, den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung darzustellen. Das heißt, die teilnehmenden Kinder erleben bei den Hoffahrten, woher die Lebensmittel kommen. Bei der Auswahl des „Bio-Hofs des Jahres 2013“ stand dieser Aspekt im Mittelpunkt: Welche Höfe waren in der Lage, diesen Zusammenhang den beteiligten Kindern besonders anschaulich, eindrucksvoll und nachhaltig zu vermitteln?

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So schneidet man „fingerschonend“ eine Tomate: Sarah Wiener und DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde zeigen den Kindern, wie es geht.

Der Demeter-Betrieb Hof Apfeltraum aus Müncheberg (Brandenburg) überzeugte durch die herausragende Qualität seiner pädagogischen Arbeit - vor allem im Bereich der Beteiligungsorientierung, die die Sarah Wiener Stiftung besonders würdigen möchte.

Darüber hinaus erfüllt der Hof Apfeltraum alle Kriterien, die die Sarah Wiener Stiftung für die Bewertung einer Hoffahrt entwickelt hat:

- Beteiligungsorientierung: Die Kinder werden auf dem Hof Apfeltraum aktiv in die Arbeit einbezogen, so dass sie direkt erfahren können, wie Lebensmittel erzeugt werden (z. B. Ernte von Kartoffeln, Zwiebeln, Kürbis; Äpfel sammeln und pressen, Honig schleudern) und dass landwirtschaftliche Arbeit körperlichen Einsatz und

Koordination erfordert (Transport von Kompost mit der Schubkarre trainiert z. B. die Geschicklichkeit der Kinder). Durch die Erledigung von im Hofalltag anfallenden Arbeiten haben die Kinder die Möglichkeit, ein Stück Landwirtschaft mit dem ganzen Körper zu erfahren.

- Anschaulichkeit: Themen wie ökologischer Landbau, artgerechte Tierhaltung, Naturschutz werden auf dem Hof Apfeltraum sehr anschaulich dargestellt. Bei der Hofralley lernen die Kinder am Ort des Geschehens und erfahren, wie

beispielsweise artgerechte Tierhaltung mit dem Pflanzenwachstum und Blütenreichtum mit der Pflanzengesundheit verknüpft sind. Besonders aufschlussreich für die Kinder ist in diesem Kontext ein Besuch der von Wiebke Deeken betreuten Imkerei.

- Verknüpfung von Theorie und Praxis: Theoretisches Wissen zur Ernährung wird auf dem Hof Apfeltraum unter anderem bei der Apfelernte und dem Saft-Pressen vermittelt. Die Kinder entwickeln im Laufe dieses Prozesses selbst Fragen, die dann gemeinsam beantwortet werden. Im Vordergrund stehen dabei das eigene Beobachten und das Mittun.

- Direkter Kontakt zu den Tieren: Die Tiere des Hofs können beobachtet, gefüttert, angefasst, gestreichelt werden. Besonders eindrucksvoll für die Kinder ist. der Besuch der Rinderherde auf den weitläufigen Weiden des Hofes. Die Kinder werden hier aufgefordert, das Verhalten der Tiere sehr genau zu beobachten und sich darüber auszutauschen. Das Bedürfnis der Kinder, in den direkten Kontakt zu den Tieren zu kommen, kann dann beim Striegeln und Streicheln der Esel ausgelebt werden.

Die pädagogische Arbeit des Hofes Apfeltraum wird in einzigartiger Weise durch das Engagement von Wiebke Deeken geprägt, die die Führungen für die Sarah Wiener

Stiftung leitet. Wiebke Deeken wird dabei von Annette Glaser und Boris Laufer (Gärtnerei), Kirsten Hänsel (Tierhaltung), Stefan Schulz (Feldbau) und Mario Schoenecker (Küche und Kantine) unterstützt. Die Kinder werden durch die Ausflüge in die einzelnen Bereiche des Ökolandbaus animiert, sich Wissen durch Beobachtung, Erfahrung und Reflektion selbst zu erschließen. Ganz beiläufig lernen sie Respekt vor dem Boden, seinen Früchten und den Tieren.

Der Hof Apfeltraum ist in Ostdeutschland einer der älteren Biobetriebe. Er wurde 1992 als Demeter Hofgemeinschaft gegründet und hat sich seitdem beständig weiter entwickelt. Die einzelnen Betriebszweige (Ackerbau, Gärtnerei, Tierhaltung, Baumschule, Imkerei und Abokiste) werden inzwischen als ökonomisch eigenständige Einheiten geführt, die sich nach außen aber als eine landwirtschaftliche Betriebsgesamtheit verstehen. Die Präsentation des Hofes in der Öffentlichkeit sowie die Koordination der gemeinsamen Aktivitäten laufen in der 2005 gegründeten Apfeltraum Aktiengesellschaft zusammen. Zu den Aufgaben der Aktiengesellschaft gehört auch die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Themenfeld Ökologische Landwirtschaft und Ernährung. Die Bildungs- und Informationsarbeit liegt dem Hof seit seiner Gründung am Herzen. Neben der Kooperation mit der Sarah-Wiener-Stiftung arbeitet der Hof Apfeltraum mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (FH) zusammen, von wo Studentengruppen für Praxiseinsätze und Exkursionen kommen.

Projekt „Öko-Landbau zum Anfassen“

Die Sarah Wiener Stiftung organisiert rund 100 Bauernhoffahrten im Jahr, an denen insgesamt etwa 2.500 Kinder teilnehmen. Bei den Fahrten zu den Bio-Bauernhöfen

erleben die überwiegend urban geprägten Kinder, wie Lebensmittel erzeugt werden, was eine vielfältige, biodiverse (ökologische) Landwirtschaft ausmacht, was ein gesunder, fruchtbarer Boden ist, wie Brot gebacken wird, wie Tiere artgerecht gehalten werden etc. So verstehen die Kinder den Unterschied zwischen industriell stark verarbeiteten Fertigprodukten und unverarbeiteten Lebensmitteln, die frei von Zusatz- und Aromastoffen sind. Die Exkursionen stellen eine Ergänzung zu den jeweils dreimonatigen Kochkursen der Sarah Wiener Stiftung dar, bei denen Kinder die Zubereitung gesunder Lebensmittel erlernen.

Die meisten der besuchten Höfe sind Mitglied im Netzwerk „Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau“. Dabei handelt es sich um Betriebe, die nach den Prinzipien desÖkologischen Landbaus arbeiten und Besuchern zeigen, wie ein Bio-Bauernhof funktioniert

Die Sarah Wiener Stiftung

Seit November 2007 engagiert sich die Sarah Wiener Stiftung „für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen“. Kernprojekt ist die Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften zu sogenannten „GenussbotschafterInnen“. In anderthalbtägigen Seminaren erhalten die Pädagoginnen und Pädagogen das nötige theoretische und praktische Rüstzeug, um an ihrer Einrichtung Koch- und Ernährungskurse für Kinder zu geben. Die Stiftung stellt den PädagogInnen ein „Rundum-sorglos-Paket“ mit allen Materialien zur Verfügung, damit sie mit möglichst wenig Aufwand die Kurse nach dem Konzept der

Stiftung geben können. Neben der Zubereitung von Mahlzeiten stehen dabei auch Geschmacksspiele und Wissensvermittlung auf dem Programm, z.B. zum Thema Nachhaltigkeit. So werden Ernährungswissen und Kochkenntnisse fortlaufend in Schule, Kindergarten oder Freizeiteinrichtung vermittelt.

Die Stiftung hat bis Ende 2013 MultiplikatorInnen an rund 600 Einrichtungen weitergebildet. Rund 60 Prozent der Schulen bleiben dauerhaft dabei und bieten fortlaufend die Kurse an.

Bei über zwei Drittel aller Einrichtungen hat sich das Ernährungsverhalten der Kinder, die einen Kochkurs besuchen, verbessert. „Die Kinder probieren auch ungeliebtes Gemüse. Das liegt sicherlich daran, dass sie es selber kochen“, bestätigte die Pädagogin und SWSBotschafterin Astrid Hirt.

In der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens erhielt die Sarah Wiener Stiftung für ihre Arbeit bereits einige Auszeichnungen. Seit 2009 ist die Stiftung ein ausgewählter Ort von „Deutschland Land der Ideen“, 2010 erhielt Sarah Wiener den Titel der „Didacta Bildungsbotschafterin“ und das „Blaue Herz“ für Kinderfreundlichkeit. 2013 bekam die Stiftung den „Bremer Kinderoscar“. Das Projekt „Landschaft schmeckt Praktische Umweltbildung an Ausbildungsstätten für Erzieher im frühkindlichen Bereich“ wurde

2013 als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet.

Viel erreicht und noch viel vor

Hinter dem Engagement „für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen“ steht eine noch größere Vision: eine intakte Umwelt für künftige Generationen zu hinterlassen. „Was und wie wir essen hat nicht nur Auswirkungen auf unseren Körper, sondern auch auf den Boden, das Wasser, die Tiere und unsere Mitmenschen“, so Sarah Wiener.

Renée Herrnkind

Fotos: © Sarah Wiener Stiftung