Organtransplantation

Sicht der Anthroposophischen Medizin

Michaela Glöckler, Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum, plädiert dafür, Organtransplantationen im Zusammenhang individueller Schicksalswege und -entscheidungen zu beurteilen. Außerdem kündigt sie eine repräsentative Darstellung aus Sicht der Anthroposophischen Medizin an.

In der Wochenzeitung ‹Das Goetheanum› Nr. 4/2014 plädiert Michaela Glöckler «primär und unabdingbar» für den freien Entscheid beim potenziellen Spender und Empfänger. Sie stellt aber auch unmissverständlich fest, dass Hirntod nicht gleichzusetzen ist mit dem Tod des Organismus, sondern dass es sich dabei um ein Organversagen (des Gehirns) handelt. Ohne intensivmedizinische Maßnahmen führe das Organversagen früher oder später zum Tod des ganzen Organismus.

Glöckler macht deutlich, dass die Spende eines lebenswichtigen Organs den definitiven Tod des Spenders besiegelt. Da diese Todesart jedoch für den Empfänger des Organs eine neue Lebenschance bedeutet, sind mit dem Entscheid im Falle eines irreversiblen Hirnversagens, Spender zu werden, oder einer ausweglosen Situation, Organempfänger zu werden, intime Schicksalsfragen verbunden. Sie erfordern den Gewissensentscheid der Betroffenen. Glöckler: «Wie man das Sterben [des Organspenders] begleitet, wie und ob der Empfänger eines Organs sein neues Leben wie eine ‹zweite Geburt› erlebt und seine Biografie in diesem Sinne fortsetzt, sind zugleich Kernfragen einer spirituellen Medizin, aber auch menschlicher Kultur.»

Darüber hinaus informiert Michaela Glöckler über den Stand der Transplantationsmedizin und legt anhand statistischer Daten offen, wie selten im Vergleich zu den jährlichen Sterbezahlen in einem Land der Tod durch irreversibles Hirnversagen mit anschließender Organentnahme ist.

Michaela Glöckler betont, dass auch der Arzt aufgefordert ist, «seinen individuellen Weg und Gewissensentscheid zu finden». Die spirituelle Ethik der Anthroposophischen Medizin und deren medikamentöse Möglichkeiten hält sie für geeignet, einen konstruktiven Beitrag zur Transplantationsmedizin zu leisten.

Sebastian Jüngel