AnthroposoWie?

Wege zum Geist Methoden der Erkenntnis

Rudolf Steiner, Wandtafelzeichnung 12.8.1924

Dass es außer der physisch-sinnlichen Welt noch eine seelisch-geistige Welt gibt, ist für viele Menschen heute selbstverständlich. Viel weniger selbstverständlich sind allerdings die Wege oder die Zugänge zur geistigen Welt, weil sie sich nicht durch herkömmliche, wissenschaftliche Methoden erschließen lassen. Die Anthroposophie will einen solchen Weg aufzeigen, wobei es genauer betrachtet um sehr viele, individuelle Möglichkeiten geht, sich diese Zugänge zu erschließen. Jeder Mensch findet erst einmal für sich das „Baumaterial“, um die Wege zum Geistigen begehbar zu machen. Und trotzdem handelt es sich um eine gemeinsame geistige Welt. Wir alle sind zunächst Wegbereiter auf unsere eigene Art und Weise.

Die geistige Welt erschließt sich im heutigen Sinne nicht mehr durch Offenbarungen. Sie zeigt sich da, wo Menschen aus freien Stücken von sich aus eigene Schritte gehen. Welche Schritte sind das? Wohin führen sie und was erleben Einzelne auf ihrem Weg? Moderne Spiritualität findet sich immer mehr in dem, was jeder einzelne Mensch tut. Sie findet sich aber auch darin, wie wir uns gegenseitig verstehen und teilhaben lassen, als Lernende auf dem Entdeckungsweg zum Geist. Und dieser Lernprozess braucht Reflexion, Auswertung, aktive Schritte und innere Ruhe, Offenheit und Mut, Gedanken- und Herzenskräfte und nicht zuletzt den Austausch mit den anderen Menschen.

Diese Tagung behandelt also nicht wie üblich ein Thema, über das Darstellungen, Grundlagen und fachliche Vertiefung angeboten werden. Sie behandelt einen Entwicklungsprozess, methodische Üb-Wege und Erfahrungswerte. Sie berichtet von individuellen Wegen zum Geistigen Wege, die jeder Mensch mit sich selber ausmacht, aber auf einem Acker, auf dem wir alle doch auch gemeinsam tätig sind. Wie wir mit geistigen Fragen umgehen, welche Formen oder Methoden der Erkenntnis aus der Anthroposophie entwickelt und gepflegt werden, soll in den Blick genommen werden. Die Tagung ist ein Versuch, eine Einladung, gemeinsam an dem zu üben, was im zukünftigen Sinne menschlich und menschheitlich ist: Den Geist ernst zu nehmen soweit wir es eben können.

Das alles ist als Ausgangspunkt, als Perspektive für eine aktive Weltgestaltung gemeint. Die Aufgaben und Probleme der Welt bilden den Auftrag, sich tätig in die Welt zu stellen. Wie wir uns aber da hinein stellen, ist entscheidend für die Qualität der Arbeit. Es geht also um das „Wie“, um die innere Substanz des Tuns im Außen und im Inneren. Ob in der Meditation, in der Karma- oder Ätherforschung, in der Pädagogik, Kunst oder im Unternehmertum: Wir üben nicht nur für uns, sondern für uns in der Welt. Die Wege zum Geist sind hier nicht nur gemeint als Wege zum Geist in mir, sondern zum Geist in der Welt. Wenn dieser Zusammenhang sichtbar und erlebbar werden kann, ist ein wesentliches Anliegen der Tagung gelungen. Wir wollen es einfach mal versuchen …

Dieser Versuch wird unternommen von einer Vorbereitungsgruppe, die dieses Mal von jüngeren Menschen aus der Anthroposophischen Gesellschaft gebildet wurde. Es ist der Schritt zur nächsten Generation der 25- bis 40-Jährigen, die sich an dieses „Unternehmen“ herangewagt hat. Wir laden also außerdem zu einem Dialog mit jüngeren Mitgliedern ein, die sich in vielen Treffen mit dem Tagungsimpuls verbunden haben. Manches wird also diesmal etwas anders gestaltet. Vielleicht kann es auch das Unerwartete sein, was Mut macht zu Neuem. Wir sind gespannt auf die Zusammenarbeit vor Ort.

Michael Schmock

für die Vorbereitungsgruppe

Öffentliche Tagung und MV der Deutschen Landesgesellschaft 19. bis 22. Juni 2014, Stuttgart Waldorfschule Uhlandshöhe.

Erschienen in: Leben Anthroposophie - Rundbrief der Anthroposophischen Gesellschaft, Jan./Febr. 2014