Boden unter unseren Füßen

„Der Boden ist das gewaltige Bindeglied, Ursprung und Ziel allen Lebens. Er heilt, stärkt und lässt wieder auferstehen. Im Boden geht Krankheit zu Gesundheit über, Alter zu Jugend, Tod zu Leben.“
(Wendell Berry)

Boden - Baum - Baumboden

Mich fasziniert immer wieder, was das eigentlich ist, der Boden auf dem wir gehen, stehen, uns bewegen.

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Baum und Boden

Ein Mutterboden ist voll Fruchtbarkeit, Lebendigkeit und runder Gestaltungen. Schwärzliche Humusbildung zeigt sich, Auf- und Abbau finden hier gleichzeitig statt. Das Licht berührt, das Wasser durchdringt, die Wärme gestaltet mineralisch-wässriges aus diesen Regionen dann hinaufreicht bis in die ganze oberirdische Pflanze sollten wir mal über eine „Leichtekraft“ nachdenken.

Und im Baum?

Beim über viele Jahre gewachsenen, ja oft uralten Baum sind die Polaritäten von höher und tiefer noch mehr voneinander entfernt. Baumwurzeln zeigen sich zergliedert, kantig, wie tot. Dagegen ist in der oberirdischen Krone üppigstes Leben mit allen Sinnen leicht wahrzunehmen. Hier wachsen erst einjährige Triebe mit ihren Knospen und daraus über ein weiteres Jahr Blatt und Frucht.

Trieb, Knospe, Blatt und Frucht brauchen einen Boden, aus dem sie heraus- und in den sie hineinwachsen können. Genau das ist die Funktion vom Stamm und seinen Ästen: ein Boden sein für diese einjährigen, auf ihm wachsenden Pflanzen. Oder besser: der Baum kann als eine hügelig gewordene Erde erlebt werden. Und so wird aus dem Boden und seiner Tiefe in der Höhe ‚Raumkultur’.

Albrecht Denneler

Foto: © Michaela Frölich

Erschienen in: Dottenfelder Weihnachtsbrief 2013.