Kleiderspenden eine begehrte Ware

Rund 750.000 Tonnen Altkleider spenden die Deutschen jedes Jahr. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, wird der Großteil der Kleiderspenden keineswegs kostenlos an Bedürftige verteilt. Altkleider sind seit jeher eine Handelsware. Die erste Wahl geht häufig nach Osteuropa, die zweite nach Afrika und die dritte Wahl wird zu Putzlappen verarbeitet. Das Geschäft mit Altkleidern boomt, so dass immer mehr - zum Teil unseriöse - Unternehmen den gemeinnützigen Sammlern Konkurrenz machen.

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Mitarbeiter im Sortierbetrieb.

Jeder Deutsche kaufte im Jahr 2011 im Durchschnitt 70 Kleidungsstücke. Immer rascher wird im Kleiderschrank gewechselt und gut eine Million Tonnen bzw. 300 Millionen Kleidungsstücke rangieren die Deutschen dabei jedes Jahr aus. Der Großteil davon rund 750.000 Tonnen wird über Straßen- und Containersammlungen wiederverwertet. In dem Geschäft steckt ein enormes Potenzial. Allein seit 2010 sind dem Branchendienst Euwid zufolge die Preise für ausrangierte Textilien um 80 Prozent nach oben gegangen. Gut 45 Cent zahlten Sortierbetriebe zuletzt für ein Kilo alte Klamotten. Das lockt auch unseriöse Sammler auf den Markt, die mit der wohlgemeinten Spendenbereitschaft Kasse machen. Laut dem Deutschen Roten Kreuz werden zunehmend Container aufgestellt bzw. Sammlungen durchgeführt, deren Aufschrift einen karitativen Zweck nur vortäuschen und die in Wirklichkeit rein gewerbliche Interessen verfolgen. Schätzungen zufolge sind etwa 40 Prozent aller Altkleider-Container illegal. Für Verbraucher bleibt oft unklar, wer hinter einer Sammlung steckt und wie die Kleiderspenden verwendet werden.

Seriosität

Seriöse Sammler informieren offen und sachlich über den Zweck der Sammlung, stehen für Auskünfte zur Verfügung und verstecken sich nicht hinter Fantasienamen. Legale Container sind laut dem Dachverband FairWertung (www.fairwertung.de), einem bundesweiten Netzwerk aus gemeinnützigen und kirchennahen Organisationen immer mit der vollständigen Adresse und Telefonnummern der sammelnden Organisation beschriftet. Das FairWertungs-Siegel des Dachverbandes steht für seriöse Sammler und bietet die Gewähr, dass die Erlöse aus diesen Sammlungen für die Arbeit gemeinnütziger Organisationen verwendet werden.

Misstrauen ist immer dann berechtigt, wenn auf dem Sammelzettel oder Container Name und Anschrift des Sammlers fehlen und gleichzeitig besonders gefühlsbetont zur Spende aufgerufen wird. Unseriöse Sammler verwenden häufig Namen und Logos, die an wohltätige Zwecke erinnern.

Das DZI-Spendensiegel vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (www.dzi.de) gibt Auskunft über die Seriosität von Organisationen. Auf der Internetseite des DZI können Sie nachsehen, ob eine Organisation das Siegel besitzt oder nicht (www.dzi.de/Spenderberatung).

Gemeinnützige und kommerzielle Sammlungen

Für gemeinnützige Organisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind Altkleidersammlungen traditionell eine wichtige Einnahmequelle. Das DRK erlöste damit in 2011 rund 12 Millionen Euro für die Finanzierung sozialer und ehrenamtlicher Projekte. Demgegenüber stehen rein gewinnorientierte Sammler sowie Unternehmen, die nur einen Teil der Erlöse karitativen oder sozialen Zwecken zur Verfügung stellen. Von den rund 450 Millionen Euro, die jährlich mit Altkleidern in Deutschland umgesetzt werden, kommen nur 48 Millionen Euro bei karitativen Einrichtungen an. Daher sollten Sie bei Altkleidersammlungen und -containern darauf achten, dass sie einer Ihnen bekannten gemeinnützigen Organisation gehören. Mit der Einführung des Kreislaufwirtschaftsgesetztes sind auch die Kommunen in den Handel mit Gebrauchtkleidung eingestiegen. Seit kurzem sammeln Firmen Altkleider per kostenfreien Paketversand oder locken mit Rabatt-Gutscheinen.

Verwertung der Altkleider - Was geschieht mit den Altkleidern?

Die meisten Sammler, ob gemeinnützig oder gewerblich, verkaufen die gesammelten Alttextilien an kommerzielle Verwertungsunternehmen. Dort werden die Altkleider händisch nach verschiedenen Qualitätsstufen sortiert und weiterverkauft. Kleidung, die noch tragbar ist, wird zu einem großen Teil ins Ausland exportiert, nur rund 10 Prozent landet in deutschen Kleiderkammern und Second-Hand-Läden. Die jährlich in Deutschland gesammelte Menge an Altkleidern übersteigt bei weitem den inländischen Bedarf für soziale Zwecke. Besonders gut erhaltene, top-modische Kleidung wird neben Deutschland auch an Second-Hand-Läden in Westeuropa verkauft. Die übrige tragbare Kleidung wird vor allem nach Osteuropa und in afrikanische Länder exportiert. Bekleidung, die nicht mehr tragbar ist, wird zu Putzlappen, Dämmmaterial und Recyclingmaterial verarbeitet, Unbrauchbares wird verbrannt. Auch karitative Sammler bedienen sich gewerblicher Sortierbetriebe und Handelsfirmen.

Kleider-Export

Seit langem wird kontrovers diskutiert, welche Auswirkungen der Export von Gebrauchtkleidung auf die lokalen Textilmärkte in Afrika hat. Laut dem DRK und dem Dachverband FairWertung gelten die Vorwürfe heute als überholt, dass importierte Gebrauchtkleidung für den Niedergang der lokalen Textilindustrie verantwortlich ist. Vielmehr gäbe es eine Reihe von Ursachen: problematische Produktionsbedingungen, häufiger Stromausfall, unregelmäßige Wasserversorgung, keine Ersatzteile aber auch die Streichung von Subventionen und die Öffnung der afrikanischen Textilmärkte. Mit der weltweiten Verlagerung der Textilindustrie nach Asien sind nicht nur in Europa viele Produktionsstätten und Arbeitsplätze verloren gegangen, sondern auch in Afrika. Die große Nachfrage in Afrika wurde durch Importe von Neukleidung aus Asien, aber auch durch Second-Hand-Kleidung ersetzt. Dabei wird die Second-Hand-Kleidung in afrikanischen Ländern aufgrund der guten Qualität und der günstigen Preise sehr geschätzt und der billigen und qualitativ sehr schlechten Neuware aus Fernost vorgezogen. Oft sind Gebrauchtkleider für einkommensschwache Bevölkerungsteile die einzige Möglichkeit, Textilien günstig zu kaufen und auch bei begrenztem Budget mit der Mode zu gehen. Gleichzeitig sind in Afrika durch die Weiterverarbeitung von gebrauchten Kleidern auch neue Arbeitsplätze entstanden, da eine große Anzahl von Menschen vom Handel oder dem Umarbeiten dieser Kleidung lebt.

Was gehört in die Altkleidersammlung?

In Altkleidersammlungen gehören gut erhaltene modische Kleidung und Wäsche, Schuhe, Handtaschen, Federbetten, außerdem Heimtextilien, wie Tischdecken, Gardinen und Handtücher. Alles sollte sauber, in ordentlichem Zustand und gut verpackt sein, Schuhe werden paarweise gebündelt. Stark verschmutzte und fleckige Teile gehören nicht in die Kleidersammlung sondern in den Müll. Sie können die Sammelorganisationen finanziell belasten, wenn für die Entsorgung gezahlt werden muss. Die Kleidung sollte nicht zerschnitten werden, um einen möglichen Weiterverkauf zu verhindern, denn dazu ist die Ressource Kleidung zu wertvoll.

Sammlung im Einzelhandel

Anfang des Jahres stieg H&M Deutschland in das Geschäft mit Altkleidern ein. Die Modekette nimmt gebrauchte Kleidung zurück, auch wenn sie nicht von H&M stammt. Pro Tüte Altkleider, die in ausgewählten H&M-Filialen abgeben werden können, erhalten Kunden einen Gutschein über 15% Rabatt für einen neuen Artikel. Mit seiner Recyclingaktion sorgt der Händler zwar dafür, dass weniger Kleidung im Müll landet, auf der anderen Seite animiert er seine Kunden aber gleichzeitig zum noch rascheren Wechsel der Garderobe. Ähnliche Rabatt-Aktionen gibt es auch bei anderen Einzelhändlern, beispielsweise bei Adler oder Reno.

Sammlung per Paket

Mit „Packmee“ haben Verbraucher seit kurzem die Möglichkeit, Altkleider kostenfrei per Paketversand zu spenden. Kleidung, Schuhe, Haushaltstextilien, Brillen und sogar Hörgeräte können zu Hause in einem Umzugskarton gesammelt und beim Empfang eines Pakets, dem Boten von DHL oder Hermes an der Haustür mit auf den Weg gegeben werden. Alternativ bringt man den Karton zu einer der mehr als 30.000 Annahmestellen der beiden Logistikpartner, wo auch Aufkleber mit der Anschrift erhältlich sind. Das Porto übernimmt Packmee, sofern der Karton mindestens fünf Kilogramm wiegt. Packmee garantiert mindestens 50 Prozent des Erlöses an karitative Partner zu geben.

Alternativen

Bevor Sie abgelegte Kleider in den Sammelsack geben, überlegen Sie, ob es in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis nicht doch noch dankbare Abnehmer dafür geben könnte. Wenn Sie gut erhaltene Kleidung lieber direkt spenden möchten, beispielsweise an ein Sozialkaufhaus oder eine Kleiderkammer, erkundigen Sie sich bei entsprechenden Organisationen und Einrichtungen nach dem Bedarf. Auch die Läden von Oxfam freuen sich über gut erhaltene Kleidung, die sie direkt in ihren Läden verkaufen, um das Geld dann in Entwicklungshilfe-Projekte zu stecken.

Catrin Krueger

Erschienen in: Verbraucher konkret Nr. 2/2013

Foto: Dachverband Fairwertung