Pflegewissenschaftler der Uni Witten/Herdecke schulen chinesische Altenpflegerinnen

In Shanghai, Peking und Suzhou sollen ambulante Pflegedienste entstehen, damit mehr Menschen in den eigenen vier Wänden alt werden können.  

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Prof. Christel Bienstein

Das Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke entwickelt in Shanghai, Peking und Suzhou Konzepte für eine Versorgung älterer Menschen zu Hause. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert dieses dreijährige Projekt bis Ende September 2015.

 

Zum Hintergrund

In China wird sich die Zahl der über 65-Jährigen von 2006 bis 2050 verdreifachen. Gleichzeitig gibt es durch die „Ein-Kind-Politik“ immer weniger junge Menschen, die die Pflege der Alten übernehmen könnten. Und diese Jungen ziehen in die großen Städte, weit weg von den Eltern, um ihr Glück zu suchen. „China wird noch viel stärker und schneller in die demografische Krise kommen als Deutschland“, sagt Prof. Christel Bienstein, Leiterin des Departments, voraus. Und stationäre Pflegeeinrichtungen sind dort ebenfalls kaum vorhanden.

Zurzeit werden in China in einem umfänglichen Maß Alteneinrichtungen aufgebaut. Ein Prozent der Bevölkerung (1,5 Mill. Menschen) leben in den 38.000 staatlichen oder privaten Altenpflegeeinrichtungen. International beträgt diese Größe zwischen fünf und sieben Prozent. Ambulante Betreuungsmöglichkeiten auf der Basis einer professionellen pflegerischen Betreuung existieren nicht. Menschen, die über ausreichende finanzielle Möglichkeiten verfügen, stellen junge Frauen vom Land ein, die Tag und Nacht bei ihnen verbringen und sie versorgen. Diese Frauen verfügen über keine pflegerischen Kenntnisse.

Ziel der Pflegewissenschaftler der UW/H ist es, die Versorgung von Menschen in China in ihrer eigenen Häuslichkeit zu unterstützen. Die Idee setzt bei den jungen Frauen vom Lande an, die vielfach alte Menschen versorgen: Absolventen der Pflegewissenschaft von Universitäten in China sollen diese Frauen in der Pflege weiterbilden, damit die alten Menschen möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben können. Partner bei der Umsetzung ist hierbei das FORUM Berufsbildung in Berlin (www.forum-berufsbildung.de/) „Es gibt im Reich der Mitte einfach keine ambulanten Pflegedienste wie hier und nicht genug Plätze in Altenheimen. Also setzen wir bei dem an, was es gibt, auch wenn es nicht ideal ist“, erklärt Prof. Bienstein die Idee. Ihr Department hat die Aufgabe übernommen, den Bedarf an Unterstützung zu erheben und die Auswirkung der Schulungs- und Begleitungsprogramme zu evaluieren. Eine erste Konferenz fand vom 29. Oktober bis 1. November 2013 in Shanghai statt. Daran nahmen Vertreter der Sozialämter aus Einrichtungen der Altenversorgung von Shanghai, Suzhou und Peking teil.

In einem weiteren Schritt werden nun die Schulungsprogramme entwickelt und die Qualifizierung durchgeführt. Im September 2014 werden vier Absolventen des Programms, die sich besonders qualifiziert haben, für 14 Tage nach Deutschland eingeladen, um sich verschiedene Versorgungsangebote für alte Menschen in Deutschland anzusehen. Parallel werden vertiefte Seminare an der Universität Witten/Herdecke im Department für Pflegewissenschaft angeboten werden.

Unternehmen, die ein Interesse an einer Zusammenarbeit mit den pflegerischen Feldern in China haben, können sich bei Prof. Christel Bienstein melden.

Prof. Christel Bienstein

Foto: © Private Universität Witten/Herdecke gGmbH