Buchhinweis

Beiträge zur Farbenlehre von Torger Holtsmark

Torger Holtsmark (geb. 1924), Anthroposoph und Physiker, war in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts Mitglied des legendären Osloer Farbenlehre-Studienkreises um Andrej Bjerke. Er erhielt dort entscheidende Impulse für eine lebenslange Beschäftigung mit Licht und Farbe. 25 seiner wichtigsten Arbeiten, die z.T. internationale Anerkennung fanden, sind jetzt in einem von Johannes Grebe-Ellis (Bergische Universität Wuppertal) edierten Sammelband neu erschienen1. Fünf Texte wurden dafür mit Unterstützung der norwegischen Übersetzungsförderung NORLA eigens aus dem Norwegischen übersetzt und so erstmals über den norwegischen Sprachraum hinaus zugänglich gemacht.

Es handelt sich um Beiträge zur Farbenlehre und Optik, in denen Holtsmark Forschungslinien von Platon und Aristoteles über Kepler zu Goethe und Wittgenstein aufzeigt und aufgreift. Dem Interesse an den historischen Kontexten liegt dabei stets die Frage nach der Genese des Bildes, nach der Bestimmung der Farbe und dem Schicksal des Sehenden zugrunde. Die Antworten, die Holtsmark auf diese Fragen findet, führen ihn dazu, für die Zukunft ein Neu-Begreifen der Lichtlehre zu fordern und den didaktischen Entwurf einer erweiterten Farbenlehre als Bildlehre, als eine Optik des Sehens praktisch in Angriff zu nehmen. „Holtsmarks Studien zeigen auf inspirierende Weise, wie Goethes Farbenlehre als methodischer Entwurf einer zukünftigen, erweiterten Bild- und Farbenlehre aufgefasst und praktisch weiterentwickelt werden kann; zugleich lassen sie ahnen, dass der Kern von Holtsmarks Engagement ein pädagogisches ist“, schreibt der Herausgeber in seinem Vorwort.

Interessant ist, dass Holtsmark damit ein ganz ähnliches Ziel verfolgte, wie zur selben Zeit der Physiker Georg Maier in Dornach, dessen Buch „Optik der Bilder“ inzwischen zum Standardwerk der goetheanistischen Optik geworden ist. Dass Holtsmarks Beiträge zu diesem Themenkreis trotz der Bemühungen Georg Ungers, der mit Holtsmark freundschaftlich verbunden war, in Dornach nur wenig Widerhall fanden und es namentlich zwischen Holtsmark und Maier keinen Austausch gegeben hat, bleibt rätselhaft. Es ist Johannes Grebe-Ellis außerdordentlich zu danken, dass er, nachdem durch ihn 2004 wichtige Aufsätze von Maier herausgegeben wurden (blicken sehen schauen. Dürnau), nun auch Beiträge von Holtsmark international zugänglich gemacht hat. So ist zu hoffen, dass sie von dem inzwischen grösseren Kreis von Interessenten aufgegriffen werden.

Vier Jahre hat die Arbeit an dem Sammelband gedauert. An den Druckkosten hat sich großzügig die Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen beteiligt. Das Buch wurde von Johannes Grebe-Ellis am 26. November 2012 im Rahmen einer Präsentation in den Räumen der Anthroposophischen Gesellschaft in Oslo dem 87jährigen Torger Holtsmark überreicht. Es wendet sich an alle, die sich für physikalische, phänomenologische, philosophische sowie historische Aspekte der Farbenlehre und Bildoptik interessieren.

Johannes Kühl

1 Torger Holtsmark: Colour and Image. Phenomenology of Visual Experience. Hrsg. von Johannes Grebe-Ellis Berlin: Logos Verlag, 2012, 353 Seiten, über 100 Abbildungen, 15 davon farbig, EUR 38,- (Band 8 der Schriftenreihe „Phänomenologie in der Naturwissenschaft“ , Hrsg. von von Johannes Grebe-Ellis und Lutz-Helmut Schön (Humboldt-Universität Berlin)

Siehe auch: http://www.logos-verlag.de/cgi-bin/engbuchmid?isbn=3263&lng=deu&id=

Erschienen in: Das Goetheanum Wochenschrift für Anthroposophie  Nr. 11, 16.3.2013