Aus der Arbeit der GLS Treuhand

Mit Brot, Kuchen und Schusters Sohle in die Unabhängigkeit

Kleingewerbeförderung in Peru - Produktionswerkstätten im Slum machen ein Ausbildungszentrum finanziell tragfähig.

Auf den Hügeln von Carabayllo, im Norden der Hauptstadt Lima, drängen sich die Hütten von 54 Slums mit etwa 40.000 Bewohner/innen. Die Menschen leben hier überwiegend vom Sammeln von Müll, dem Verkauf von Plastikwaren und Süßigkeiten oder dem Singen und Betteln in Bussen. Einige heuern als Tagelöhner auf Farmen an, die sich in wenigen Kilometern Entfernung in den Niederungen eines Flussdeltas erstrecken.

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Die Slums von Cabayllo an den Wüstenhügeln nördlich von Lima.

So wird die Armut zum Erbe, weitergegeben von Generation zu Generation. Dazu kommen massive Umweltlasten, die zu Gesundheitsschäden führen, denn bei der Müllsammlung bleiben giftige Altlasten zurück. Drogen und Banden sind Teil des Alltags und gerade für die Jugendlichen ohne Lehrstellen und Arbeitsplätze scheinbar eine attraktive Alternative. Sie wird „La vida loca“ genannt das verrückte Leben mit Drogen, Macht über andere und etwas Geld. Dabei ist schwer zu sagen, ob Bandenkriege oder Drogen mehr Tote unter den jungen Menschen fordern.

In Carabayllo arbeitet Ricardo Herrera, der Leiter unserer Partnerorganisation Alma Capac. Er kam in diesen Slum, um mit den interessierten Frauen inzwischen acht Gemeindeküchen aufzubauen. Hat eine Selbsthilfegruppe eine solche Gemeindeküche, erhält sie Lebensmittelhilfe von der Regierung, zumeist Reis, Öl und Fisch. Für einen Sol pro Tag, den jedes Mitglied einer Küche beiträgt, wird einmal täglich eine nahrhafte Mahlzeit gekocht. Die Gemeindeküchen veränderten das soziale Miteinander der Menschen. Es entstanden neue Ideen, so auch der Aufbau eines einfachen Ausbildungszentrums. Heute strahlt ein massiv gebauter, weiß gestrichener zweistöckiger Bau auf einem Hügel zwischen den Hütten. In zehn Schulungsräumen wird inzwischen das Kochen, Backen, Schneidern und Friseurwesen gelehrt. Es gibt einen Kurs zur Alphabetisierung und einen zur einfachen Buchhaltung.

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Bäckermeister Carlos möchte gerne ausbilden und seine Backwaren verkaufen können.

Um das Ausbildungszentrum jedoch langfristig von Spenden unabhängig zu machen, sollen nun zwei Ausbildungsräume in Werkstätten umgewandelt werden. Sie sollen als Bäckerei bzw. Schusterei ausgestattet werden. Das Bäckerhandwerk und das Schustern versprechen bei den lokalen Bedingungen die größten Einkünfte. Ein Teil der erwarteten Gewinne soll in die Finanzierung des Ausbildungszentrums fließen, ein anderer in den Unterhalt der Gewerbe. Es ist ein Modell, das wir in ähnlicher Weise mit unserer Partnerorganisation in einem anderen Slum von Lima, Hiroshima, bereits erfolgreich etablieren konnten (Gemeindebäckerei im Slum, EWH-Brief 39).

In der Bäckerei sollen alle dort gängigen Backwaren gebacken und an verkehrsreichen Plätzen des Slumgebiets wie auch an Schulen und Kindergärten verkauft werden. Die Schusterwerkstatt soll einfachste, aus Reifen produzierte Latschen genauso fertigen wie haltbare Ledersandalen in robustem oder feinerem Design. Insgesamt ca. 30 Menschen sollen dauerhaft beschäftigt werden. Indirekt profitieren auch die etwa 100 Schülerinnen und Schüler des Ausbildungszentrums, denn die Werkstätten finanzieren anteilig die Gehälter des Lehrpersonals.

Zunächst soll die Bäckerei mit einem großen Backofen, Rühr- und Knetgeräten sowie Backblechen, -formen, -schüsseln und Teigrollen, Löffeln, Gabeln, Messern und Spritzgebäckwerkzeugen ausgestattet werden. Im zweiten Schritt werden für die Schusterwerkstatt eine Näh-, eine Stanzmaschine, eine Maschine zum Schmirgeln und Polieren, eine Winkelschleifmaschine und ein Kompressionsgerät sowie verschiedene Kleinwerkzeuge angeschafft.

Neben diesen Investitionen sollen 18 Monate lang die Kosten für Material sowie die Gehälter von zwei BŠckermeistern (für eine Morgen- und eine Nachmittagsschicht) als Anschubfinanzierung aus Spenden gedeckt werden. Danach können die Werkstätten Gewinne realisieren.

Insgesamt sind für die Ausstattung und Anschubfinanzierung der Bäckerei ca. 30.000 Euro notwendig, für die Schusterwerkstatt an Investitionen und Gehältern 29.000 Euro. Pro Auszubildendem und Mitarbeiter sind dies ca. 453 Euro.

Dr. Annette Massmann

Zukunftsstiftung Entwicklung in der GLS Treuhand

www.entwicklungshilfe3.de

Spendenkonto:

Konto-Nr.: 123 300 10

BLZ: 430 609 67 GLS Bank

Spendenzweck:

Peru: Kleingewerbe im Slum

 

Fotos: © Dr. Annette Massmann