+Freunde-re.psdSpuren des Terrors an der Seele

Trauma-Ambulanz für die Anschlagsopfer in Nairobi

Als Reaktion auf den Anschlag vom 21.09.13 in Kenias Hauptstadt Nairobi organisierte die notfallpädagogische Abteilung der „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.“ eine Trauma-Ambulanz für die Terroropfer. Das Angebot war individuell auf die Bedürfnisse der traumatisierten Kinder zugeschnitten.

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„Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Erlebten ist für die notfallpädagogische Arbeit elementar.“

Mit dem Angebot einer mobilen Trauma-Ambulanz reagierten die Notfallpädagogen der „Freunde der Erziehungskunst“ auf den verheerenden Anschlag der islamistischen Al-Shabaab-Miliz auf das Einkaufszentrum „Westgate“ in Nairobi. Die Ambulanz nahm am 01.10.13 ihre Arbeit mit betroffenen Kindern an mehreren Schulen auf. Dort wurden traumatisierte Kinder bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse über drei Wochen hin unterstützt. In Einzelgesprächen ermittelten kenianische und deutsche Mitarbeiter die Bedürfnisse der Kinder und machten ihnen kunst- sowie bewegungspädagogische Angebote, die individuell auf sie zugeschnitten waren.

Bei vielen Kindern zeigt sich das Trauma in Form von Schlafstörungen und Alpträumen. Sie leiden unter Schuldgefühlen und unbewältigter Trauer – Westgate hat in den Seelen der Kinder nicht aufgehört. Die Mitarbeiter der „Freunde“ konnten mit 40 Kindern traumapädagogisch arbeiten. „Beim Malen der Bilder haben sich viele intensiv mit dem Erlebten und ihrer Trauer auseinandergesetzt“, sagt Heidi Wolf, Kunstpädagogin und ehrenamtliche Mitarbeiterin. „Somit soll die Entstehung einer Traumafolgestörung verhindert werden.“

Die enge Zusammenarbeit mit der Nairobi Waldorf School, die mit dem notfallpädagogischen Einsatz der „Freunde “ im UN-Flüchtlingslager Kakuma/Nordkenia 2012 begann, kam beim Aufbau der Trauma-Ambulanz erneut zum Tragen. Die Ambulanz wurde nach dem Vorbild der Notfallpädagogischen Ambulanz am Parzival Schulzentrum in Karlsruhe konzipiert. Sechs kenianische und deutsche Mitarbeiter wirkten an dem Projekt auf ehrenamtlicher Basis mit.

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhenationale und internationale Freiwilligendienste in aller Welt. Zurzeit nehmen jährlich rund 600 junge Menschen an den Programmen teil. Seit Sommer 2011 können Interessierte über den Verein auch einen 12-monatigen Freiwilligendienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland leisten.

Die Freunde der Erziehungskunst sind seit 2006 im Bereich „Notfallpädagogik“ tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten sie bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008 und 2013), Gaza (2009 - 2013), Indonesien (2009), Haiti (2010), Kirgisistan (2010), Japan (2011) und Kenia (2012 - 2013). In mehrwöchigen Einsätzen werden traumapädagogische Maßnahmen baldmöglichst nach Katastrophen ergriffen. Somit kann eine schnelle und intensive Reaktion verhindern, dass bei Kindern und Jugendlichen Traumafolgestörungen entstehen.

Das Spendenkonto lautet:

GLS Gemeinschaftsbank eG

BLZ 430 609 67

Kto 800 800 700

Stichwort „Notfallpädagogik“

Inhaber: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.

Foto: Heidi Wolf - ©Freunde der Erziehungskunst