CMS-Sorten in Holle Baby-Gläschen

Das ZDF-Magazin WISO hat mit Hilfe eines neuen Analyse-Verfahrens Baby-Gläschen auf Zutaten untersuchen lassen, die von CMS-Pflanzen stammen. Bei den Chargen 08.11.2015/B, 11.04.2016/A und 11.04.2016/B der Holle Baby-Gläschen „Brokkoli mit Vollkornreis“ zeigten sich solche Zutaten. Darüber berichtete WISO in der Sendung vom 7. Oktober 2013.

Die Demeter-Markengemeinschaft, zu deren Pionieren Holle gehört, ist auf dem Weg zu CMS-freien Lebensmitteln. Bereits 2005 hat Demeter CMS-Sorten für den Gemüseanbau ausgeschlossen. Inzwischen schließen auch alle anderen deutschen Bio-Verbände den Anbau von CMS-Pflanzen aus. Aber erst seit kurzer Zeit gibt es ein Analyseverfahren, das sicher ermittelt, ob diese cytoplasmotische Sterilität (CMS) im verwendeten Rohstoff enthalten ist. Bisher waren Demeter-Gärtner und -Bauern sowie Naturkost-Hersteller auf die Zusicherung der Saatgutanbieter angewiesen, ihre Sorte sei CMS-frei.

Bei den jetzt beprobten Baby-Gläschen handelt es sich um Ware mit Brokkoli, der Ende 2012 bzw. Anfang 2013 verarbeitet wurde. Damals gab es noch keine Möglichkeit für Laboruntersuchungen zu CMS. Ab sofort setzt die Firma Holle die neue Analytik ein, um CMS-Hybridsorten sicher auszuschließen.

Was ist CMS?

CMS ist die Abkürzung für Cytoplasmatische Männliche Sterilität. Die CMS verhindert die Selbstbefruchtung der Pflanzen. Die Pflanzen bilden keine aktiven Pollen aus und sind nicht vermehrungsfähig. In manchen Pflanzen, wie dem Rettich und der Sonnenblume, ist diese Eigenschaft natürlich vorhanden. Die CMS kann auf andere Kreuzblütler oder Korbblütler züchterisch durch natürliche Einkreuzung, aber auch im Labor durch Zellfusion übertragen werden. Das Merkmal CMS kann also zum Beispiel von einem Rettich auf Blumenkohl oder Brokkoli übertragen werden. Diese Eigenschaft hat ihren Sitz nicht im Zellkern, sondern im Plasma um den Zellkern herum. Es findet dabei keine neuartige Kombination isolierter DNA statt.

Bio-Branche lehnt Zellfusionstechnik ab

Die Behauptung von WISO, CMS-Sorten seien Gentechnik, entbehrt jeder gesetzlichen Grundlage. Die Zellfusionstechnik bei nahe verwandten Pflanzen ist aus der Freisetzungsrichtlinie für genetisch veränderte Organismen (GVO) ausgenommen und damit nicht der Gentechnik zuzurechnen, da eine Übertragung der entsprechenden Eigenschaften auch auf natürlichem Wege möglich wäre. Deshalb sind auch in der EU-Bio-Verordnung CMS-Sorten nicht ausgeschlossen. Gesundheitliche Risiken beim Verzehr von Bio-Produkten mit CMS-Sorten bestehen nicht. Die Züchtungsmethode verletzt nach Überzeugung von Demeter und der anderen Bio-Verbände jedoch die Integrität der Pflanze und ist mit den Prinzipien des ökologischen Landbaus nicht vereinbar.

Wie engagiert sich Demeter für biodynamische Alternativen?

Als erster Bio-Verband hat Demeter 2008 Richtlinien für Pflanzenzüchtung formuliert. Biodynamisch gezüchtete Sorten werden zertifiziert. Sie erfüllen die Anforderungen der Züchtungsrichtlinien, die gemeinsam mit der Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter entstanden sind. Bei der Selektion dieser samenfesten Sorten wird gezielt auf Vitalität, Geschmack und Bekömmlichkeit hin gearbeitet. So entsteht höchste Nahrungsqualität von Anfang an. Biologisch-dynamisch gezüchtetes Saatgut gehört dem gemeinnützigen Verein „Kultursaat“, ist nachbaufähig und damit ein echtes Kulturgut in der Hand der Bauern und Gärtner.

Die Delegiertenversammlung des Demeter e. V. hat 2013 mit der Stimme von Holle ein wichtiges Signal an die gesamte Biobranche und für die Zukunft der ökologischen Lebensmittelwirtschaft gesetzt. Ab dem Haushaltsjahr 2014 wird der Verband der Biodynamischen Wirtschaftsweise jährlich mindestens 40 000 Euro zur Förderung der biodynamischen und ökologischen Pflanzen- und Tierzucht bereitstellen. Das Geld soll als Spende an die Zukunftsstiftung Landwirtschaft gehen.

Renée Herrnkind