Schwarze Magie in der Schule erlaubt

Mit Urteil vom 11.09.2013 (Az.: 6 C 12.12) hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass einzelne Schülerinnen und Schüler keinen Anspruch auf Unterrichtsbefreiung haben, wenn der Inhalt einer schulischen Veranstaltung aus ihrer Sicht oder aus Sicht ihrer Eltern gegen für sie maßgebliche religiöse Vorgaben verstößt.

Es ging in diesem Fall darum, dass die Eltern eines Siebtklässlers, die Zeugen Jehovas sind, sich dagegen ausgesprochen haben, dass ihr Sohn den Kino-Film „Krabat“ besuchte.

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ging durch die Tagespresse, stand aber etwas im Hintergrund der gleichzeitig veröffentlichten spektakulären Entscheidung des Gerichts zur Frage der Teilnahme von muslimischen Schülerinnen am Schwimmunterricht.

Für Schulen in freier Trägerschaft, namentlich für Waldorfschulen, wird jedoch die „Krabat“-Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von Bedeutung sein: Das Buch „Krabat“ von Ottfried Preußler gehört zweifellos zu den bedeutendsten Jugendbüchern der letzten Jahrzehnte, ist mehrfach verfilmt worden und zählt zu den beliebtesten Vorlagen für Klassenspiele zumindest an Waldorfschulen, möglicherweise auch an anderen Schulen in freier Trägerschaft.

Die Kläger im vom Bundesverwaltungsgericht entschiedenen Fall hatten sich darauf berufen, dass im Film „Krabat“ u. a. Praktiken schwarzer Magie gezeigt würden. Sie beriefen sich darauf, dass ihr Glaube ihnen verbiete, sich mit schwarzer Magie zu befassen. Die Schule hatte die Befreiung abgelehnt. Das Bundesverwaltungsgericht urteilte, dass die Schule mit der Filmvorführung nicht gegen das Gebot der religiösen Neutralität verstoße. Wenn der Film in gewisser Weise die religiösen Vorstellungen der Eltern von Schülern beeinträchtige, sei das hinzunehmen. Eine Ausnahme von der Schulpflicht setze eine besonders gravierende Beeinträchtigung religiöser Belange und das Zurücktreten des schulischen umfassenden Bildungsauftrags voraus.

Bisher liegt nicht das vollständige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vor, sondern nur die Pressemitteilung des Gerichts. Daraus geht weder hervor, wie weit sich das Gericht mit dem Inhalt des Buchs beschäftigt hat, noch wie weit es sich mit schwarzer Magie beschäftigt hat. Beides wäre ja interessant, und zwar aus mehreren Gründen:

Zum einen beschreibt Preußler tatsächlich Praktiken schwarzer Magie, aber natürlich unter dem Aspekt, dass der Held des Buches, Krabat, der Verführung durch die schwarze Magie widersteht und auf die damit verbundene Zauberkraft verzichtet. Er wählt also den beschwerlicheren, aber ehrlichen Weg. Die Botschaft des Buchs ist also „moralisch korrekt“, wenn es so etwas heute überhaupt noch gibt. Warum sollte es dann nicht Unterrichtsinhalt sein dürfen?

Zum anderen kann es ja nicht Sinn der Schulausbildung sein, Schülerinnen und Schüler davor zu bewahren, unangenehme Sachverhalte in der Welt wahrzunehmen. Was Preußler anhand von „Krabat“ an schwarzer Magie beschreibt, gibt es zweifellos auch heute. Nur wird schwarze Magie heute nicht durch finstere Müller und Zauberer repräsentiert, sondern beispielsweise durch unbewusst wirkende Werbemaßnahmen, durch manipulierende Inhalte von Medien wie Internet oder Fernsehen, durch konspirative Geheimdienste und vieles Andere mehr. Einen Inhalt wie „Krabat“ zur Kenntnis zu nehmen, könnte bei Kindern und Jugendlichen durchaus die Moral und Widerstandskraft gegenüber heutigen schwarzmagischen Praktiken stärken.

Insofern im Ergebnis ein gutes Urteil!

Rechtsanwalt Ingo Krampen

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung - erschienen auf der Homepage der Kanlei Barkhoff und Partner: www.barkhoff-partner.de