Indien: Geborgen im Alter

Ein Zuhause für 85 alte Menschen

Indiens Wirtschaft wächst rasant. Doch ca. 800 Millionen Inder leben unter der Armutsgrenze. Besonders betroffen sind alte Menschen. Ein Beispiel für einen Lebensabend in Würde.

+B10_2 foto 1.psd
Heimbewohnerinnen bei einer Versammlung

Herr Rangarajan Drema lächelt verschmitzt und klopft mit seinem Maßband auf den Schneidertisch. Er ist ein ehrwürdiger alter Schneidermeister, sicherlich älter als 70 Jahre. Er kommt aus einem Dorf bei Murayar, im südindischen Tamil Nadu. Auf der Suche nach Arbeit verschlug es ihn in Indiens Hauptstadt Delhi, später in die Arabischen Emirate. Im Laufe seines Lebens erlernte er fünf Sprachen. Immer lebte er von seinem Beruf. Als seine Kräfte nachließen und er in sein Dorf zu seiner Familie zurückkehrte, wollte diese ihn nicht versorgen. Denn hier zählt jeder Esser in einer Familie.

In dieser Gegend sind die Menschen Tagelöhner oder Reisbauern auf Kleinstparzellen. Jahrzehntelanger Monokulturanbau hat die Böden der Felder ausgelaugt. Die letzten zwei Monsunregen fielen aus und so liegen überall Felder brach vor allem die Felder der Menschen, die sich keine künstliche Bewässerung leisten können. Herr Rangarajan Drema machte sich auf die Suche nach einem Ort für seinen Lebensabend und wurde bei unserem Projektpartner Welfare Association for the Rural Mass, WARM, fündig. In zwei Häusern leben dort 85 alte Menschen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligen sie sich an den anfallenden Arbeiten der Einrichtung. So fand Herr Rangarajan Drema nicht nur ein Zuhause, sondern kann sein Können in der stundenweisen Schulung von Auszubildenden weitergeben. Er lehrt sie, Schnittmuster anzufertigen und richtig Maß zu nehmen.

+B10_2 foto 4.psd
Eine Bewohnerin bei der Arbeit im Gemüsegarten

Andere Seniorinnen und Senioren beteiligen sich an der Arbeit auf der organischen Farm von WARM, helfen bei der Küchenarbeit oder hüten Ziegen. Ein Herr und eine Dame umsorgen besonders gebrechliche Mitbewohner. Alle bringen sich gerne in dem Maße ein, wie ihre Kräfte es ihnen erlauben.

Vor allem alte Frauen leben bei WARM. Denn sie werden häufiger von ihren Familien verstoßen als alte Männer. Vielfach hängt dies mit Land- und Eigentumstiteln, die weit überwiegend in männlicher Hand sind, und damit möglichem Erbe zusammen. Solange ein Mann etwas zu vererben hat, wird er von der Familie versorgt. Frauen haben in der Regel nichts zu vererben.

Hier bei WARM fühlt sich Herr Rangarajan Drema wohl. Er ist froh, sein Wissen und seine Lebenserfahrung weitergeben zu können und seinen Lebensabend in Würde zu verbringen. Und während er dies erklärt, strahlt sein Gesicht.

Für den Unterhalt der Seniorinnen und Senioren sind pro Person und Jahr 300 Euro notwendig. Das sind 25 Euro im Monat.

Dr. Annette Massmann

Spendenkonto:

Indien: Ein Zuhause für alte

Menschen

Zukunftsstiftung Entwicklung

Konto Nr.: 123 300 10

BLZ: 430 609 67 GLS Bank

Stichwort: Indien: Ein Zuhause für alte Menschen

Weitere Informationen per Mail: ewh@gls.de

 

Fotos: © Zukunftsstiftung Entwicklung, GLS Treuhand.