CAPE TOWN

Das Baby-Projekt in den Townships

Ein Arbeitsbericht.

Nach vielen Jahren Arbeit in Kapstadt für die ganz Kleinen sehe ich immer noch einen riesigen Berg von Aufgaben, obwohl einiges schon erreicht worden ist.

Die große Sorge ist immer noch diese: Das tägliche Leben dieser Kinder sieht so aus, dass es in mancher Weise ihre Entwicklung und ihre Gesundheit beeinträchtigt wird. Wie kann das geändert werden?

Die große Arbeitslosigkeit in Kapstadt belastet die Familien in den Townships. Der Bedarf an Educare Centers (EC) wächst ständig. In Educare Centers sind Gruppen mit Kindern im Alter von zwei bis drei Monate bis zwei Jahre alt, die von Müttern betreut werden. Diese Mütter haben keine besondere Erzieherausbildung gemacht.

Aufgrund der hohen Kriminalität in den Townships haben die Eltern große Sorge, dass ihren Kindern etwas zustoßen könnte. Obwohl sie keine Arbeit haben, bringen sie die Kinder in die EC, weil sie meinen, dass sie dort sicherer sind.

Viele Mütter sind sehr jung, manche sind erst 12 13 Jahre alt, und können sich nicht um die Kinder kümmern. Sie wissen, dass ihre Kinder in den EC gut aufgehoben sind und etwas zu essen bekommen.

Die Großmütter sind es, die normalerweise die Verantwortung übernehmen, aber oft sind sie es auch, die einer bezahlten Arbeit nachgehen und die gesamte Familie über Wasser halten. Auch das führt wieder dazu, dass die Kinder in die EC gebracht werden.

Es gibt viele Educare Centers in den Townships und die Frauen, die dort arbeiten, geben ihr Bestes, aber das reicht immer noch nicht. Viele haben keinerlei Ausbildung und die Anzahl der betreuten Kinder ist viel zu hoch.

Die Hauptaufgabe ist also, so viel Frauen wie möglich zu begleiten und zu unterstützen, damit sie immerhin ein wenig über ihre pädagogische Aufgabe reflektieren und sich ein Wissen aneignen können. Ziel ist es, die bestehenden Educare Centers zu verbessern, denn dort bringen die Kinder den größten Teil des Tages zu.

Unsere Arbeit dort im Rahmen des sogenannten „Baby Projekts“ ist nur ein kleiner Tropfen in einem riesigen Ozean - aber es trägt dazu bei, die Lebensumstände für einige Kinder zu verbessern. Wir vermitteln den Frauen viele Ideen über die Wichtigkeit der ersten Lebensjahre und über kindliche Entwicklung. Wir versuchen aber auch, ihnen Vertrauen zu geben, in das was sie schon durch ihre Traditionen überliefert bekommen haben.

Die Hauptaufgaben

- In Kursen und Workshops mit den Frauen zusammenzuarbeiten

- Mentoring in den „Educare Centers“

- Dafür sorgen, dass die EC zumindest eine Grundausstattung haben

Bei meinem letzten Aufenthalt in Kapstadt habe ich mit Nomathemba in einem Team gearbeitet, sie hat Handarbeit gemacht, hat übersetzt und bei Arbeits- und Gesprächsgruppen und praktischen Übungen geholfen.

Wir sind beide der Meinung dass der Kurs erfolgreich war. Als wir am Ende mit den Studenten einen Rückblick gemacht haben, mit der Frage, was sie gelernt haben und wie das in ihrer täglichen Arbeit eingesetzt werden könnte, bekamen wir z.B. folgende Antworten:

- „Ich habe verstanden, dass es wichtig ist, innerlich anwesend zu sein, wenn ich mich mit einem Kind beschäftige ich will darauf achten, wenn ich in meine Gruppe zurückkomme.“

- „Ich habe gelernt, wie wichtig die Berührung ist, wie ich ein Kind anschaue, wie ich meine Stimme benütze, - das sind Sachen, die ich in meine Gruppe zurückbringen möchte.“

- „Ich möchte das, was ich gelernt habe, auch in meiner Familie zu Hause einsetzen.“

- „Ich möchte Freude, Liebe und Heiterkeit entwickeln.“

- „Ich möchte mit den Eltern reden und ihnen Anregungen geben, wie sie sich um ihr Kind kümmern können.“

Seit dem wir jetzt Nomathemba Tindlini und Mary-G Hauptle haben, die sich das ganze Jahr um dieses Projekt kümmern, sehen wir, dass die Arbeit Fortschritte macht.

Bericht 2013

Eldbjørg Gjessing Paulsen (Arendal, Norwegen).

Eldbjørg Gjessing Paulsen ist seit Jahrzehnten Waldorfkindergärtnerin in Arendal/Norwegen und Dozentin am Seminar in Oslo. Sie begleitet seit vielen Jahren Aus- und Fortbildungen in Südafrika.

Erschienen in: Rundbrief des IAWESCE (International Association for Steiner/Waldorf Early Childhood Education) - Juli 2013

„Ich habe verstanden, dass es wichtig ist, innerlich anwesend zu sein, wenn ich mich mit einem Kind beschäftige ich will darauf achten, wenn ich in meine Gruppe zurückkomme.“

(Kursteilnehmerin)