Jugendhof im Aufbau

Junge Menschen fallen vermehrt in tiefe seelische Krisen. Die Gründe liegen neben persönlicher Veranlagung auch im ‹Zerbrechen› an den festgefahrenen Strukturen unserer Gesellschaft. Was tun, wenn neu ankommende Seelen das ‹Normale› als krank erleben? Es braucht Orte, an denen sich diese Krise in Potenzial wandeln kann. Ein solcher Ort  der Jugendhof  will gerade in der Schweiz entstehen.

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Der Jugendhof - Gemälde vonRahel Wepfer - Foto: Rahel Wepfer

«Georg war mein Patenkind, lebensfreudig, interessiert an Politik, Geschichte und Schauspiel. Mit 23 Jahren nahm er sich das Leben, nachdem er fünf Jahre mit seiner Psychose kämpfte. Er blieb nicht der Einzige, der solch ein Schicksal in mein Leben trug.» So Rahel Wepfer, die durch diese Erlebnisse obgleich von ihrem Beruf als Malerin erfüllt einen inneren Ruf spürte. Der Verein ‹Unime› entstand ein ‹Netzwerk für anthroposophisch erweiterte Jugendpsychiatrie› der bis heute zu Kolloquien einlädt. Vielfältige Menschen bündeln darin ihre Kräfte: Sei es eine Bauernfamilie, die Betroffene auf ihren Hof nimmt und damit ringt, neben der praktischen Arbeit therapeutische Momente zu erhalten. Oder ein Seelsorger der nach einem Suizidversuch am Bett des Betroffenen sitzt und ihm geistig beisteht. Künstler, Therapeuten und Ärzte tauschten sich über ihre teils jahrelangen Erfahrungen aus. Das Bild entstand, dass in der Schweiz ein weiterer Therapieort möglich und nötig scheint. Ein Initiativkreis entstand, aus dem heraus der ebenfalls beteiligte Getreidezüchter Peter Kunz eine gedankliche Grundlage formulierte: «Im Krankheitsbild des Einzelnen sehen wir Entsprechungen unserer gegenwärtigen sozialen Strukturen. In persönlichen Erkrankungen drücken sich dieselben lockernden und verfestigenden Kräfte aus, die auch in der Bildung, der Politik und in der Wirtschaft wirken. Der Einzelne wird so Träger, einer in der gesamten Gesellschaft verankerten Erkrankung. Zusätzlich zu therapeutischen Konzepten sind daher gesunde Rechts- und Wirtschaftsbedingungen für solche Initiativen anzustreben.»

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Der Jugendhof von oben. Foto: Jugendhof

Diesem Ideal folgend, gründete sich dieses Frühjahr die ‹Jugendhof-Stiftung›, die sich der Schaffung solcher Räume bis ins physische hinein widmen wird. Im Herbst 2013 soll ein biodynamischer Hof im Zürcher Oberland erworben werden, um Jugendliche im Alter von 18 bis 28 Jahren aufzunehmen. Ein Aufenthalt könnte nach klinischen Akutphasen oder präventiv stattfinden. Landwirtschaft, Kunst und Freundschaft bilden die therapeutischen Säulen. Wirtschaftlich soll es nachhaltig zu gehen: Gemeinnützige Trägerschaft, spekulationsfreier Boden, Umstellung auf Solidarische Landwirtschaft (CSA), Bedarfslohn, sowie Kostengutsprache für nicht zahlungsfähige Patienten. So soll ein sozial-wacher Boden entstehen, in dessen Kraftfeld Mitarbeiter wie Betreute gesunden. Denn gerade junge Menschen spüren, wie authentisch es hinter den ‹Kulissen› einer Initiative zugeht. Ein junges Team von der Rythmischen Masseurin bis zum Erlebnispädagogen, von der Landwirtin bis zum Schauspieler hat sich gebildet, um Same dieser Gemeinschaft zu werden.

Im Herbst entscheidet sich, ob der Hofkauf gelingen und 2014 mit der Begleitung von anfangs vier, später bis zu zehn Menschen begonnen werden kann. Von nötigen vier Millionen fehlen noch 600.000 Schweizer Franken Schenkgeld, um den Hof mit seinen 12 Kühen zu übernehmen. Denn wie immer in den Geburtswehen neuer Orte steht und fällt alles mit dem wohlwollenden Zuspruch aus dem Umkreis. Wer kann helfen?

Jonas v. d. Gathen

Weitere Informationen: E-Mail sekretariat@jugendhof.ch, Tel. 0041-552641785, www.jugendhof.ch