Biofläche den Biobauern

Aktiv gegen Spekulationen mit landwirtschaftlichem Boden

Philipp Steul und Gerhard Henkel trennen rund 300 km. Der erste arbeitet in einer demeter-Betriebsgemeinschaft in der Nähe von Dresden; der andere bewirtschaftet als Inhaber den Familienbetrieb nach den Richtlinien von Naturland bei Kassel. Beide hatten eine gemeinsame Sorge: Wie kann der Hof erhalten und weiterentwickelt werden, wenn dies nicht mehr erwirtschaftet werden kann?

Die Angst der Bauern

Quer durch Deutschland steigt die Angst der Bauern: Auch wenn 2011 nur 0,7% der landwirtschaftlichen Flächen verkauft wurden, steigt der Druck. Denn die Nachfrage nach Land übersteigt bei weitem das Angebot, weshalb die Kauf- und Pachtpreise signifikant steigen. Biogas-Anlagen-Betreiber suchen verstärkt nach Anbauflächen und überbieten die Bauern, da sie durch die Vergütung des Biogas-Strom nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) Preise bezahlen können, die im Anbau von Lebensmitteln nicht zu erwirtschaften sind.

Zusätzlich haben in den letzten Jahren Anleger aus Furcht vor einer Geldentwertung in Sachwerte wie in landwirtschaftliche Flächen investiert; auch dies führte zu Preisen, mit denen die Landwirtschaft nicht mehr konkurrieren kann.

Was können wir tun?

Gerade die Biobetriebe sind von dieser Entwicklung besonders bedroht. Dabei brauchen wir mehr statt weniger Fläche, denn die inländische Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln übersteigt das inländische Angebot. Hier gilt es anzusetzen, um die heimische Bio-Landwirtschaft zu stärken. Wir brauchen mehr Biofläche!

Landwirtschaftliche Nutzfläche war, ist und wird ein knappes Gut bleiben. Aufgrund der derzeitigen Entwicklungen entsteht oft ein Gefühl der Machtlosigkeit und des Ausgeliefertseins. Preise werden von einem nicht greifbaren Markt beeinflusst und wie soll man zum Beispiel gegen Staatsfonds vorgehen, die in nicht stabilen und wenig demokratischen Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv sind und dort im großen Stil Flächen aufkaufen? Doch es gibt Handlungsoptionen im Globalen wie im Lokalen.

Das breit aufgegriffene Thema der Spekulation mit Agrarrohstoffen wie Getreide hat gezeigt, dass durch öffentliche Aufmerksamkeit Wirkung erzielt werden kann. Nicht mit Verboten sondern mit Pflichten können Finanzinvestoren beeinflusst werden. Dazu gilt es, alle Finanzinstrumente zu regulieren und die Veröffentlichung der Investitionsobjekte zur Pflicht zu machen. Denn heute ist nicht sichtbar, wer wie in welchem Umfang welche Investitionen tätigt.

Die EU-Zahlungen an die Landwirtschaftsbetriebe müssen stärker an den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit gebunden werden, um so einen Beitrag zur Begrenzung des Flächenverlusts zu leisten. Auch baurechtliche Vorgaben und eine verbesserte Nutzung der Siedlungsfläche müssen die Umwandlung in Siedlungsgebiete begrenzen. Der Glaube an die teilweise Lösung der Energiefrage durch Biomasse hat zu einem Verlust von 13 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland geführt. Die GLS Bank finanziert daher keine Biomasse-Kraftstoffe, sondern ausschließlich Bio-Biogasanlagen nach detaillierten Kriterien.

In den letzten Jahren hatte der Staat in Ost-Deutschland einen Anteil von mehr als 30 % an den Landverkäufen. Doch der Staat selbst muss wieder zum Vorbild werden: Verantwortung durch den Eigentümer statt Land als Ware zum Decken von Haushaltslöchern.

Doch auch die Landwirte können aktiv werden: Die Stärkung der Betriebe durch unterschiedlichste Formen der Bürgerbeteiligung sind zu wenig genutzte Erfolgsbeispiele. Der Generationswechsel im Privateigentum von Land verlangt vom Landwirt einen persönlicheren Kontakt mit seinen Verpächtern, um die Flächen dauerhaft behalten zu können. Eine große Chance und gleichzeitig die größte Herausforderung liegt aber in der Zusammenarbeit der Landwirte statt wie bisher im Wettbewerb um Flächen. Und auch wenn es um die außerfamiliäre Hofnachfolge geht, sollte es an erster Stelle um die wirtschaftlich gesunde Fortführung und nicht um den maximalen Preis gehen.

Die BioBodenGesellschaft der GLS Bank

Im Jahr 2009 hat die GLS Bank zusammen mit mehreren Stiftungen die BioBodenGesellschaft gegründet. Die erste Aufgabe bestand in der Sicherung von 13 Öko-Betrieben in Brandenburg, wo Flächen im Zuge der Privatisierung des ehemaligen DDR-Vermögens an den Meistbietenden verkauft werden sollten. Um diese dauerhaft für die ökologische Landwirtschaft zu sichern und den Landwirten die größtmögliche Planungssicherheit zu bieten, erwarb die Gesellschaft 2.500 Hektar Acker-, Grünland und Biotope und verpachtete sie an die Landwirte. Inzwischen konnten für insgesamt 24 Betriebe auch in Baden-Württemberg, Sachsen, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen weitere 500 Hektar gesichert werden.

Das Besondere an der BioBodenGesellschaft ist, dass sie nur dann tätig wird, wenn ein Landwirt selbst nicht kaufen kann und das notwendige Kapital aus seinem Umfeld nicht zur Verfügung gestellt bekommt. Zudem muss es einen Landwirt geben, der ökologisch bewirtschaften will.

Zur Finanzierung der Landkäufe haben Kunden der GLS Bank in den Bio-Bodenfonds investiert und damit rund 14 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Damit das Land nicht mehr verkauft werden muss, ist dieses Kapital weder mit einer Laufzeit noch mit einer Kündigungsfrist ausgestattet.

Im Jahr 2012 konnte auch erstmals ein Wald mit 150 Hektar erworben werden, der nun in Zusammenarbeit mit einer Naturschutzstiftung in eine naturnahe Waldbewirtschaftung überführt wird.

Erfolgsgeschichten

Philipp Steul blickt auf fast 20 Jahre einer blühenden Entwicklung zurück. Gemeinsam mit seiner und zwei weiteren Familien bewirtschaftet er den Hof Mahlitzsch im sächsischen Heynitz nach biologisch-dynamischen Grundsätzen. Die Basis des Ackerbaus ist der sehr fruchtbare Lößlehmboden, den Menschen nachweislich bereits vor 5000 Jahren kultivierten. Zu 8,5 Hektar Freiland gehören inzwischen fast 1000 Quadratmeter Folienhausfläche, achtzig Kühe, eine kleine Backstube und eine Molkerei.

Trotz dieser stabilen Entwicklung kam der Betrieb an seine Grenzen, weil gepachtete Flächen verkauft werden sollten. Die Erweiterung des Hofes konnte selbst nicht finanziert werden. Deshalb hat die BioBodenGesellschaft für den Hof 30,6 Hektar Acker- und Grünland sowie eine ehemalige Hofstelle erworben und dauerhaft an die Betriebsgemeinschaft verpachtet.

Auch der Naturlandhof Henkel im nordhessischen Fuldatal blickt auf 20 Jahre erfolgreiche ökologische Bewirtschaftung zurück. Auf 110 Hektar werden Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Futtermittel angebaut. Daneben unterhält der Betrieb 660 Schweinemastplätze, besitzt 45 Mutterkühe und verkauft über den eigenen Hofladen und an den regionalen Biofleischhandel.

Mit einem Kredit der GLS Bank konnten ca. 8 Hektar vom Betrieb selbst erworben werden. Weitere 34 bisher konventionell bewirtschaftete Hektar wurden durch die BioBodenGesellschaft gekauft und für die nächsten 30 Jahre fest an den Hof verpachtet. Dieser zusätzliche Landerwerb hat eine attraktive Perspektive und die Tür für eine innerfamiliäre Hofnachfolge geöffnet.

Sie suchen? Wir helfen.

Besitzen Sie Wald oder landwirtschaftliche Flächen, die Sie nicht selbst bewirtschaften wollen? Haben Sie keine Möglichkeit für eine innerfamiliäre Hofnachfolge? Ist Ihnen ökologische Bewirtschaftung wichtig?

Wir möchten unser Engagement weiterführen und kennen Neu-Landwirte, die einen Hof suchen, aber keinen finden bzw. ihn nicht finanzieren können. Andere Menschen wollen sich nicht mehr selbst um ihr Land oder ihren Wald kümmern, möchten aber auch nicht verkaufen.

Die BioBodenGesellschaft kann Ihnen eine Lösung zur dauerhaften ökologischen Sicherung Ihres Landes oder Waldes bieten. Gleichzeitig sorgen wir gemeinsam für einen ökologisch und sozial zukunftsfähigen Erhalt der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland.

Uwe Greff, Leiter GLS Research

Weitere Informationen: Biobodengesellschaft, E-Mail: bioboden@gls.de.

Erschienen in: Bankspiegel Nr. 3-2012