1./2.11.

+A9_2 logo.psdÖffentlich wirken

Fortbildung für Kommunikationsbeauftragte

Öffentlichkeitsarbeit ist eine Aufgabe für Profis. Keine Frage. Aber nicht nur. Denn in Einrichtungen und Organisationen werden nicht selten Menschen gebeten, Öffentlichkeitsarbeit zu „machen“, ohne eine entsprechende Schulung oder Ausbildung zu haben. Ihnen praktische Hilfestellungen zu geben ist das Anliegen der Fachtagung für Kommunikation „öffentlich wirken“am 1./2. November 2013 in Bochum. Neben Klassikern, wie das Schreiben einer Medienmitteilung oder die Organisation von Veranstaltungen, geht es auch um interne und Krisen-Kommunikation, Social Media und Bewegtbild. Die Dozentinnen und Dozenten des Podiums, der sechs Vorträge und 30 Arbeitsgruppen sind Praktikerinnen und Praktiker aus den Bereichen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit, darunter der Spezialist für Konfliktkommunikation Friedrich Glasl, der vormalige Geschäftsführer der Grünen Lukas Beck, die Professorin für Brandmanagement und Werbepsychologie Verena König oder die Präsidentin des Landtags von Nordrhein-Westfalen Carina Gödeke, die auch Schirmherrin ist. Stärker als bei der ersten Tagung „öffentlich wirken 2011“ werden anthroposophische Grundlagen in der Kommunikation behandelt.

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Austausch im Foyer. Öffentlich wirken im Jahr 2012.
Foto: Harald Thon

Harald Thon, Koordinator der Fachtagung, freut sich, dass bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe bereits soviel Teilnehmende angemeldet sind, wie bei der ersten Tagung. Augenzwinkernd ergänzt er, dass die Tagung damit noch nicht ausgebucht sei: „Je schneller man sich anmeldet, desto größer ist die Chance, noch einen Platz in einer der begehrten Arbeitsgruppen zu bekommen, etwa zur Frage ‚Wie wirke ich auf andere? Der Hund gibt mir die Antwort’ von Renée Herrnkind.“

Eine der gefragtesten Arbeitsgruppen ist die von Eckhard Andermann, Marketing- und Kommunikationsberater. Was hat es mit seinem Kommunikationskonzept in sieben Schritten auf sich? Das Interview führte Sebastian Jüngel, Mitglied des Vorbereitungskreises von „öffentlich wirken“:

In der Kommunikation geschieht vieles intuitiv, warum teilen Sie sie in Phasen?

Eckhard Andermann: Gewiss braucht es in der Kommunikation Intuition und nicht zu vergessen: Kreativität. In der professionellen Kommunikation sollte man aber wenig dem Zufall überlassen schon aus Gründen der Effizienz.

Sie haben also Gesetzmäßigkeiten in der Kommunikation erkannt?

Andermann: Ich habe mich von Benediktus Hardorps Aufsatz „Elemente einer sozialen Baukunst“ inspirieren lassen. Jede aktuelle Situation einer Einrichtung ob zufriedenstellend oder nicht fordert eine Zielsetzung. Nicht nur selbstverwaltete Einrichtungen, auch Agenturen neigen dazu, gleich loslegen zu wollen und die Kreativität ins Zentrum zu stellen. Das ist verständlich, aber es sollte dabei strukturiert zugehen. Daher beginnt jede professionelle Kommunikation mit ‚sozialem Hören’ Sie können es auch Marktforschung nennen , also mit der Spiegelung von außen. Außerdem braucht es bestimmte Verantwortliche, das heißt eine Formgebung. Sodann gilt es, vorläufige Ziele zu hinterfragen. Schnell heißt es: Wir brauchen einen Flyer. Aber wozu? Ist der Flyer wirklich geeignet?Gibt es nicht etwas anderes, besseres? Inhalt und Zielgruppe  sucht man für eine Schule Eltern oder Lehrer oder will man einen Bazar veranstalten? entscheiden über Medium, Form und Darstellung.

Sie betonen stark das Planerische in der Kommunikation. Unterscheidet sich nicht die Kommunikation auch jeweils hinsichtlich Konstitution und Temperament der Beteiligten?

Andermann: Natürlich spielt auch das mit hinein. Das Planerische ist insofern wichtig, weil man ein Bewusstsein davon haben muss, welche Kräfte auf welcher Ebene der Kommunikation wirken. Das ist wie in der Dreigliederung des sozialen Organismus.

Wie meinen Sie das?

Andermann: Kommunikation spielt sich im sozialen Bereich ab, daher gelten auch hier die Gesetzmäßigkeiten, die wir aus Rudolf Steiners Dreigliederung des sozialen Organismus kennen: dem Wirtschaftsleben, dem Rechtsleben und dem Geistesleben. Fragen der Formgebung und der Budgetierung der Kommunikation gehören beispielsweise zur Ebene des Wirtschaftslebens. Die sieben Schritte der Kommunikation folgen den jeweiligen Prinzipien dieser Bereiche: Brüderlichkeit, Gleichheit, Freiheit.

Das klingt, als ob Kommunikation wie ein Mechanismus funktioniert.

Andermann: Egal wie Sie kommunizieren, eine Wirkung werden Sie immer haben.

Können Sie einen Erfolg garantieren?

Andermann: Nein, aber die Erfolgsquote ist größer, wenn man die professionelle Kommunikation systematisch angeht. Denn wenn man etwas falsch gemacht hat, ist eben das Falsche in der Welt, auch wenn man das nicht gewollt hat. Aufgrund der nachhaltigen Wirkung von Kommunikation ist es wichtig, eine Strategie zu entwickeln.

Sebastian Jüngel

Fr. 1. u. Sa. 2. November, „öffentlich wirken 2013“, , Rudolf-Steiner-Schule Bochum-Langendreer. Weitere Informationen und Anmeldung: Harald Thon, Tel-Nr. 0231-69 79 19, anfragen@öffentlich-wirken.de, www.öffentlich-wirken.de.

Hintergründe zum Workshop C9: „Profil entwickeln und zeigen“

Von innen nach außen, vom eigenen Leitbild zum erfolgreichen Kommunikationskonzept in sieben Schritten.

Tue Gutes und rede darüber. Eine stark diversifizierte Gesellschaft benötigt Information und Kommunikation. Die Leistung der eigenen Organisation muss denen, die sie in Anspruch nehmen möchten, bekannt sein. Wie kann das gehen? Wie kann ich die Menschen, die am eigenen Leistungsangebot interessiert sind, finden? Wie kann ich Sie erreichen? Was muss umgekehrt geschehen, damit Suchende mich/uns finden?

In diesem Workshop sollen hierzu Regeln, Techniken und Hinweise erarbeitet werden. Diese führen von der Definition der Inhalte der Kommunikation über die kreative und formale Umsetzung zu den möglichen Mitteln, Wegen und Kosten zum Erreichen der interessierten Zielgruppen.

Eckhard Andermann, Marketing- und Kommunikationsberater, Waldorfgeschäftsführer, Person:

geb. 1943, nach Abitur und Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. Mehrere Jahre im Marketing für Konsumartikel tätig. Danach geschäftsführender Gesellschafter einer Marketing- und Werbeagentur, zur Zeit als freier Unternehmensberater tätig. Nebenberuflich Gründungsvater und viele Jahre Vorstandsmitglied an der Freien Waldorfschule Frankenthal, aktuell Interimsgeschäftsführer an der Odilienschule, Mannheim.

Interessiert und aktiv in Fragen der sozialen Dreigliederung.