Debatte um die Masern-Impfung

Zurzeit kommt es in verschiedenen Bundesländern verstärkt zu Masern-Ausbrüchen, zum Beispiel in Bayern und Berlin. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hat aufgrund dieser Entwicklung angedeutet, eine Impflicht für Masern einführen zu wollen. Abgesehen davon, dass dieser Schritt noch völlig unkonkret ist, beginnt in einigen Medien die Suche nach den Verursachern der Epidemien. In diesem Zusammenhang werden immer wieder Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte beschuldigt, nicht zu impfen und/oder Eltern vom Impfen abzuraten. Diese Anschuldigungen sind falsch.

Um es noch einmal klarzustellen: Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte sind nicht gegen Impfungen. Sie sind aber für die Respektierung der individuellen elterlichen Impfentscheidung. Dies ist nach geltendem Recht auch die einzig rechtskonforme ärztliche Haltung. Dazu gehört natürlich auch, sich differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen und Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Auch Fragen nach den langfristigen (immunologischen) Auswirkungen einer Impfung sollten in Ruhe gestellt werden können und zwar im jeweiligen Einzelfall. Denn eine Impfung im Kindesalter stellt immer einen Eingriff in das sich entwickelnde Immunsystem dar. Leider fehlen Untersuchungen über langfristige Impfauswirkungen und die Nachhaltigkeit von Impfprogrammen weiterhin fast vollständig. Als schwierig gilt die Studienlage auch, weil die Mehrzahl der wissenschaftlichen Studien über die Impfstoffsicherheit von Impfstoffherstellern (mit-)finanziert ist, so dass es kaum unabhängiges Studienmaterial gibt.

Ganz konkret informiert der Anthroposophische Arzt / die Anthroposophische Ärztin die Eltern selbstverständlich über die geltenden Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). In dieser umfassenden Aufklärung werden alle Aspekte und möglichen Risiken, die bei einer Impfung eine Rolle spielen, individuell erörtert und abgewogen. Dabei ist der Arzt / die Ärztin zu einer positiven Impfaufklärung ebenso verpflichtet wie zur Darstellung von Impfnebenwirkungen. Alle Aussagen und Inhalte dieses Gesprächs müssen wissenschaftlich begründet werden können. Bei der Beratung erläutern die Anthroposophischen Ärztinnen und Ärzte natürlich auch das jeweilige Krankheitsbild einschließlich der möglichen Komplikationen. Auch die Sorgen und Ängste der Eltern werden ernst genommen und mögliche Konsequenzen besprochen. Besonders wichtig ist das Alter des Impflings: Kinderkrankheiten sind vor allem dann problematisch, wenn sie zum falschen Zeitpunkt, also entweder zu früh oder zu spät auftreten.

Vor diesem Hintergrund steht die Anthroposophische Medizin standardisierten Impfvorgaben kritisch gegenüber und empfiehlt stattdessen, eine Impfentscheidung immer vom individuellen Risiko (Alter, Gesundheitszustand, mögliche Unverträglichkeit etc.) abhängig zu machen also eine so genannte „risikoadjustierte“ Entscheidung zu fällen.

Natascha Hövener