Aus der Arbeit der GLS Treuhand

Kenia: Startkapital für Existenzgründungen

Die „Guten-Morgen-Seife“

Vom Häftling zum Unternehmer zum Aufbau eines Bildungsfonds Kinyanjui Hudson Ngige aus Nairobi produziert Reinigungsmittel für Slumhaushalte.

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Mit einem kleinem Unternehmen für Reinigungsmittel fing alles an.

Stolz steht Kinyanjui Hudson Ngige vor seinen Seifen- und Waschmitteln der Serie „Guten Morgen“. Lächelnd erklärt er, dass er während seiner Gefängniszeit Deutsch lernte und Hygiene gut zu den Deutschen passe. Deshalb wählte er den Namen „Guten Morgen“ für einige seiner Reinigungsmittel.

Herr Kinyanjui Hudson Ngige hatte illegal Bananenbier gebraut und verkauft und deshalb eine Geldstrafe erhalten. Weil er sie nicht bezahlen konnte, wurde sie in eine Haftstrafe von zwei Jahren umgewandelt. Kenias Gefängnisse sind voll von solchen Menschen, denn Armut und Strafverfolgung greifen vielfach ineinander.

Menschen, die im Gefängnis waren, sind stigmatisiert und werden von ihren Familien und Freunden oftmals zurückgewiesen. Allein auf sich gestellt, versuchen viele von ihnen nach ihrer Entlassung oft im informellen Bereich des Kleinhandels Fuß zu fassen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ohne familiären oder freundschaftlichen Rückhalt klappt das kaum. Also gilt es, das Stigma zu überwinden. An diesem Punkt setzt unser Partner, die Organisation Resources Oriented Development Initiative, RODI, an. In 23 Gefängnissen bietet sie Frauen und Männern Fortbildungskurse zur Herstellung von Reinigungsmitteln, Marmeladen, Fruchtsäften oder Sandalen, aber auch zu Computer-Basiswissen und Buchhaltung an. Menschen mit längeren Haftstrafen können Motorradmechaniker werden oder organischen Landbau erlernen. Verbunden werden die Ausbildungen mit Kursen zu Prävention und Umgang mit HIV-Aids sowie zur Staatsbürgerkunde.

Die Idee ist, dass Kursabsolventen nach ihrer Haftentlassung als „resource person“, als Träger und Vermittler von praktischem Wissen, Anerkennung bei Freunden und Nachbarn finden und dies dabei hilft, Stigmata zu überwinden. Dabei helfen auch die Zertifikate, die nach der erfolgreichen Teilnahme an den Kursen ausgehändigt werden. Viele Jahre Erfahrung, die RODI hat, zeigen, dass dieses Vorgehen Früchte trägt.

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Der Startkredit ermöglichte den Laden...

Herr Kinyanjui Hudson Ngige absolvierte gleich alle Kurse, die RODI im Kamiti Medium Prison anbot und schloss sich außerdem dem Gefängnispfarrer an. Er erzählt, er habe sein gesamtes Wissen für seinen heutigen Lebensunterhalt und auch seine eigene Werthaltung während der zwei Jahre erworben, die er im Gefängnis zubrachte.

Nach seiner Gefängniszeit hat er in die Tat umgesetzt, was er erlernt hatte. Er machte ein eigenes kleines Unternehmen für Reinigungsmittel auf: Spülmittel, Seifen, Waschmittel, Shampoos und Haushaltsreiniger in flüssiger und in Pulverform.

Herr Kinyanjui: „Ich fing klein an und konzentrierte mich auf die Menschen in meiner Gegend, auf arme Käufer. Ich habe studiert, was diese Leute haben möchten und was auch zu ihrer Kaufkraft passt. Ich möchte, dass diese Menschen auch das bekommen, was die reichen Menschen sich kaufen. Aber halt angepasst an das, was sie sich leisten können. Mein Traum ist, dass jeder Haushalt im Slum Seife hat, um Infektionen vorzubeugen, zu denen es immer wieder aufgrund mangelnder Hygiene kommt.“

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Stolz präsentiert Herr Ngige seine Produkte.

Herr Kinyanjui hat kaufmännisches Geschick und weiß, wie er seine Seifen produziert und auch ansprechend präsentiert. Erfolgreich verkaufte er seine ersten Produkte. Dann fehlte es ihm an Kapital für Betriebsmittel. Er brauchte ein Motorrad, einen Vorschuss für die Miete von zwei Räumen für die umfangreichere Seifenproduktion sowie für Verpackungsmaterial und Etiketten.

Bei unserem Projektpartner RODI war schnell die Idee eines Startkredits geboren, um Herrn Kinyanjui zu helfen. Und dieser Startkredit für den Unternehmensausbau wurde mit einer weiteren Idee verknüpft: Zinsen und Tilgung des Kredits sollen in einen Bildungsfonds der Organisation RODI fließen, aus dem mit der Zeit noch mehr Bildungskurse für Gefangene bezahlt werden können. Gleichzeitig begleiten die Mitarbeiter von RODI die Unternehmensgründer und verwalten den Bildungsfonds. Für Herrn Kinyanjuis Unternehmensausbau der „Guten-Morgen-Seifen“ waren 2.500 Euro notwendig. Weitere zehn ehemalige Strafgefangene würden sich gerne mit anderen Unternehmensideen wie Marmeladen-, Ketchup-, Sandalenproduktion oder als Motorradmechaniker niederlassen.

Ihre Unternehmensgründungen erfordern zwischen 250 und 2.000 Euro an Startkapital.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck:

Kenia: Startkapital, Zukunftsstiftung Entwicklung

Konto Nr.: 123 300 10, BLZ: 430 609 67 GLS Bank

Nachfragen unter: ewh@gls.de

 

Fotos: Dr. Annette Massmann