Buchtipp

Wer sich bewegt, kommt zu sich selbst

Eurythmie für jeden Tag

Mitten im Alltag bei sich selbst ankommen? Das klingt doch verführerisch. Übungen gleich ausführen können, ohne weitreichende Vorkenntnisse dafür erworben zu haben, das ist doch vielversprechend. Sivan Karnieli, die Autorin des handlichen Büchleins, hat eine Anzahl von Eurythmie-Übungen zusammengetragen und anschaulich erklärt. Skizzen von Nina-Sophie Jutard-Graewe unterstützen die Darstellung.

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Sivan Karnieli: Wer sich bewegt, kommt zu sich selbst. Eurythmie für jeden Tag. Futurum Verlag, Basel 2013. 112 S. 14,80 EUR.

Die Übungen sollen beruhigen, stärken, zentrieren - je nachdem, was gerade ansteht und am meisten gefordert ist. Gleichzeitig wirken sie regelmäßig angewendet, so verspricht die Autorin, auch prophylaktisch gegen Stress und Burn-out.

Die Namen der Übungen, wie z.B. die erste im Buch, die „Momo-Übung“ lässt eine Reihe von Assoziationen aufkommen: Zeit, Mangel an Zeit, Zeit-Diebe. Wo nehme ich mir im häufig dichtgedrängten Termin-Alltag Zeit, zu mir zu kommen? „Setz dich bequem hin, schließ die Augen und versuch, zur Ruhe zu kommen... Erspüre dein Herz...“, so lauten die einladenden Worte gleich im Vorwort des Buches. Der erste Schritt ist getan, eine Bewegung hin zur Eurythmie. Ein Anfang auch für Eurythmie Ungeübte. So unkompliziert, wie die Autorin in das Buch einführt, so setzt sie auch die Anleitung der weiteren Übungen, wie z.B. der „Apfelbaum-Übung“ oder der „Ja-Nein“-Übung, fort. Dabei versorgt sie den Leser und die Leserin ganz nebenbei auch noch mit Informationen zu Gebärden, Seelengesten, Stellungen, Bewusstseinsprozessen und Lautformen sowie zu den Wirkungen, die diese ausgeführt beim Übenden haben. Mir hat besonders gut der Wellenlaut „L“ gefallen, der mich nach langen Schreibtischphasen, wunderbar ins Fließen bringt, belebt und gleichzeitig entspannt. Aber auch die Schrittübungen, die im hinteren Teil des Büchleins erläutert werden, lassen mich weitergehen, meine Gedanken neu ausrichten, einfach „da sein“ mitten im Leben, bereit für die nächste Aufgabe, die erfüllt, erledigt, bearbeitet werden möchte.

Zum Abschluss des Buches gibt Karnieli, die von Kindheitstagen an der Eurythmie Gefallen gefunden hat, noch eine Empfehlung, welche Übungen passen, am Morgen oder am Abend, zur Ermutigung oder zur Entspannung ausgeführt zu werden. Alleine sechs bzw. siebene Übungen sind angeraten bei einseitiger Arbeit vor dem Bildschirm oder bei Erschöpfung.

Anwendungsüberlegungen dieses neuen Konzepts zum Einsatz in Schule, Arbeitsleben, Heil- und Bühnenkunst runden die Erläuterungen ab.

red./Michaela Frölich