Wie wird der Geist wirksam?

Mittendrin - Bericht zur Öffentlichen Tagung und Mitgliederversammlung 2013 der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland

„Es ist der Geist, der sich den Körper baut“

(Matthias Girke in seinem Vortrag am Sonntag)

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...über 500 Kongressteilnehmer kamen unter anderem aus Österreich, Belgien und der Schweiz.

Der in vielerlei Hinsicht sehr gelungene Kongress in Berlin hat sicherlich für die Teilnehmer und alle Beteiligten viele Anregungen und interessante Sichtweisen, neue Fragen und intensive Erlebnisse gebracht. Lesen Sie hier einen ersten Stimmungsbericht.

Eine Stärkung aus der Mitte

Es durfte als etwas Besonderes empfunden werden, dass die diesjährige Jahresversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie an prominenter Stelle stattfinden konnte. Bilden Philharmonie und Kammermusiksaal künstlerisch doch gleichsam das Herz von Berlin. War sich auch nicht jeder der über 500 Kongressteilnehmer, die unter anderem aus Österreich, Belgien und der Schweiz zum Kongressthema »Wie wird der Geist wirksam« angereist waren, der architektonischen Bedeutung des einzigartigen Ensembles von Philharmonie und Kammermusiksaal bewusst, so konnte man dessen ausstrahlende Wirkungen dennoch immer wieder erleben. Hatte man erst einmal den Weg durch die bewegten und differenzierenden Raumqualitäten des Foyers in den Saal gefunden, so durfte man in den Pausen bei der mit großer Herzlichkeit bereitgestellten Tagungsverpflegung nicht selten verwundert die Qualität der möglichen persönlichen Gespräche konstatieren.

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Künstlerische Darbietungen und...

Über Differenzen hinweg öffneten sich plötzlich Räume. Nicht nur die in vielfältiger Weise anwesende Eurythmie, das Bauwerk selbst schien die Menschen in der Begegnung wie ein Stück im Positiven über sich selbst hinauszuheben. Es entstand Raum für etwas, das in der Bedeutung vielleicht noch nicht sofort benannt werden kann. Lag im offenen Mitgliedergespräch zu Beginn das Interesse zwar noch auf der Frage der Dignität jüngst erschienener Publikationen, so tauchten die Menschen doch zunehmend mehr in die Qualitäten fruchtbarer Gespräche ein. Ganz ohne Zweifel war hier Erhebliches von der Frieden stiftenden Geste der Eurythmie zu erleben. Ihr begegnete man nicht nur im Saal, sondern auch mehrfach und in ganz unterschiedlicher Weise im Foyer. Dass und wie die in Berlin in der Eurythmie Tätigen zusammenarbeiteten, war spannend und beglückend zugleich zu sehen. Es war möglich, unterschiedliche Ansätze und Qualitäten in ihrer jeweiligen Eigenart zu würdigen. Höhepunkte waren gewiss das Kontrabasssolo von Edicson Ruiz, Eurythmie zur Musik des Stiania Trompetentrios oder das Konzert des 12 Celli Ensembles.

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Frieden stiftende Eurythmie.

Gab der Kongress trotz der anregender Podiumsdiskussionen mit etlichen renommierten sehr unterschiedlich positionierten Referenten auch keine abschließende Antwort, wie der Geist in den drei Bereichen Meditation, Zivilgesellschaft und Medizin wirksam wird, so nahm man, was gewiss wichtiger ist, eine Ahnung davon mit, was man selbst dafür tun kann, damit man als Mensch überhaupt in die Sphäre gelangt, wo der Geist zu wirken beginnen kann: Durch das Interesse am Erkenntnisstreben des Mitmenschen. Diese kostbare Qualität lebte gesteigert im atmenden Wechselspiel zwischen den Kongressteilnehmern und dem Aktionstag »Mittendrin Anthroposophische Initiativen stellen sich vor« am Samstag auf dem Kulturforum vor der Philharmonie. Die nur sieben Stunden des Aktionstages mit achtzig Marktständen (organisiert vom Berliner Arbeitszentrum) strahlte eine Festlichkeit besonderer Art aus. An sie wird anzuknüpfen sein. So hat der Kongress, zu dem der Vorstand aus Dornach angereist war und auf dem zu einzelnen künstlerischen Darbietungen weit mehr Zuschauer als die Tagungsteilnehmer anwesend waren, vielleicht an zentralem Ort in Anknüpfung an Rudolf Steiners einstigem Wirken in Berlin, Kraftimpulse gesetzt. Möge an ihnen weitergearbeitet werden.

Matthias Mochner

Erschienen in: „Leben Anthroposophie“ Juli/August 2013, Rundbrief der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland

Fotos: Nikolai Rissmann

KERNSATZ

Über Differenzen hinweg öffneten sich plötzlich Räume.