Licht im Dunkeln

Helden im Warschauer Ghetto

„Hitler ist euer Führer mein Führer ist da oben!“ sagt Janusz Korczak in dem Stück „Licht im Dunkeln“ von F.G. Burr, 1997 - und für ihn brauche er keinen Judenstern zu tragen. Die 34 Kinder der 8. Klasse der Freien Waldorfschule Erftstadt brachten in ihrem ersten großen gemeinsamen Theaterstück das Schicksal des Kinderrechtlers, Arzt und Pädagogen Janusz Korczak und seiner 200 Waisenkinder auf die Bühne.

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Waisenkinder im Warschauer Ghetto.

Ein Jahr nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen wurden Janusz Korczak und die Kinder seines Waisenhauses, 1940 in das Waschauer Ghetto umgesiedelt. Die Lebensbedingungen im Lager waren miserabel, denn die antijüdischen Verordnungen der Nationalsozialisten wurden von Tag zu Tag schärfer. Lebensmittel waren rationiert, warme Kleidung musste abgegeben werden, Menschen wurden gedemütigt und geschlagen.

Das Eintauchen in das ernste Thema war den Schülern ebenso anzumerken wie eine große Spielfreude. Beeindruckend und berührend zugleich stellten sie die entscheidenden Charaktere dar. Da waren zum Beispiel der gewitzte 16-jährige Widerstandskämpfer Martin Gray, der den Kindern durch Schmuggel und Beziehungen beim Überleben im Ghetto half, die selbstherrliche Obersturmführerin, die Korczak eines Vergehens überführen wollte, sowie die kleine Elena, sehr überzeugend mit einer Puppe dargestellt, die als einziges Kind das Drama des Waisenhauses überlebte. Ihnen allen gaben die Jugendlichen an dem Theaterabend Gesicht und Charakter.

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Vor dem Abtransport ins Vernichtungslager.

Trotz mehrerer persönlicher Rettungsangebote folgt Korczak im August 1942 all seinen Kindern ins Vernichtungslager Treblinka. Als Korczak am Ende des Theaterspiels am Kopf des Kinderzuges zum Abtransport mit ihnen anfängt zu singen, wie sie es immer bei Ausflügen getan haben, herrschte bedrücktes Schweigen unter den Zuschauern, bevor begeisterter und langer Applaus ausbrach.

Das wochenlange Mitwirken an einer Inszenierung bedeutet für 14-Jährige mehr als die Auseinandersetzung mit dem Stoff des Stückes. Jeder muss seine Rolle finden und annehmen, muss sie einstudieren und völlig mit ihr verschmelzen. Aber nicht nur die wichtige Aufgabe des Schauspielens ist dabei gefragt, alle Abläufe - Aufgänge, Umbauten, Beleuchtung, musikalische Untermalung, müssen solange geübt werden, bis sie sich perfekt ineinander fügen. Hier wird die Bedeutung des Teams erlebbar und so leistet das Theaterspielen, was im Unterricht schwer zu vermitteln ist. Was bis kurz vor der Aufführung wieder und wieder nicht richtig gelingen wollte, lief dann vor Publikum wie von alleine - und das ganz ohne Erwachsene hinter der Bühne. Klassenlehrerin Eva Dullin und ihr Sohn, der Regisseur Johannes Dullin, der in Berlin eher für unmittelbares Ausdrucks-Theater und Performances bekannt ist, saßen entspannt im Publikum.

Barbara Lehmann-Detscher

Fotos: Freie Waldorfschule Erfstadt