Endstation

Gelungenes Klassenspiel

Mobbing, Ausgrenzung und schließlich ein Amoklauf. Die 8. Klasse der Freien Waldorfschule Sankt Augustin brachte diese Themen am 26. und 27. April 2013 überzeugend auf die Bühne.

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Mark vergreift sich an Evi, zum Vergnügen von Britta, Nicole und Karin.

Mit einer sensiblen Ansprache eröffnete Klassenlehrerin Dittmann den Theaterabend im Emil-Molt-Saal der Freien Waldorfschule Sankt Augustin. Auf dem Programm stand das Schülerdrama „Endstation“ von Sabrina Gabler, ein Stück, das vom Alltagsgeschehen Jugendlicher an einem Gymnasium berichtet: Stefan und Kai gehören nicht zu den Coolen in der Klasse. Als Außenseiter werden sie gemobbt und verachtet. Ihr Aufbegehren wird mit Demütigungen und Schlägen beantwortet. Die Lehrer schauen nicht richtig hin. Die Eltern haben keine Zeit und andere Sorgen. Evi ist die einzige, die mit Stefan und Kai befreundet ist. Sie macht sich Sorgen um die zunehmende Isolation und Frustration der Freunde, die bald in Hass und Zerstörungswut umschlägt. Sie sehen keinen Ausweg mehr. Endstation. Das Stück endet mit einem Amoklauf der Freunde Stefan und Kai.

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Im Stück gab es auch zwei von einer Schülerin choreografierte Tänze zu sehen.

 

Mit jeder Szene war die steigende Isolation der Freunde spürbar. Das melancholische Klavierspiel in den Umbauphasen vertiefte dieses Empfinden. Es gab viel Szenenapplaus, die schauspielerische Leistung der im Schnitt 14-jährigen Schauspieler war beachtlich. Sie verkörperten ihre Rollen perfekt.

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Im Partykeller der Eltern planen Kai und Stefan den Amoklauf.

 

Dass das Kollegium der Freien Waldorfschule Sankt Augustin der Wahl des Stückes zugestimmt hat und dadurch ihre Offenheit aktuellen Themen gegenüber zeigt, macht die Regisseurin Annasofie Schneider zufrieden. Die junge Waldorflehrerin, Theaterpädagogin und Schauspielerin ist seit Sommer 2012 neu im Kollegium und Klassenlehrerin der 1. Klasse.

Die Aufführungen waren ein großer Erfolg. Dass viele der Zuschauer betroffen waren, zeigten ihre Gesichter und die Gespräche, die anschliessend im Foyer geführt wurden.

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Stefan bei der Schulpsychologin Dr. Stubbe.

 

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Ausgrenzung hat die Jugendlichen ein ganzes Stück reifen lassen. Die Klasse möchte mit ihrer Inszenierung anregen, hinzuschauen, hinzuhören und nicht einfach wegzugehen.

 

 

 

S. Lannert

Fotos: S. Lannert