bis 6. Oktober

Juden. Geld. Eine Vorstellung

Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt

Die Figur des Shylock aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ und die des Nathan aus Lessings „Nathan der Weise“ scheinen einander diametral entgegengesetzt: Shylock repräsentiert den bösen, Nathan den guten Juden. Aber beiden ist auch etwas gemeinsam: Sie sind reich.

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Rudolf Schildkraut (1862-1930) als „Shylock“, um 1910
© Archiv Drummer und Arns Historike

Die Ausstellung „Juden. Geld. Eine Vorstellung“ im Jüdischen Museum in Frankfurt, noch bis zum 6. Oktober zu sehen, widmet sich der oft als selbstverständlich angenommenen Verbindung von Reichtum und Judentum und untersucht ihre historischen Hintergründe und fiktionalen Auswüchse.

Juden. Geld.

Zwischen beiden Begriffen wird im Titel dieser Austellung bewusst eine Verbindung vermieden, obwohl sie von vielen als selbstverständlich gesetzt wird. Gibt es ein solches „und“ und wie wäre es zu verstehen?

Die Ausstellung zeichnet die ökonomische Geschichte der Juden in Deutschland und Österreich nach, sofern sie sich auf die Finanzwirtschaft bezieht. Dabei werden mittelalterliche Geldverleiher, Hofjuden, Bankiers des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Theoretiker des Kapitalismus vorgestellt. Gleichzeitig werden die Vorurteile und Einstellungen zum Geld sichtbar, die seit dem Mittelalter das Bild eines „reichen Juden“ geprägt haben ein Bild, das bis heute aktuell ist. Hierbei ist der Begriff der „Vorstellung“ entscheidend und er wird in das Theater zurückgeführt. Die Figur des Shylock aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ und die des Nathan aus Lessings „Nathan der Weise“ werden zu Leitfiguren der Ausstellung.

Umrahmt von einem Prolog und einem Epilog begibt sich die Ausstellung auf neun Bühnen auf die Suche nach den Gründen für die Jahrhunderte alten Vorstellungen, Phantasien und Vorurteile rund um das Thema „Juden. Geld.“

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Otto Rouvel als Nathan, Städtische Bühnen Frankfurt am Main, 1971, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
© Günter Englert

Dabei führt die von Atelier Markgraph, Frankfurt, gestaltete theatralische Inszenierung mit überraschenden szenografischen Kompositionen immer wieder hinter die Bühne: an den Ort, an dem die Vorstellungen entstehen und produziert werden. Über 200 sehr wertvolle Objekte ab dem 13. Jahrhundert darunter Schuldurkunden und Hauptbücher, Gemälde, Skulpturen, Karikaturen, Filme und Fotografien zeichnen die Spuren einer Wirtschafts- und Finanzgeschichte nach, die seit dem Mittelalter ein wesentlicher Teil jüdischer Existenz gewesen ist.

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Zedaka-Spendenbüchse
© Jüdisches Museum Frankfurt am Main

Keine Familie wird so sehr mit jüdischem Reichtum in Zusammenhang gebracht wie die Rothschilds. Da die Ausstellung im ehemaligen Palais der Familie gezeigt wird, soll ihr eine besondere Sektion gewidmet werden. Hier werden ihr Aufstieg aus der Frankfurter Judengasse, der internationale Erfolg und der märchenhaft anmutende Reichtum gezeigt.

Jüdisches Museum Frankfurt

Führungen: sonntags, 14 Uhr, mittwochs, 18 Uhr sowie regelmäßig um 12.30 Uhr (Lunchführungen in deutscher und englischer Sprache mit anschließender Gelegenheit zum Mittagessen im Buchcafé)

Weitere Informationen: Jüdisches Museum Frankfurt, Untermainkai 14-15, 60311 Frankfurt a.M.