+Melifera.psdTeilverbot für bienenschädliche Agrargifte

 

Europas Imkerverbände atmen auf: Am 29.04.2013 haben Vertreter aller 27 EU-Länder sich mehrheitlich für ein Teilverbot für Neonicotinoide ausgesprochen. Zunächst für zwei Jahre soll in der EU der Einsatz dieser neuen Pflanzenschutzmittel für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle verboten sein. Neonicotinoide sind Nervengifte und stehen schon seit längerem im Verdacht, eine der Hauptursachen für das Bienensterben zu sein. 2008 konnte der Tod von 11.500 Bienenvölkern am Oberrhein unmittelbar auf die Verwendung dieser Nervengifte zurückgeführt werden. Meist treten die Folgen jedoch unterschwellig und mit Verzögerung auf.

Bei der Abstimmung in Brüssel stimmten 15 Länder für ein Verbot, 4 Länder enthielten sich der Stimme, acht sprachen sich dagegen aus. Unter den Befürwortern des Verbots war auch Deutschland. Das war nicht zu erwarten gewesen, weil sich der Deutsche Bundestag noch letzte Woche mehrheitlich dagegen ausgesprochen hatte. Die deutschen Imkerverbände hatten in den vergangenen Wochen an Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner und zuletzt auch in einem offenen Brief an Umweltminister Peter Altmaier appelliert, dem Vorschlag der EU-Kommission für ein Teilverbot der Nervengifte zuzustimmen. Beides zusammen sowie der Druck durch Unterschriftenlisten mehrerer Kampagnennetzwerke und Umweltverbände hat nun offenbar Wirkung gezeigt.

Das Verbot gilt ab 1. Dezember. Mit den Chemikalien behandeltes Saatgut darf dann weder verkauft noch ausgesät werden. Neonicotinoide sind Nervengifte, die u. a. das Orientierungsvermögen und die Kommunikation der Bienen stören. Die deutschen Imkerverbände gaben ihrer Freude darüber Ausdruck, dass ihre Argumente bei den politisch Verantwortlichen nun doch noch gefruchtet haben. Damit verbanden sie gleichzeitig die Hoffnung, dass Pestizide in Zukunft im Hinblick auf ihre Bienenverträglichkeit sorgfältiger getestet werden.

„Das Gefährliche an den Neonicotinoiden sind die so genannten subletalen Effekte“, so Thomas Radetzki, Vorstand des ökologischen Imkerverbands Mellifera e. V. „Als Nervengifte sind sie meist nicht unmittelbar tödlich, aber führen u. a. dazu, dass Bienen ihren Orientierungssinn verlieren und nicht mehr in den Bienenstock zurückfinden. Auch die Kommunikation z. B. über Futterquellen wird gestört. Letzten Endes führt dies dann auch zum Bienensterben.“

Konkret eingeschränkt werden die Pestizide Chlothianidin und Imidacloprid von Bayer sowie Thiamethoxam von Syngenta. Ausnahmen sollen für Gewächshäuser gelten. Auf Feldern sollen die Mittel nur mit besonderer Genehmigung und nach der Pflanzenblüte ausgebracht werden dürfen.

Welche Gefahren die Neonicotinoide sonst noch darstellen, ist noch nicht endgültig geklärt. Zu weiteren Erkenntnissen soll deshalb auch ein international besetztes Symposium zu diesem Thema beitragen, das am 16. und 17. September 2013 bei Mellifera e. V. im schwäbischen Rosenfeld stattfindet und bei dem Forscher ihre neuesten Ergebnisse vorstellen. Die Einführung übernimmt ein Vertreter der europäischen Nahrungsmittelsicherheitsbehörde EFSA. Die EFSA hatte vor wenigen Monaten mit ihrer Warnung vor Neonicotinoiden den Anstoß für die jetzige Abstimmung in Brüssel gegeben.

Sabine Armbruste