Faszinosum Licht und Farbe

Glasmalerei der Moderne

Glasmalerei trifft unmittelbar die Emotionen des Betrachters. Ihre fulminante Leuchtkraft, mit der sie die Atmosphäre eines Raumes prägt, fasziniert ebenso wie ihre materielle Präsenz. Im 20. Jahrhundert kam zum traditionellen Glasfenster, das Architektur unabhängige Glasbild hinzu. Gleichzeitig entwickelten sich der künstlerische Ausdruck und die handwerklichen Techniken der Glasmalerei fort. Eine neue Sammlungsausstellung „Glasmalerei der Moderne“ im Museum beim Markt führt bedeutende Werke des frühen 20. Jahrhunderts bis heute zusammen und gibt einen repräsentativen Überblick über die Glasmalerei seit der Jahrhundertwende.

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Markus Lüpertz, Teufelskopf Detail des Fensters Himmel und Hölle im Marienchor der Kirche St. Andreas in Köln (Zweitausführung). Ausführung: Derix Glasstudios, Taunusstein, 2010 / 2012

Foto: © Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Ein Meer aus Farbe und Licht, so erstrahlt fortan der Ausstellungsraum der neuen Dauerpräsentation. Eröffnet wird die Ausstellung durch ein expressionistisch- geometrisches Kirchenfenster von Johan Thorn Prikker, dem Begründer der modernen Glasmalerei. Es folgen Arbeiten von Adolf Hölzel, Hans Gottfried von Stockhausen, Georg Meistermann, Johannes Schreiter, Ursula Huth und Markus Lüpertz, die allesamt zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Glasmalerei zählen. Werke, bei denen farbige Glasscherben und die konstruktive Linienführung der Bleiruten gestalterisch eingesetzt sind, stehen hier malerischen Strömungen, bei denen das Glas als Bildträger fungiert, gegenüber.

Erstmalig zeigt das Badische Landesmuseum in der neuen Sammlungsausstellung das im November 2012 erworbene Glasbild Kreuzigung von Georg Meistermann. Das Werk ist ein Detail aus seinem 1979 bis 1986 geschaffenen großen Fensterzyklus für St. Gereon in Köln, den Meistermann als Höhepunkt seines Schaffens betrachtete. Der bedeutende Glasbildkünstler ließ diese Zweitausführung für die eigene Sammlung anfertigen. Er verlieh dem Glasbild eine ganz persönliche Note, in dem er zusätzlich kleine Partien mit Ölfarbe bemalte, um das Farbspiel der Scheibe zu perfektionieren.

Auf vielfältige Weise macht die Präsentation darüber hinaus sichtbar, wie sich die Glasmalerei im 20. Jahrhundert in ihrem künstlerisch-technischen Ausdruck fortentwickelte. So nutzen die Künstler neben traditionellen Verfahren mit farbigem Hüttenglas, Schwarzlotmalerei, Ätzungen und Bleinetz auch moderne Materialien und Techniken wie Industrieglas, Airbrush-Malerei oder Laminierungen mehrerer Glasschichten. Diese Vielfalt eröffnete der Glasmalerei weiteste Spielräume für individuelle künstlerische Konzepte. Dieses breite Spektrum wird in der neuen Ausstellung in Karlsruhe nun anhand repräsentativer Werke aufgezeigt.

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Georg Meistermann, Kreuzigung Glasfenster für St. Gereon in Köln (Zweitausführung), Ausführung: Glaswerkstatt Gossel, Lahntal-Caldern, 1982

Foto: © Badisches Landesmuseum Karlsruhe

 

Glasmalerei im Badischen Landesmuseum Karlsruhe

Das Badische Landesmuseum bemüht sich bereits seit Jahren um die Bewahrung, Erhaltung und Präsentation von Glasbildwerken. Neben der neuen Sammlungsausstellung besitzt es bereits eine umfangreiche, qualitätsvolle Sammlung an Glasmalerei des Mittelalters, der Renaissance, des Jugendstils, der klassischen Moderne und der Gegenwartskunst. Während die Glasgemälde bis zum Jugendstil in epochal gegliederte Sammlungsausstellungen integriert sind, ist die Glasmalerei des 20. und 21. Jahrhunderts nun in einer gattungsspezifischen Dauerausstellung zu sehen.

 

 

Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Öffnungszeiten: Di. Do. 11 17 Uhr, Fr. So. und Feiertage 10 18 Uhr. Kosten: 4,- / 3,- (erm.). Kombiticket mit der Ausstellung „Mode Medium - Material. Anziehende Objekte von Stephan Hann“.