missing image fileWegen einer Arbeit geht die Welt nicht unter

Ein Interview mit Martin Laude.

4602 Gymnasiasten, 4588 Realschüler und sogar 2296 Grundschüler legten im vergangenen Schuljahr die berühmte „Ehrenrunde“ im Ländle ein. Der neue Kultusminister von Baden-Württemberg Andreas Stoch hält wenig vom Sitzenbleiben: „Das Wiederholen einer Klasse hat in modernen pädagogischen Konzeptionen keinen Platz mehr“,(Stuttgarter Zeitung, 23.02.2013). Das Schulkonzept von Rudolf Steiner kommt bereits seit 1923 ohne Ehrenrunde aus. Die Klasse 12 A und Oberstufenlehrer Martin Laude erzählen im Interview mit SWR-Reporter Kay Lenck über die Vorteile der Waldorfschule und das Versetzen im Klassenverbund.

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Im Interview mit einem Schüler der Klasse 12 A über die Vorteile der Waldorfschule.

Frage: Wie verlangen Sie von ihren Schülern Leistung, wenn der Druck des Sitzenbleibens entfällt?

Laude: Im Gespräch mit den Schülern setze ich nicht auf Druck, den ich mit der Angst verbinde. Sondern ich setze darauf, dass die Schüler aus einer Einsicht heraus motiviert handeln. Die Vorteile, dass die Jugendlichen im Klassenverband mitgenommen werden überwiegen gegenüber den Druckmitteln des Sitzenbleibens.

Frage: Was passiert, wenn ein Schüler für Sie schwierig wird in das Klassenniveau zu integrieren?

Laude: Nicht der Schüler ist schwierig, sondern der Schüler hat Schwierigkeiten.

Ich nehme diese Schwierigkeiten als Entwicklungs-Herausforderungen an, versuche dann diese mit den Schülern anzugehen und die Jugendlichen so auf ihrem Weg zu begleiten.

Frage: Ist es für Sie nicht mehr Stress, auch die schwächeren Schüler in Ihrem Unterricht mitzunehmen?

Laude: In meiner Zeit auf dem Gymnasium habe ich es auch als Stress empfunden, Schüler nicht versetzen zu können.

Frage: Wie entscheidet sich ein Schüler, ob er lieber Realschulabschluss, Fachhochschulreife oder Abitur macht?

Laude: Wir führen mit den Schülern Schullaufbahngespräche und suchen dann in der Oberstufe mit den Schülern und Eltern einen für den Jugendlichen angemessenen Abschluss.

Frage: Findest Du es gut, dass an der Waldorfschule niemand sitzenbleibt?

Nicolay: Es fühlt sich besser an, wenn ich weiß, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich eine Arbeit verhaue. Im Gegenteil: Ich habe die Chance, mich trotzdem zu steigern und im nachhinein noch bessere Leistungen zu bringen.

Frage: Was sind für Dich die Vorteile einer Waldorfschule?

Jared: Auf der Waldorfschule steht das Thema „Schulabschluss“ noch nicht ab der dritten Klasse auf der Tagesordnung. Für die Schüler ist dieses Ziel zunächst noch im Hintergrund. Man bekommt hier die Zeit sich zu entwickeln und seine Stärken zu erkennen.

Levin: Wir kennen uns alle seit der ersten Klasse. Oft unterstützen wir uns gegenseitig beim Lernen. Im Moment sind wir gerade im Theaterprojekt. Da kommt es auf jeden Einzelnen von uns an, damit das Theaterstück ein Erfolg wird. Solche Projekte bringen uns weiter und helfen mehr als Nachhilfe und Leistungsstress dass wir lernen, ein Ziel zu erreichen auch im Team.

Das Interview wurde am Freitag, 22.02.2013 auf SWR 2 in der Sendung Kontext gesendet und ist unter www.fkws.de als Download zu hören.

Foto: Waldorfschule Kräherwald