Nachhaltige Banken fordern Transformation des Finanzsystems

„Wertewandel im Bankensektor“ Internationale Konferenz

Die Global Alliance for Banking on Values (GABV), der Verband weltweit führender Nachhaltigkeitsbanken, stellte am 13. März 2013 ihren Forderungskatalog mit Maßnahmen für ein stabileres und stärker an den Menschen orientiertes Finanzsystem vor. Die 22 Nachhaltigkeitsbanken fordern in ihrer „Berliner Erklärung“ einen fundamentalen Wandel im Bankensystem durch mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Vielfalt in der Bankenwelt.

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Peter Blom, Triodos Bank, und Thomas Jorberg, GLS Bank, stellten die Forderungen der 22 weltweit führenden Nachhaltigkeitsbanken vor (v.l.n.r.)

1. Transparenz

Bankkunden und Anleger haben ein Recht auf Transparenz über die Verwendung ihrer Gelder und die Geschäftsmodelle ihrer Banken. Nur Transparenz kann Vertrauen wiederherstellen und die Menschen davon überzeugen, dass das Finanzsystem ihnen dient. Alle Banken sollten sich verpflichten, vollständige Transparenz über ihre Geschäftsmodelle sowie die Verwendung der ihnen anvertrauten Gelder zu gewähren.

2. Nachhaltigkeit

Banken spielen eine entscheidende Rolle bei der Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft. Daher sollten soziale und ökologische Kriterien ein fester Bestandteil ihrer Finanzangebote sein. Die sozialen und ökologischen Folgen von Bankgeschäften müssen anhand regulatorisch verbindlicher Indikatoren dokumentiert werden.

3. Vielfalt

Die Vielfalt wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Systeme erfordert ein ebenso vielfältiges Bankensystem. Die Vielfalt der Banken muss von Regierungen und Aufsichtsbehörden als ein eigenes und wichtiges Ziel bei der Neuregulierung des Bankensystems festgeschrieben werden.

Darüber hinaus verlangt der Verband weltweit führender Nachhaltigkeitsbanken, zu dessen aktiven Mitgliedern die GLS Bank (Deutschland) und dieTriodos Bank (Niederlande) zählen, dass sich die Finanzmarktregulierung vor allem an einer positiven Vision für das globale Bankensystem orientieren sollte, anstatt nur die Folgen der Finanzkrise zu beheben.

Peter Blom, Vorsitzender der GABV und CEO der Triodos Bank,erklärt: „Wir wollen auf dem Erfolg und dem Know-how der Mitgliedsbanken aufbauen, um aus all den innovativen bahnbrechenden Ansätzen ein finanziell tragfähiges Bankensystem zu formen. Ein Bankensystem, das die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt in den Mittelpunkt stellt.“

Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank und Mitglied im Steering Committee der GABV, ergänzt: „Für die Transformation des Finanzsystems brauchen wir eine Vision. Eine Vision, in der Menschen soziale und ökologische Verantwortung in den Mittelpunkt finanzieller Entscheidungen stellen. Konkret bedeutet dies, dass Angaben über Laufzeit, Risiko und Zinssatz ergänzt werden durch Informationen über die Verwendung des Geldes und der realwirtschaftlichen Auswirkungen.“

Unter dem Thema „Wertewandel im Bankensektor“ wurden am 14. März in Berlin visionäre Finanzkonzepte und nachhaltige Ansätze für eine menschenwürdige Zukunft des Bankwesens entwickelt und praktische Beispiele diskutiert.

Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnete den Kongress des Weltverbandes der Nachhaltigkeitsbanken. Als Referenten und Diskussionspartner waren vor Ort u. a. der tschechische Ökonom Tomáš Sedlá ek (Deutscher Wirtschaftsbuchpreis 2012 für „Die Ökonomie von Gut und Böse“), der Mitbegründer des Presencing Institutes am MIT, Otto Scharmer, sowie die südafrikanische Sozialunternehmerin Wendy Luhabe.

Christof Lützel

Foto: Stephan Münnich