Bildungspatenschaften

Kein Luxus - Bildung für alle

Mit der Kampagne für Bildungspatenschaften geht der international tätige Verein Freunde der Erziehungskunst in Berlin 2013 verstärkt in die Öffentlichkeit und möchte deutlich machen, dass auch ausländische Waldorfschulen, obwohl sie ohne staatliche Hilfe auskommen müssen, dem sozialen Impuls „Kein Luxus - Bildung für alle“ folgen.

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Waldorfschule Gamot Cogon, Philippinen.

Foto: Damon Lynch

Der Verein hat sich in den letzten Jahren für Bildungspatenschaften eingesetzt, da sie oft eines der wenigen langfristigen Hilfsinstrumente sind, mit denen er kaum staatlich finanzierten Waldorfschulen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa bei der Aufnahme von Schülern aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen unter die Arme greifen und damit weltweit mehr Zugang zu einer kindgerechten Bildung schaffen kann.

Weltweit nimmt die Zahl der Waldorfschulen und -kindergärten zu: momentan sind es 1.026 Waldorfschulen und über 2.000 Kindergärten; hinzu kommen zahlreiche junge Waldorfinitiativen, die sich gerade im Aufbau befinden.

Überall auf der Welt suchen Eltern nach alternativen Bildungsmöglichkeiten, weg von Leistungsdruck, strengen staatlichen Lehrplänen und überfüllten Schulkassen hin zu einer individuellen Lernatmosphäre und einem am Schüler und seiner Entwicklung orientierten Umfeld. In vielen Ländern wie Südafrika, Guatemala oder auch Polen bekommen Waldorfschulen keine staatliche Unterstützung.

Sie müssen sich selbst finanzieren und täglich um ihr Überleben kämpfen. Dennoch bemühen sich die Schulen darum, auch Kinder aufzunehmen, deren Eltern das Schulgeld nicht oder nur zum Teil aufbringen können. Die Freunde der Erziehungskunst unterstützen die Schulen mit Bildungspatenschaften dabei, mehr Schüler aufzunehmen, vor allem aus Familien mit geringem Einkommen, von alleinerziehenden Müttern bzw. Vätern oder Kindern ohne Eltern. Es sind nicht nur Kinder, die wegen ihres Einzelschicksals unterstützt werden, sondern auch regional bedingte Förderungen wie in den Townships von Südafrika oder in postsozialistischen Ländern wie Armenien, die stark von Armut, Gewalt und Arbeitslosigkeit betroffen sind. So spielen die Waldorfschulen eine Schlüsselrolle in der integrativen Arbeit von arm und reich und der verschiedenen ethnischen Traditionen.

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Waldorfschule Windhoeck, Namibia.

Foto: Katharina Wyss

Der Vorstand der Freunde der Erziehungskunst Nana Göbel spricht im Frühjahresbericht 2013 von einem Gewinn für beide Seiten: „Wir möchten durch unser Patenschaftsprogramm mehr und mehr Kindern den Besuch einer Waldorfschule ermöglichen und hoffen, dass sich auch viele Schüler in Deutschland dafür erwärmen werden, einem Kind in einem Entwicklungsland oder in einem Land schwieriger ökonomischer Verhältnisse den Schulbesuch zu ermöglichen.

Durch solche Schulpatenschaften können Freundschaften entstehen, die von beiderseitigem Gewinn sind. Vielleicht folgt ein Besuch, ein Sprachaustausch oder noch ganz andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit werden entdeckt.“

Eine Patin aus Finnland macht auf einen weiteren wichtigen Punkt der Bildungspatenschaften aufmerksam: „Paten bei den Freunden der Erziehungskunst übernehmen nicht einfach die Schulgebühren eines einzelnen Kindes. Die Kinder, die durch Patenschaften unterstützt werden, sind Botschafter für alle Kinder, die finanzielle Unterstützung für den Schulbesuch benötigen. Ich finde das den richtigen Weg, denn Kinder sollen nicht gegeneinander um die Gunst möglicher Paten konkurrieren.“

Größtmögliche Transparenz bei der Mittelvergabe

Mehrere Aspekte sind bei den Patenschaften der Freunde der Erziehungskunst bedeutend, die in der Entwicklungszusammenarbeit nicht unbedingt selbstverständlich sind: es ist nicht nur das Ermöglichen von mehr Zugang zu Schulbildung oder der Aufruf zur Solidarität zwischen Waldorfschülern weltweit oder der Idee, dass Patenkinder Botschafter für alle sind, sondern auch, dass der Verein Patenschaftsspenden zu 100% an die ausländischen Schulen weiterleitet. Beim Geldumgang ist dem Verein seit Gründung 1976 größtmögliche Transparenz wichtig: jeder Pate soll selbst entscheiden, wie viel und wohin er ins Ausland spendet und ob er zusätzlich bei der Aktion 10% mitmachen möchte und die Vereinsarbeit wie die Spendenweiterleitung oder die Öffentlichkeitsarbeit mit weiteren 10% Spendengeld aufrechterhält.

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Hekima Waldorfschule, Tansania.

Durch diese Arbeit konnten die Freunde der Erziehungskunst seit einigen Jahren Paten in Waldorfschulen z.B. Eltern oder Schüler, aber auch Schulklassen gewinnen, die viel aus den kulturellen Erfahrungen lernen. So berichtet Fabian Michel, Koordinator der Bildungspatenschaften, dass sich vor kurzem zwei Klassen aus Ljubljana dazu entschlossen

haben, Kinder in Südafrika zu unterstützen und die Schüler sich bereiterklärt haben, je zwei Euro monatlich zu spenden.

Und man kann bereits erahnen, welche Perspektiven sich für die Patenkinder eröffnen. „Ich begann erst zu verstehen, wie wichtig eine Patenschaft ist, als ich anfing, wildfremden Menschen auf der „anderen Seite“ der Welt zu schreiben und ihnen mein Herz auszuschütten. Sie haben mich verstanden, und ich fühlte mich nicht mehr so allein. Die Patenschaft ging weit über eine finanzielle Förderung meiner Bildung hinaus. Sie nahm immer mehr einen therapeutischen Charakter an, denn durch den Briefwechsel kamen mir Verständnis und Unterstützung entgegen, z.B. als ich durch wirklich harte Zeiten durchmusste,“ so ein ehemaliges Patenkind aus Südafrika.

Katharina Stemann

Fotos: © Freunde der Erziehungskunst