ab September

Orientierungsjahr Eurythmie in Krefeld

Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht: Das Erleben einer Eurythmieaufführung vor und nach meinem ersten Besuch eines Laienkurses. Die erste Aufführung ist schon eine Weile her, aber ich erinnere mich noch genau an die unsichtbare Scheibe, die sich zwischen die seltsamen Vorgänge auf der Bühne und mich schob. Dabei war es ein richtiges Spektakel: Farben und Bewegungen in ständigem Wandel, die Bühne war voll, der Zuschauerraum ebenfalls. Ich schlief.

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Teilnehmer des derzeitigen zweiten Studienjahres des Berufsbegleitenden Eurythmiestudiums Krefeld.

 

Ich glaube, die Scheibe war undicht. Wenig später besuchte ich einen Laienkurs für Eurythmie. Es war für mich so selbstverständlich, Eurythmie kennen lernen zu wollen, wie es befremdlich war, sie zum ersten Mal zu sehen. Danach waren Eurythmieaufführungen anders. Nicht unbedingt, dass mein Wertesystem revolutioniert worden wäre, nein, ich war vielmehr stolzer Besitzer eines neuen Wahrnehmungsorgans, oder besser: seiner keimhaften Veranlagung, aber keimhaft bedeutet nicht undeutlich und stolz war ich trotzdem.

Es war so eine Art Ganzkörperauge oder Ganzkörperohr oder was auch immer, jedenfalls etwas, dass bewirkte, dass die Bewegungen auf der Bühne anfingen zu sprechen. Nicht, dass ich die Sprache verstanden hätte. Ich höre gerne den Klang fremder Sprachen, spüre ihre Seele.

Das gab mir zu denken, auch wenn mich mein beruflicher Weg in eine andere Richtung führte. Ich freue mich nach wie vor über meine Verbindung zur Eurythmie und wünsche mir ihre öffentliche Präsenz. Aber wie erzählt man von ihr, wie porträtiert man ihr Antlitz, das, wie alle Welt meint, zukünftig und daher noch schwer zu erkennen sei? Vielleicht besser gar nicht, aber wenigstens seine Berührungen in der Gegenwart.

Millionen baden im Ganges, aber wer kennt die leise Wucht des eurythmischen Stroms? Wer bezahlt mit seiner Hingabe für die Kraft, eine lichthafte Dynamik zu steuern? Wo sind die Abenteurer, die wissen, dass jede eurythmische Gebärde wie ein Schiff ist, dass in See sticht, um alsbald mit Entdeckungen vollbeladen zurückzukommen? Wer bemerkt die Astronauten, die Sternenbahnen auf die Bühne bringen? Wer erlauscht den Klang des Sozialen in einer gelungenen Choreografie? Wer beseelt die Bewegung, indem er die Seele bewegt?

Eurythmie bedarf der Bewegungslust und Forschergesinnung. Die Teilnehmer des berufsbegleitenden Studiums der Eurythmie in Krefeld berichten von individuellen, eindrucksvollen Erlebnissen, vom Aufwachen, vom Schmelzen erstarrter Ecken, von Anstrengungen und dem Einströmen neuer Lebenskräfte, von Seelengymnastik und dem Ergreifen der eigenen Gestalt, von Prozessen und Potentialen, gereift und begeistert.

Marc Dimming

Ab 9. September 2013, Orientierungsjahr Eurythmie in Krefeld, jeden Montag und an einem Wochenende im Monat statt. Wochenendmodule behandeln neben der Eurythmie auch andere Themen, z.B. „Die schöpferische Kraft des Wortes“ - Sprachgestaltung als Schlüssel zu mir am 28./29. September oder Projektive Geometrie und Bothmergymnastik: „Die projektive Geometrie als Schulung der Beweglichkeit und Verlebendigung des Denkens“ am 12./ 13. Oktober und 9./ 10. November 2013. Veranstalter: fakt21 Kulturgemeinschaft mbH und Novalis Hochschulverein e.V.. Weitere Informationen und Anmeldung: Tel. 02151-594817.

Foto: © Tilmann Kleinelützum