Eurythmie auf den Philippinen

Wenn man die Atmosphäre in Manila beschreiben wollte, würde man wohl am ehesten heiß, laut und stickig wählen. Dies ist allerdings nur die äußere Stimmung. Die Menschen begegnen einem mit großer Freundlichkeit, die aber oft auch nur Höflichkeit sein kann. Bis zu einer echten Begegnung braucht es meist viele Gespräche und gemeinsames Tun. Dann zeigt sich große Aufgeschlossenheit gegenüber spirituellen Themen und vor allem fast keine Scheu, Neukennengelerntes unmittelbar umzusetzen.

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Eurythmie-Basis-Ausbildung in Manila, Philippinen.

Während der Arbeit mit Schulklassen an zwei Waldorfschulen im Jahr 2008 baten einige Eltern Tanja Baumgartner, einen Tag intensiv Eurythmie mit ihnen zu machen. Daraus entstand die Initiative, eine Eurythmie-Basisausbildung auf den Philippinen zu organisieren. Diese begann im Herbst 2009 und wurde in sieben Modulen, die je eine Woche dauerten, aufgebaut. Einige der Teilnehmer wollten die Eurythmie erlernen, um sie mit ihren Kindern zu machen, andere waren Ärzte und Lehrer, die die Eurythmie gezielter in ihren Beruf integrieren wollten. Nun ist eine Eurythmieausbildung schon im gewohnten kulturellen Umfeld eine Herausforderung den eigenen Körper zu ergreifen und auszubilden, um mit ihm die seelischen und geistigen Erfahrungen zum Ausdruck bringen zu können. Es wäre allerdings der erste große Fehltritt, von unserer seelisch-geistigen Verfassung auf die Menschen in Asien zu schließen. Erst langsam mussten wir entdecken, was die Filipinos von uns unterscheidet und was nicht. Gemeinsam haben wir, dass uns unser eigener Körper zunächst fremd ist und wir ihn nur durch bewusstes und liebevolles Tun ergreifen können. Deswegen standen die ‹warming-up›-Übreihen im Mittelpunkt der Ausbildung. Mit diesen drei Reihen wird in jeweils sieben Schritten der Körper in seinen drei Dimensionen in Bewegungen ergriffen. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung waren Laut- und Seelengesten, Tierkreis und Weltanschauungen, das Bewegen der Farben sowie Geschicklichkeitsübungen mit Bällen, Stäben und Fahnen (siehe Bild). Weiterhin Raumformen wie das Hallelujah, die Harmonische Acht, Denken, Fühlen, Wollen.

In einem unterscheiden sich die Menschen auf den Philippinen grundsätzlich von uns in Europa: Während wir nach vier Jahren Ausbildung oft noch an unseren Fähigkeiten zweifeln und uns kaum vor eine Klasse oder auf die Bühne trauen, haben die Filipinos damit kein Problem. Schon nach dem ersten Modul haben mehrere Ärzte die Eurythmie in ihre Behandlungen integriert. Ende September dieses Jahres wurde die Ausbildung mit elf Teilnehmern abgeschlossen. Sie erhielten eine ‹confirmation› durch das ‹unternehmen eurythmie›, die vom Eurythmie-Verband Schweiz bestätigt wurde. Im Rückblick betonten viele Teilnehmer die persönliche Weiterentwicklung, etwa «das innere Leben anschauen zu können». Ab Februar 2013 werden jährlich Eurythmie-Intensivwochen zur Vertiefung und für neu Hinzukommende durchgeführt. Auch wurde das Arte Nova Jugend-Öirütmie-Ensemble letztes Jahr für eine Tournee eingeladen. Weiterhin entstehen Initiativen der Absolventen: eine Klinik mit ‹eurythmy-inspired-therapy›, Lehrerfortbildungen sowie eine eigene Eurythmie-Basisausbildung. Es wird beabsichtigt, diese Initiativen über die nächsten Jahre weiter zu unterstützen.

Eckart Grundmann, Tanja Baumgartner

Quelle: Das Goetheanum Wochenschrift für Anthroposophie Nr. 47, 24.11.12

Foto: Tanja Baumgartner