+Melifera.psdAktuelle Agrarförderung schadet den Bienen

Wie ernährt man die wachsende Weltbevölkerung, ohne die Bienen zu töten und die Umwelt zugrunde zu richten? Um diese Fragestellung ging es bei einer Podiumsdiskussion auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin, zu der sich am 26. Januar Vertreter von Imkerverbanden, Politik und Agrarindustrie trafen. „Mit der derzeit durch die Agrarpolitik geforderten Landwirtschaft können auf Dauer weder Menschen noch Bienen überleben“, so Thomas Radetzki, Vorstand des okologischen Imkerverbands Mellifera e. V., der die Diskussion organisiert hatte.

Die einseitige Förderung der industriellen Landwirtschaft schade den Bienen gleich doppelt: durch den hohen Pestizideinsatz und den Mangel an Blüten und damit an Nahrung. Die Imker verlangten deshalb, den Vorschlag der EU-Kommission umzusetzen. Fördergelder sollen demnach nur noch diejenigen Landwirte erhalten, die mindestens sieben Prozent ihrer Flache ökologisch und damit bienenfreundlich bewirtschaften. „Öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen“, brachte es die Grünen-Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm auf den Punkt.

Kritisiert wurde auch das lasche Zulassungsverfahren fur Pflanzenschutzmittel. Weder die Langzeitfolgen fur die Bienenvölker noch der in der Praxis übliche Mix mehrerer Gifte wurden untersucht. Dabei sei es bekannt, dass beispielsweise die vor allem als Saatgut-Beizmittel verwendeten Neonicotinoide fur Bienen sehr gefährlich seien. Neonicotiniode sind Nervengifte, die den Orientierungssinn der Bienen stören.

Friedrich Dechet vom Industrieverband Agrar widersprach den Forderungen der Imker vehement. Man brauche die intensive Landwirtschaft, um die Ernahrung und die Energieversorgung der wachsenden Weltbevölkerung zu gewährleisten. Man könne sich deshalb auch keine Flachenstillegungen leisten. Vor diesem Hintergrund müsse man auch in punkto Artenvielfalt Kompromisse eingehen. Anders sieht dies jedoch der Weltagrarbericht, der von Walter Haefeker, Präsident des Europäischen Berufs- und Erwerbsimkerbundes zitiert wurde. Nach Meinung der Verfasser könne die Versorgung der Weltbevölkerung nur durch eine bäuerliche Landwirtschaft gewährleistet werden. Patentiertes Saatgut und Pestizide der Agrarindustrie seinen nämlich so teuer, dass Menschen aus ärmeren Ländern sie sich überhaupt nicht leisten könnten. Bei der von der EU-Kommission vorgeschlagenen bienenfreundlicheren Landwirtschaft werde nicht die Fläche stillgelegt, sondern die Umsätze der Pflanzenschutzindustrie.

Regisseur Markus Imhoof, der eigens fur die Podiumsdiskussion bislang unveröffentlichte Szenen aus seinem preisgekrönten Bienen-Dokumentarfilm „More than honey“ zu einem Kurzfilm zusammengestellt hat, fasste es in seinem Schlusswort so zusammen: „Wir haben nicht nur die Alternative, vergiftet zu leben oder gesund zu verhungern. Vielleicht denken wir einfach mal darüber nach, ob wir immer mehr Wachstum brauchen oder ob sich das Wachstum nicht vielmehr am tatsaächlichen Bedarf ausrichten sollte.

Sabine Armbruster