Imker bringen Bienensterben ins Kanzleramt

Die Problematik des Bienensterbens ist bis ins Kanzleramt vorgedrungen. Thomas Radetzki, Vorstand des ökologischen Imkerverbands Mellifera e. V. aus Rosenfeld im Zollernalbkreis, und Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes, übergaben am 16. Januar eine Liste mit rund 175.000 online gesammelten Unterschriften für eine bienenfreundlichere Agrarpolitik und führten im Anschluss ein ausführliches Gespräch mit Stefan Schulz, Leiter des Referats für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, bei dem es um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen neuer Pestizide auf die Bienen und zur Sicherheit der Agro-Gentechnik ging. Bienen verbreiten bei ihrer Sammeltätigkeit auch Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen.

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Thomas Radetzki (rechts) und Manfred Hederer (links) sowie Astrid Goltz von Campact mit dem „Schwarzen Pinsel“ und 175.000 Unterschriften für eine bienenfreundlichere Agrarpolitik vor der Übergabe im Kanzleramt.

Vorangegangen war eine Demonstration vor dem Kanzleramt, bei der zahlreiche Imker mit toten Bienen ihren Unmut über die Agrarpolitik der Bundesregierung zum Ausdruck brachten. Blütenarme Monokulturen und der damit einhergehende Einsatz neuer, hochgiftiger Pestizide seien eine wesentliche Ursache für den Tod der Bienen, so die Imker. Monokulturen von Mais und anderen Energiepflanzen nähmen jedoch durch eine verfehlte Agrarförderung immer mehr zu. Bislang widersetze sich die Bundesregierung dem EU-Vorschlag, künftig Fördergelder nur noch an diejenigen Landwirte zu vergeben, die mindestens sieben Prozent ihrer Fläche ohne Pestizide und ökologisch vielfältig bewirtschafteten. Vor allem Kanzlerin Merkel sähe Deutschland als Chemiestandort mit nachwachsenden Rohstoffen aus gentechnisch veränderten Pflanzen. Deshalb zeichnete sie der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund in Rahmen der Demonstration mit dem Negativ-Preis „Schwarzer Pinsel“ aus. Merkel habe durch ihre Entscheidungen der Imkerei im vergangenen Jahr am meisten geschadet.

Geht man nach der Zahl der Unterschriften für eine bienenfreundliche Landwirtschaft, können die Imker auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung zählen. Denn die 175.000 übergebenen Unterschriften waren bereits nach einer Woche, der Hälfte der Laufzeit der Internet-Aktion des Kampagnennetzwerks Campact, zusammengekommen. Der Rest soll Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner am 26. Januar auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin überreicht werden.

Sabine Armbruster

Foto: Jakob Huber, Campact