Aus der Arbeit der GLS Treuhand

Peru: Bergkäse aus Nuevo Manzanilla

Kein Verkauf an La Gloria und Nestlé – Bauern steigen in die Milchverarbeitung ein

Seit Jahren drücken die großen Konzerne die Milchpreise in Peru. Jetzt handeln die Bauern: Ein leer stehendes Gemeinschaftshaus wird ins Dorf transportiert und in eine Käserei verwandelt.

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Auf dem Weg zur Milchsammelstelle.

Das Dorf Nuevo Manzanilla mit mehr als 40 Familien liegt 3.900 m hoch. Das Leben ist hart und karg. Die Bergbauern halten zusammen 200 Rinder. In den vergangenen Jahren verkauften sie ihre überschüssige Milch an die Sammelwagen der zwei multinationalen Unternehmen: La Gloria und Nestlé.

Stundenlang mussten die Frauen und Männer mit ihren Milchkannen zur Sammelstelle laufen oder reiten. Pro Liter Milch erhielten sie 80 Centavos de Soles, etwa 0,23 Euro. In San Marcos, dem nächstgelegenen Städtchen, wird der Liter Milch für vier Soles (1,16 Euro) verkauft.

Die Bauern versuchten, einen höheren Preis zu verhandeln. Doch die multinationalen Unternehmen blieben unerbittlich. Im Dezember 2011 rebellierten die Bergbauern: Sie stellten den Milchverkauf an Nestlé und La Gloria ein, denn ein Bauer aus dem Dorf wusste, wie man einfachen Käse herstellt. Dafür bauten die Dorfbewohner ein altes Gemeinschaftshaus ab. Sie transportierten es zwei Kilometer den Berg hinauf und bauten es inmitten ihres Dorfes wieder auf. Von ihren gemeinsamen Ersparnissen kauften sie ein großes Fass, eine Schöpfkelle und einige Leintücher.

Bereits im März 2012 hatten die Bauern die ersten Käse auf dem Markt in San Marcos verkauft. Doch damit entstanden neue Probleme. Die rustikale Käseproduktion entsprach nicht den Produktionsstandards und Lagerungsvorschriften der peruanischen Behörden. Um ihren Käse weiter verkaufen zu können, müssen die Bauern ihr Gemeinschaftshaus in eine echte Käserei umbauen.

Das Dach soll mit Wellblech neu eingedeckt und darunter Zwischendecken eingezogen werden. Im Haus wird eine Zwischenwand gemauert, um die Käseküche vom Lager, in dem die Käselaibe reifen sollen, zu trennen. Boden und Wände, die aus Fachwerk mit Lehmerde bestehen, müssen verputzt werden. Zwei Tanks mit jeweils 5.000 Liter Fassungsvermögen müssen gebaut werden, damit es auch in der Trockenzeit ausreichend Wasser für die Käseherstellung gibt. Ferner sind Leitungen für Wasserzufluss und -abfluss sowie ein Waschbecken nötig.

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Noch ist es viel Improvisation. Ausstattung wird benötigt.

Außerdem brauchen die Bauern technische Geräte: einen Kessel für die Milch- bzw. Salzlake, sechs große Schüsseln, zwei Kellen, vier Plastikmessbecher und zwei Käsepfannen, ein Entrahmungsgerät, einen Butterschläger, einen Tisch mit einer rostfreien Metallarbeitsplatte, 20 große Milchkannen, einen Gaskocher mit zwei Gasgalonen, zwei Thermometer und ein einfaches Testgerät zur Überprüfung der Milchqualität.

Aus ihren Ersparnissen bezahlen die Bauern Käseformen, Deckel und Waagen.

Insgesamt sind für den Aufbau der Käserei ca. 31.000 Euro notwendig. Pro beteiligter Familie sind dies einmalig 775 Euro.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck:

Peru: Käserei

Fotos: © Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe in der GLS Treuhand