Buchbesprechung

Was wir sind und was wir sein könnten ein neurobiologischer Mutmacher

Gerald Hüther, geboren 1951, ist Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Zuvor war er am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin beschäftigt; als Heisenberg-Stipendiat hat er ein Labor für neurobiologische Grundlagenforschung aufgebaut. Er ist Autor zahlreicher Bestseller, darunter „Biologie der Angst“, „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“, „Die Evolution der Liebe“ und zuletzt „Männer: Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“. Die Bücher von Gerald Hüther zeichnen sich allesamt durch sehr gute Lesbarkeit aus, sie sind fachlich von höchster und aktueller Qualität, und gleichzeitig bleibt die Lust am Weiterlesen immer erhalten, an vielen Stellen leuchtet der Humor des Verfassers durch und Gerald Hüther ist ein sehr pädagogischer Mensch und vielleicht auch darum dem Leser, den Eltern, den Erziehern, den Männern und den Frauen auf eine ganz sympathische Weise nah.

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Gerald Hüther, 2011, 192 Seiten, EUR 18,90, Verlag S. Fischer, ISBN 978-3100324054

„Das Gehirn des Menschen wird nicht so, wie es unsere genetischen Anlagen vorschreiben. Es lässt sich auch nicht wie ein Muskel trainieren. Es ist viel einfacher. Unser Gehirn wird von ganz allein so, wie und wofür wir es mit Begeisterung benutzen. Dass sich Menschen für alles Mögliche begeistern können, haben sie zu allen Zeiten immer wieder bewiesen, oft genug auch mit fragwürdigen Folgen. Menschen können aber auch ihre Begeisterungsfähigkeit verlieren, sogar kollektiv. Dann funktioniert ihr Hirn zwar noch, aber es entwickelt sich nicht mehr weiter. Statt Potenzialentfalter, die sie sein könnten, bleiben solche Menschen dann nur Ressourcennutzer und Besitzstandswahrer.“ (Auszug aus dem Klappentext).

Gerald Hüther zeigt auf, was aus uns werden kann:

• Zum Beispiel: Statt uns vom Leben formen zu lassen, könnten wir auch zu Gestaltern unseres Lebens werden.

• Statt so weiter zu machen wie bisher, könnten wir auch versuchen, über uns hinauszuwachsen.

• Statt Ressourcenausnutzer zu bleiben, könnten wir auch Potenzialentfalter werden, und auf diese Weise kann es dann zu einem Prozess der Potenzialentfaltung im individuellen Lebenslauf und zur Potenzialentfaltung in menschlichen Gemeinschaften kommen.

Immer wieder schreibt Hüther von der Begeisterung und wird auf diese Weise zum „Gesinnungsgenossen“ von Rudolf Steiner, der nicht müde wurde, davon zu sprechen und zu schreiben, dass ein Pädagoge Eltern, Erzieher, Lehrer und natürlich auch Geschäftsführer, Vorstände, Regionalbetreuer und letztendlich wir alle, nur dann wirklich zu dieser „besonderen Art von Menschen“ werden, wenn wir neben unserem Wissen, Können, unseren Kompetenzen . . . zu Menschen werden oder es bleiben, die sich, die Kinder, die Eltern, Kollegen, eine soziale Gemeinschaft . . . begeistern können.

„Und immer dann, wenn man sich so richtig für etwas begeistert, wenn es einem unter die Haut geht und man etwas besonders gut hinbekommen hat, wird im Mittelhirn eine Gruppe von Nervenzellen erregt. Die schütten dann an den Enden ihrer langen Fortsätze einen Cocktail neuroplastischer Botenstoffe aus. Zum Leidwesen aller tapferen Pflichterfüller und ordentlichen Funktionierer passiert das nie im Routinebetrieb des Gehirns, wenn man all das abarbeitet, was anliegt, sondern nur in diesem wunderbaren Zustand der Begeisterung.“ (G. Hüther, S. 93).

In diesem Sinne, lassen Sie sich begeistern und bleiben Sie, wenn irgend möglich, begeistert oder werden begeisternd von einem guten Buch und vielem mehr.

Peter Lang