Waldorflehrerseminar in Südafrika kurzfristig gerettet

Rege Resonanz auf einen Spendenaufruf der international agierenden Organisation Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners hat das Centre for Creative Education (CCE) in Kapstadt, Südafrika, kurzfristig vor der Schließung bewahrt. Wie die Freunde in ihrem Spendenaufruf vom November darlegen, fehlen dem Waldorflehrerseminar seit Anfang des Jahres mindestens 1,5 Mio. südafrikanische Rands (137 000 Euro). Bisher wurde der Haushalt des CCE u.a. durch Zuwendungen des nationalen Lotteriefonds finanziert, die in diesem Jahr ausblieben.

Das CCE ist die wichtigste und bisher einzige staatlich anerkannte Waldorflehrerausbildungsstätte in Afrika wichtig nicht nur für Studenten aus Südafrika, sondern auch aus anderen Ländern Afrikas. In Kapstadt werden neben Waldorflehrern und Eurythmisten vor allem auch Kindergärtenrinnen ausgebildet, die auf ihre Arbeit in Educare Centres vorbereitet werden, wo etwa 6000 Kinder vom CCE unterstützt werden, um ihnen dadurch ein kindgerechtes Aufwachsen zu ermöglichen.

„Fast alle Kindergärtnerinnen kommen aus ärmsten Verhältnissen. Neben ihrer Teilzeitausbildung arbeiten sie in Kindergärten in den Townships. Einerseits ermöglicht dies den oft aus verschiedenen Gründen alleinerziehenden Frauen neben ihrer Ausbildung ihre Kinder zu ernähren. Andererseits gibt es ihnen die Möglichkeit das Gelernte im eigenen Tun neu zu verstehen und zu vertiefen,“ so Helen Stotko, Geschäftsführerin des CCE im Herbst Rundbrief der Freunde der Erziehungskunst.

Nach dem Ausbleiben der Lotteriegelder wurde in den letzten Monaten am CCE eine intensive Krisensicherung vorbereitet. Neben dem Vorstand unterstützen laut dem Aufruf der Freunde die Dozenten Silke Sponheuer und Joan Sleigh diesen Prozess und suchen nach neuen langfristigen Möglichkeiten. Darüber hinaus werde ein ständiger Kontakt zu den Behörden aufgebaut. Unabhängig von der finanziellen Krise habe die Bildungsbehörde in diesem Jahr wieder alle Ausbildungsprogramme des CCE akkreditiert; ein reges Interesse an der Waldorfpädagogik werde nach wie vor signalisiert.

Um für die Zukunft eine stabile Grundlage zu schaffen, werde das CCE zusätzliche anerkannte Angebote für die Lehrerfortbildungen einrichten. Weitere Maßnahmen seien auf den Weg gebracht worden. Und um die Forschungsarbeit anzuregen, möchte das Zentrum mit der University of Johannesburg zusammenarbeiten. Es gebe bereits zwei umfangreiche Forschungsprojekte, die sich mit der Waldorferziehung im Kontext von Südafrika beschäftigten. Außerdem werde zurzeit die Möglichkeiten für Studentenjobs ausgeweitet, so der Aufruf.

Die meisten Menschen leben in Südafrika noch immer unter der Armutsgrenze. Bildung wird so zu einem Luxus statt zu einem grundlegenden Menschenrecht. In den südafrikanischen Townships gehen 75% der Kinder unter sechs Jahren nicht in einen Kindergarten. Oft werden sie aus Angst von den Eltern tagsüber eingesperrt und verbringen die Zeit vor dem Fernseher.

„Durch die Notlage des CCE ist uns klar geworden, dass wir neue Lösungen finden müssen, um unseren laufenden Haushalt zu finanzieren. Wir arbeiten daran, unsere Arbeitsweise effizienter zu gestalten. Von jetzt an beziehen wir die Studenten in die anfallende Arbeit ein,“ schreibt Helen Stotko. „Außerdem versuchen wir, die Waldorfeinrichtungen in Südafrika in die Verantwortung mit einzubeziehen. Wir wünschen uns, dass sie sich maßgeblich am Erhalt und der Finanzierung des CCE beteiligen. Schließlich ist das CCE als Ausbildungsstätte der Ausgangspunkt für alle Waldorfschulen und -kindergärten in Südafrika.“

NNA