9.11.

Geistgegenwarten in Dichtung, Musik und Bewegung

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „100 Jahre Eurythmie“ lädt die Eurythmieausbildung Witten/Annen zu einem besonderen Abend ein: ChaMelEon Berlin mit Charlotte Frisch, Eurythmie, und Leslie Leon, Mezzosopran, führt am Klavier begleitet von Oliver von Klot-Heydenfeldt Werke der zeitgenössischen Komponistin Mela Meierhans auf.

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Mela Meierhans, geb. 1961 in der Schweiz, komponierte diese Werke nach Dichtungen zweier Lyrikerinnen: der Britin Anne Blonstein und der Litauerin Niijolë Miliauskaitë.

Anne Blonstein, 1958-2011, war ausgebildete Pflanzen-Genetikerin, eine vielversprechende Forscherin und Wissenschaftlerin. Mit 33 Jahren verließ sie die naturwissenschaftlichen Laboratorien und wechselte ganz in das poetische Labor. Ein Gedicht, so Blonstein, soll auf der „inneren Tastatur“, im Geist des Lesers spielen, die „automatischen“ Abläufe von Übersetzung und Interpretation im Gehirn auseinander reißen. The Independent schreibt 2011: „Wer ihre Dichtung liest, wird veranlasst sich bewusst zu werden, was das Lesen selbst ist... Blonstein ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Dichterin des neuen Jahrtausends: in einer digitalen Welt werden Kodes und Verschlüsselungen weit mehr als kompositorische Mittel. Blonsteins Dichtung hat eine unheimliche Schönheit und eine beunruhigende ethische Anklage... Der Leser kann nicht anders als staunen über die Art wie sich das Gedicht selbst aus den Fesseln seiner Komposition befreit.“ Mela Meierhans hat sich 2008 von der Dichtung Blonsteins zu „...and the sound of a distance falling - Komposition für Stimme und Bewegung“ inspirieren lassen.

„Etwas in mir | kennt den weg || führt mich, ich höre | eine Flötenstimme, nichts | fürchte ich, bin wie ein Kind“, so beginnen die Essays von Niijolë Miliauskaitë (1950-2002). Niijolë Miliauskaitë ist vor allem als eine der führenden Dichterinnen Litauens bekannt. Miliauskaitë’s dichterische Stimme ist einzigartig darin, wie sie ihre Kraft aus den Alltagshandlungen, aus Ritualen, aus der Landschaft Litauens und seiner jüngeren und älteren Geschichte schöpft. Jedes Gedicht zeugt von der Notwendigkeit Teil des elementaren Prozesses zu werden, den Dingen der Welt Namen zu geben, dabei das Selbst einzubeziehen und so realisierte sie in ihrer Dichtung die gegenwärtige Aufgabe: eine neue Mythologie zu schaffen, sich und die Menschen ihres Landes einzubeziehen in „die Suche nach einer tauglichen Biografie“, wie sie es nannte. „essays I-V“ komponierte Mela Meierhans 2006 nach Gedichten von Niijolë Miliauskaitë für Stimme und Klavier. Am 9. November 2012 findet die Uraufführung von „essays V-X“ für Mezzosopran, Bewegung und Klavier in Witten statt.

Als wesentliche gestalterische Interessen nennt die Komponistin Mela Meierhans Vielschichtigkeit und Offenheit, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Entwicklung von interaktiven Partituren in den Bereichen Musik, Tanz, Film, Performance, Theater, Installation und Architektur. Seit 2003 liegt ihr Arbeitsschwerpunkt im Bereich Musiktheater/Musik im (öffentlichen) Raum.

Die Aufführenden sind:

Leslie Leon - Mezzosopran, studierte in Berlin und Hamburg und ist neben ihrer Bühnentätigkeit in Oper, Konzert und Oratorium eine gefragte Interpretin zeitgenössischer Musik und erhielt Einladungen unter anderem zu Festivals wie Wien Modern, Musikfest Berlin, Festival de Mexico en el Centro Histórico, Theaterspektakel Zürich, Warschauer Herbst und MaerzMusik Berlin. Sie arbeitet mit Ensembles wie dem Klangforum Wien, dem Ensemble für Neue Musik Zürich und dem Gewandhaus Orchester Leipzig zusammen und brachte zahlreiche für sie geschriebene Werke in Musiktheater und Konzert zur Uraufführung. Aktuell wird die Arbeit der Sängerin durch das Pro-Exzellenzia-Stipendium der Europäischen Union und der Stadt Hamburg gefördert.

Charlotte Constance Frisch, Eurythmie. Aufgewachsen in Zürich. Sozialpraxis in Järna /Schweden, Eurythmiestudium in Den Haag, Bühnenstudienkurs am Goetheanum Dornach.

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Eurythmisch-pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an der Rudolf Steiner Schule Bochum, Kursleitung an Seminaren und in der Manager-Schulung bei CCS Düsseldorf. Dozentin im Leitungskollegium der Eurythmie-Ausbildung Witten/Annen, Gastdozentin in Den Haag und Hamburg. Mentorin in den Eurythmie-Ausbildungen Helsinki und 4.D Hamburg. Freie Projekte, choreografische und Aufführungstätigkeit sowie Tourneen mit verschiedenen Eurythmie Ensembles. Zuletzt Ensemble Dialogue für ‚Festival Alpentöne’ 2009, Altdorf CH sowie „Rithaa – ein Jenseitsreigen“ von Mela Meierhans bei MaerzMusik 2011, Berlin.

Oliver von Klot-Heydenfeldt, Klavier, geb. in Essen. Klavierstudium am Sweelinck-Conservatorium in Amsterdam und künstlerisches Aufbaustudium an der Folkwang-Hochschule in Essen. Stipendium der Stadt Bremen. Meisterkurs bei John Cage. Nebenbei Ausbildung zum Kirchenmusiker. Seit 2000 am Institut für Waldorf-Pädagogik Witten/Annen als Pianist des Abschlussjahrs der Eurythmieausbildung und Dozent für Klavier und Musiktheorie. Bühnentätigkeit mit verschiedenen Programmen im Bereich der klassischen Musik, des Chansons und des Jazz, sowie als Pianist in verschiedenen Theaterproduktionen an öffentlichen und freien Häusern. Auftragskompositionen und Werkbearbeitungen (Strawinsky, Gubaidulina, Legrand, etc.) u.a. fur den WDR, das Ernst-Deutsch-Theater Hamburg, Ensemble Indigo. Rundfunk- und CD-Einspielungen.

Marion Körner

Freitag, 9. November, 20 Uhr. Veranstaltungsort: Witten/Annen Institut für Waldorf-Pädagogik, Annener Berg 15, 58454 Witten. Weitere Informationen: Tel. 02302.96730

Fotos: Marion Körner